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Internet Streit um Sex-Clips vom MDR

Der MDR klärt im Internet über Sexthemen auf. Für "Fickt euch" wird im Radio geworben. Zu Zeiten, wenn auch Kinder zuhören.

Von Jens Schmidt 19.11.2016, 00:01

Magdeburg l Eigentlich ist MDR Sputnik werbefrei. Musik pur, Nachrichten und flotte Moderationen bestimmen das Programm des Radios für junge Leute. Seit kurzem aber gibt es Werbe-Einspieler - nicht irgendwelche Reklame, sondern Werbung auf ein eigenes Produkt: Auf dem Internetkanal Youtube bieten die Öffentlich-Rechtlichen kurze Videoclips zu verschiedenen Themen an, um wieder mehr junges Publikum zu erreichen. Einige Clips drehen sich rund ums Thema Sex. Im Einspieler wird kein Blatt vor den Mund genommen: Zuhörer erfahren den Titel der Serie („Fickt euch“) und worum es im ersten Teil geht („Wenn ich mir jeden Tag einen runterhole, dann müssten mir doch irgendwann die Spermien ausgehen?“). Am Montag lief der Einspieler frühmorgens. An anderen Tagen später. Jedoch: Um diese Uhrzeit sitzt nicht nur die Zielgruppe (14 bis 29 Jahre) am Radio, sondern auch deutlich Jüngere.

Das Problem beschäftigte gestern auch den Hörfunkausschuss, ein Beratungsgremium, in denen Parteien, Kirchen und Gewerkschaften sitzen. Dessen Chef Bernd Reisener (CDU): „Mir persönlich gefällt die Sprache nicht. Mehrheitlich wurde entschieden, dass innerhalb eines Jahres das Format überprüft wird.“ Gnädig zeigte sich die Evangelische Kirche. Peter Taeger: „Ich bin vom Titel nicht begeistert, aber wir sollten den Redakteuren eine Chance geben.“ Steffen Gebhardt (Linke) vom Rundfunkrat meint: „Das ist die Sprache, die junge Leute nun mal benutzen. Den Hinweis aber im Vormittagsprogramm zu bringen, finde ich schwierig.“ Der MDR teilte der Volksstimme mit: Der Früh-Einspieler war ein „Versehen“. Grundsätzlich soll er ab 10 Uhr laufen. Jörg Wiesner, Leiter der MDR-Hauptredaktion Junge Angebote, sagt. „,Fickt euch!‘ ist ein lässiger, selbstironischer, provokanter Titel, der Lust auf einen natürlichen und verantwortungvollen Umgang mit Sexualität machen soll.“

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sieht das kritisch: „Bei allem Verständnis: Gerade der öffentlich rechtliche Rundfunk sollte ein Mindestmaß an Niveau halten. Da ist eine Grenze überschritten.“

Das Wort „Ficken“ sei eindeutig vulgär, sagt Kornelia Pollmann, Sprachwissenschaftlerin der Uni Magdeburg. „Für die meisten Jugendlichen ist dieses Wort aber sicherlich kein Tabuwort mehr. Sprache verändert sich. Wir haben das gesehen bei Wörtern wie ,sexy‘ oder ,geil‘.“ Es sei klar, dass Medien ihre Zielgruppen erreichen wollen. „Es bleibt dennoch wichtig, verantwortungsvoll mit Sprache umzugehen.“