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Warschauer Pakt Historische Beerdigung vor 25 Jahren

Am 31. März 1991 löste sich das Militär-Bündnis auf. Viele Mitglieder wechselten zur Nato.

30.03.2016, 23:01

Berlin ( dpa/dr) l Die Beteiligten sprachen von einer „historischen Beerdigung“, aber niemand trug Trauerkleidung. Alle Augen blieben trocken, als vor 25 Jahren der Warschauer Pakt in einem schmucklosen Akt per Unterschrift zu Grabe getragen wurde.

Die Auflösung des östlichen Militärbündnisses sei ein „lange erwarteter Tod“ gewesen, sagte der damalige bulgarische Präsident Schelju Schelew im März 1991. Und sein tschechoslowakischer Kollege Vaclav Havel meinte: „Es war ein schmerzloses Ende.“ Nur Moskau äußerte sich kritisch. „Ich bedaure nicht das Ende des Warschauer Vertrags. Ich bedaure nur, dass es die Nato noch gibt“, sagte Vize-Parla-mentschef Wladimir Lukin.

Die Hoffnung auf mehr Frieden war groß, als sich der Warschauer Pakt als Folge der Revolutionen in Ost- und Mitteleuropa nach 36 Jahren auflöste. „Europa als Modell einer Region ohne militärischen Konflikt – diesem Ziel scheinen wir näher zu kommen“, meinte damals der deutsche Nato-Generalsekretär Manfred Wörner. Ein Trugschluss: Dem Jugoslawien-Krieg folgten weitere bewaffnete Auseinandersetzungen, etwa in der Ukraine. Und mit dem internationalen Terror sieht sich Europa neuen Herausforderungen gegenüber.

Dass sich die Nato damals ebenfalls hätte auflösen oder zumindest reformieren müssen – diese Forderung ist auch ein Vierteljahrhundert nach Ende des Warschauer Pakts in Moskau oft zu hören. „Der Westen hat es im Triumphgefühl versäumt, Russland in eine neue Friedensordnung einzubinden“, meinte vor kurzem etwa die Moskauer Zeitung „Kommersant“. Eine Folge davon sei etwa die Instabilität in Jugoslawien und der Ukraine gewesen. Aus westlicher Sicht ist Russland selbst für die Lage verantwortlich. Moskau verweigere sich bis heute einer sicherheitspolitischen Inte-gration, meinen Experten.

Seit Auflösung der militärischen Strukturen des Warschauer Pakts am 31. März 1991 hat sich die einstige Trennlinie des Kalten Krieges fast 1000 Kilometer auf Russland zubewegt. Wohl niemand wusste damals, dass sich die Nato innerhalb weniger Jahre bis zur Ostgrenze Polens ausdehnen würde. Die meisten Länder Mittel- und Osteuropas haben sich von Russland abgewendet. Von der früheren Sowjetrepublik Estland im Norden bis zum ehemaligen Bruderland Bulgarien im Süden sind heute ein Dutzend Staaten der Region Nato-Mitglieder.

Sie fühlten sich jahrzehntelang von Moskau unterdrückt und sehen das westliche Militärbündnis als Garanten ihrer nationalen Unabhängigkeit. Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre war deutlich zu erkennen, dass Mitteleuropa und Russland getrennte Wege gehen. Auch in der ehemaligen DDR, die bis zur Wiedervereinigung 1990 Mitglied des Warschauer Pakts war, sind die Kontakte mit Moskau, Nowosibirsk oder Wladiwostok weitgehend abgebrochen. „Mit dem Ende des Warschauer Pakts ging nicht nur die bipolare Welt verloren. Es verschwanden auch wichtige menschliche Kontakte zwischen Ost und West“, meint der russische Politologe Artjom Kretschetnikow.

Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten acht sozialistische Staaten am 14. Mai 1955 in Warschau das Militärbündnis gegründet. Zu den Unterzeichnern gehörten Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei, Ungarn und die Sowjetunion. Als offiziellen Grund für den Zusammenschluss nannten sie den Nato-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland am 9. Mai 1955.

Der Pakt diente aber wohl vor allem der Kontrolle Moskaus über die kleineren Bruderstaaten. Bereits ein Jahr nach Gründung marschierten sowjetische Soldaten in Ungarn ein, um die dortige Reformbewegung zu beenden. Und 1968 erstickten die eigentlich verbündeten Einheiten den Prager Frühling. Mit Gründung des Warschauer Pakts begann auch das Wettrüsten der beiden Militärorganisationen. Zeitweise hatte der Warschauer Pakt fünf Millionen Mann unter Waffen, die Nato kam auf eine ähnliche Anzahl. Heute sind es in der Allianz etwa 4,5 Millionen.

25 Jahre nach der Auflösung des „Roten Bündnisses“ richten sich die Blicke in diesen Tagen wieder auf Warschau. Im Juli trifft sich das Bündnis dort zum Nato-Gipfel.