Zukunft des D-Tickets unsicher Minister Lies: Müssen Deutschlandticket langfristig erhalten
Bleibt das Deutschlandticket auf Dauer? Die Union hatte das infrage gestellt. Für die Koalitionsgespräche zwischen CDU/CSU und der SPD hat Niedersachsens Verkehrsminister Lies eine klare Forderung.

Hannover - Niedersachsen fordert von der neuen Bundesregierung eine Fortführung des Deutschlandtickets. „Für mich ist klar, dass wir das Ticket langfristig erhalten müssen“, sagte Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Das müssen wir mit Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen deutlich machen.“
Heute wird im niedersächsischen Landtag darüber debattiert, wie die künftige Finanzierung des Tickets sichergestellt werden kann. Lies machte klar: „Ein Zurück zum Tarifdschungel ist gerade für Niedersachsen keine Option.“ Bund und Länder müssten vereint an einer Lösung zur Finanzierung arbeiten, die bestehende hälftige Aufteilung der Kosten habe sich bewährt.
Eine stabile, langfristige Finanzierung sei nötig, um Kunden Sicherheit und Verlässlichkeit zu geben. „Es darf nicht passieren, dass sie am Ende einseitig die Lasten einer Preiserhöhung tragen“, sagte Lies. Gleichzeitig müsse man weiter am Ausbau des Nahverkehrs arbeiten, insbesondere für Menschen in ländlichen Gebieten.
Fahrgastverband fordert Mindeststandards
Das fordert auch der Fahrgastverband Pro Bahn. „Die Nutzbarkeit des Tickets ist in vielen Gegenden abseits der großen Städte und Bahnstrecken ein Problem“, sagte der Landesvorsitzende Malte Diehl.
Die Landesregierung müsse Mindeststandards für einen attraktiven Nahverkehr festlegen. Jede Gemeinde müsse von früh bis spät mindestens stündlich an den Bus- oder Bahnverkehr angeschlossen werden. Administrative Grenzen, etwa Kreisgrenzen beim Busverkehr, dürften keine Rolle mehr spielen, sagte Diehl.
Deutschlandticket wichtig für soziale Teilhabe
Doch das Ticket ist nicht nur von verkehrspolitischer Bedeutung. „Es ist vor allem ein wichtiger Faktor, wenn es um die soziale Teilhabe von Menschen mit geringem Einkommen geht“, sagte eine Landessprecherin des Sozialverbands Deutschland (SoVD). Das Ticket ermögliche mehr Sozialkontakte, mehr Aktivitäten außer Haus und eine verbesserte Erreichbarkeit etwa von Ärzten und Supermärkten. Der aktuelle Preis von 58 Euro sei aber zu hoch.
Ministerium: Keine Kündigungswelle nach Preiserhöhung
Die Finanzierung des bundesweit gültigen Tickets im Nah- und Regionalverkehr durch Bund und Länder ist bis Ende des Jahres gesichert. Nur noch für dieses Jahr sind Bundesmittel festgeschrieben.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums nutzten im ersten Halbjahr 2024 rund eine Million Niedersachsen das Deutschlandticket – also etwa 12,5 Prozent. Bundesweit besaßen im Januar dieses Jahres rund 13,5 Millionen Menschen das Ticket. Die von manchen befürchtete Kündigungswelle sei ausgeblieben, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Auch zum erhöhten Preis von 58 Euro pro Monat hätten die meisten Kunden ihr Ticket behalten.