Mathias Döpfner Ist Döpfner noch zu halten?
Ein Medienbericht über angebliche konzerninterne Nachrichten von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat erneut für Wirbel rund um die Affäre um den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gesorgt.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte gestern einen langen Bericht über den Springer-Chef und berief sich nach eigenen Angaben auf Dokumente, die aus den vergangenen Jahren stammen sollen. Es handele sich um E-Mails und Chatnachrichten aus dem engsten Führungskreis des Medienkonzerns, viele seien vom Springer-Chef selbst.
„M ist der Sargnagel der Demokratie“
In den Zitaten, die in der Wochenzeitung „Die Zeit“ samt den darin enthaltenen Rechtschreibfehlern aufgeführt werden, geht es zum Beispiel um abfällige Bemerkungen über ostdeutsche Bürger. 2019 soll der Konzern-Chef laut dem Zeitungsbericht geschrieben haben: „Die ossis werden nie Demokraten. Vielleicht sollte man aus der ehemaligen ddr eine Agrar und Produktions Zone mit Einheitslohn machen.“ Und an anderer Stelle: „Die ossis sind entweder Kommunisten oder faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig.“
In den Zitaten gehe es auch um Kritik an Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die „Zeit“ zog ein Zitat heran, in dem von „M“ die Rede ist. „Sie ist ein sargnagel der Demokratie.“
Die Zeitung schreibt zudem, dass Döpfner, der von 1994 bis 1996 eher erfolglos Chefredakteur der ostdeutschen Wochenzeitung „Wochenpost“ war, parteilich agiert habe. So soll er sich vor der vergangenen Bundestagswahl eine pro-FDP-Berichterstattung in der „Bild“ gewünscht haben.
Aus Springer-Kreisen hieß es weiter zu dem „Zeit“-Artikel, Döpfner sei ein meinungsstarker Verlagschef, der aus Prinzip immer Gegenmeinung und Widerspruch herausfordere und dafür immer mal wieder polemisiere. Man lasse sich an dem messen, was in den Publikationen des Verlags stehe, nicht an angeblichen Ausschnitten aus persönlichen Chats. Die Absicht des Artikels sei erkennbar: Er solle Unruhe stiften und vom Wesentlichen ablenken.
Ostbeauftragter fordert Rauswurf von Döpfner
Mit dem Artikel holt die Affäre um Reichelt den Medienkonzern, der vor allem in den USA expandieren will, um ein Neues ein. Reichelt musste im Herbst 2021 seinen Posten als Chefredakteur von Deutschlands größter Boulevardzeitung räumen und den Konzern verlassen. Hintergrund seines Endes bei „Bild“ waren Vorwürfe des Machtmissbrauchs in Verbindung mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen gewesen. Der Journalist selbst hatte später von einer „Schmutzkampagne“ gegen ihn gesprochen und hatte Vorwürfe zurückgewiesen.
Der Medienkonzern hatte im Frühjahr 2021 ein internes Verfahren gegen den Journalisten zur Überprüfung der Vorwürfe angestoßen und war dabei zunächst zum Schluss gekommen, ihm eine zweite Chance zu geben. Ein Medienbericht der US-Zeitung „New York Times“ griff den Fall dann im Oktober 2021 erneut auf, Springer zog unmittelbar darauf einen Schlussstrich und entband Reichelt von seinen Aufgaben.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete unabhängig von der „Zeit“-Berichterstattung unter Berufung auf eigene Informationen, dass Springer seit geraumer Zeit rechtliche Schritte gegen Reichelt prüfe. Der Medienanwalt von Julian Reichelt, Ben Irle, teilte auf dpa-Anfrage wiederum mit, man prüfe seinerseits „strafrechtliche Verfolgbarkeiten von Verhaltensweisen und zivilrechtliche Inanspruchnahmen sämtlicher Beteiligten“.
Erst im Januar dieses Jahres hatte Döpfner ein heikles Verfahren mit einem blauen Auge überstanden. Wie die Goethe-Universität Frankfurt am Main seinerzeit mitteilte, stellte die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten „aufgrund der mehrfachen wörtlichen oder gedanklichen Übernahme fremder geistiger Autorenschaft zwar ein wissenschaftliches Fehlverhalten fest“ in Döpfners Dissertationsschrift fest.
Seinen Doktortitel konnte Döpfner aber behalten. Die einzelnen Befunde seien nicht ausreichend, um eine Aberkennung des Doktorgrades zu begründen.
Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), forderte unterdessen den Rauswurf des Axel-Springer-Vorstandsvorsitzenden Döpfner. Schneider sagte gestern zum Portal „t-online.de“: „Herr Döpfner ist nach dieser Veröffentlichung an der Spitze eines Verlages mit dieser publizistischen Macht und mit Blick auf die wichtige Rolle der Medien für unsere Demokratie endgültig nicht mehr tragbar.“
Verlagschef weist die Vorwürfe zurück
Döpfner wies die Vorwürfe gegen ihn zurück. Es handle sich um „aus dem Zusammenhang gerissene Text- und Gesprächsschnipsel“, erklärte er in einer internen Stellungnahme, wie der Springer-Konzern gestern Abend mitteilte.
Döpfner erklärte laut der Stellungnahme, er habe „natürlich keinerlei Vorurteile gegen Menschen aus dem Osten Deutschlands“. Aber er sei „seit Jahrzehnten enttäuscht und besorgt, dass nicht wenige Wähler in den neuen Bundesländern von ganz links nach ganz rechts geschwenkt sind. Der Erfolg der AFD beunruhigt mich.“
(dpa/epd/uk)