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Finanznot bei Tiefwasserhafen Millionenschwere Finanzierungslücke beim JadeWeserPort

Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Ein Darlehen muss bald zurückgezahlt werden, doch eigene Mittel dafür fehlen. Helfen sollen nun Bremen und Niedersachsen.

Von dpa 27.02.2025, 16:40
Der JadeWeserPort ist ein Gemeinschaftsprojekt der Länder Niedersachsen und Bremen - nun gibt es allerdings Finanzierungsschwierigkeiten. (Archivbild)
Der JadeWeserPort ist ein Gemeinschaftsprojekt der Länder Niedersachsen und Bremen - nun gibt es allerdings Finanzierungsschwierigkeiten. (Archivbild) Stefan Rampfel/

Wilhelmshaven - Bei einer Betriebsgesellschaft des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven klafft eine millionenschwere Finanzierungslücke. Konkret geht es um ein Darlehen von 125 Millionen Euro, das die JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft 2026 an die Europäische Investitionsbank zurückzahlen muss, aber aus eigenen Mittel nicht aufbringen kann. Nun sollen die Länder Niedersachsen und Bremen, die für das Darlehen gebürgt haben, einspringen. Das bestätigten der Bremer Senat und das Wirtschaftsministerium in Hannover. Zuvor hatte der „Weser-Kurier“ berichtet.

Der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands ist ein Gemeinschaftsprojekt von Niedersachsen und Bremen. Beide Länder sind etwa zur Hälfte an der JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft beteiligt. Die Gesellschaft stellt den operativen Betrieb und die Infrastruktur des Hafens sicher. Daneben gibt es noch eine zweite Gesellschaft, die Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketinggesellschaft, die für die Vermarktung des Güterverkehrszentrums im Hafen zuständig ist.

Bremen und Niedersachsen wollen Geld geben

Dem Zeitungsbericht zufolge sollen beide Länder für die Rückzahlung des Darlehens mit jeweils rund 62,5 Millionen Euro einspringen. Entsprechende Zusagen seien schon in den nächsten Wochen nötig, damit Wirtschaftsprüfer eine positive Fortführungsprognose erteilen könnten, hieß es in dem Bericht. 

Beide Länder kündigten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur an, das fehlende Geld bereitzustellen. Niedersachsen habe die für die Kreditzurückzahlung notwendigen Mittel in Höhe von rund 62 Millionen Euro in seine Finanzplanung eingestellt, hieß es.

Das Bremer Häfenressort gab an, aktuell laufe die Haushaltsaufstellung für den Doppelhaushalt 2026/2027. „Die Zahlung wird aufgrund der Bürgschaft geleistet“, teilte ein Ressortsprecher mit. Die Bereitstellung der hohen Summe stelle Bremen vor eine „reelle Herausforderung“. Dafür habe jedoch ein Finanzierungsmodell entwickelt werden können. Die Realisierungsgesellschaft des Hafens sei daher weiter zahlungsfähig, betonten beide Länder.

Containerumschlag bleibt hinter Erwartungen zurück

Der JadeWeserPort ist zwölf Jahre nach seinem Start noch immer nicht voll ausgelastet, auch wenn der Trend zuletzt aufwärts zeigte. Innerhalb von fünf Jahren, so das ehrgeizige Ziel damals, sollte die Kapazität komplett ausgelastet sein und jährlich sollten 2,7 Millionen Standardcontainer umgeschlagen werden. Zuletzt war der Hafen davon weit entfernt. 2023 wurden 531.637 Standardcontainer umgeschlagen.

Der ausbleibende Containerumschlag in Wilhelmshaven sei auch der Grund, warum das Darlehen nicht aus eigenen Mitteln zurückgezahlt werden könne, teilten die Länder mit. Entgegen den Prognosen bei der Planung und der Finanzierung des JadeWeserPorts zwischen 2006 und 2008 sei der weltweite Containerumschlag nicht wie gedacht mit zweistelligen Wachstumsraten von etwa acht bis zwölf Prozent gewachsen, sondern nur mit zwei bis drei Prozent, teilte das Wirtschaftsministerium in Hannover mit. Demnach wurde das Darlehen einst aufgenommen, um die terminalnahe Infrastruktur des Hafens zu finanzieren. 

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Realisierungsgesellschaft, teilte mit, der JadeWeserPort stehe vor einer guten Zukunft. Das würden die Umschlagzahlen belegen. „Dass wir gemeinsam die Finanzierung sicherstellen müssen, kommt nicht überraschend und ist zu lösen“, sagte der SPD Politiker. „Niedersachsen stand und steht zu Wilhelmshaven und zu seinen Verpflichtungen und hat dies abgesichert.“