Silstedter Theatergruppe übergibt 1750 Euro Freizeit-Schauspieler spenden für Lostauer
Die Verabschiedung des langjährigen Theaterchefs in Silstedt nutzten die Schauspieler für eine Benefiz-Aufführung. 1750 Euro erspielte sich die Schauspieltruppe für die Flutopfer. Diese Woche brachten die Harzer das Geld nach Lostau.
Möser/Lostau l "Im Gasthof zum Stülpner Karl" heißt das Stück, welches die Silstedter Theatergruppe am 12. Juli auf dem Museumshof der Ortschaft aufführte. Eigentlich war die Veranstaltung als Verabschiedung für den langjährigen Vereinsvorsitzenden Karl-Heinz Mänz gedacht.
Nach dem verheerenden Hochwasser von Elbe und Saale entschieden sich die Harzer Schauspieler, die Verabschiedung auch noch mit einem guten Zweck zu verbinden, schildert Jürgen Köhler. Spontan dachten sie dabei an das Jerichower Land. Zumal es zwischen den Silstedtern und dem Ort Menz schon Kontakte gibt. Nach dem vergangenen Hochwasser seien die entstanden, erklärt Karl-Heinz Mänz.
Diesmal wollten sie wieder den vom Wasser betroffenen Menschen in der Region helfen, erklärt der ehemalige Vereinschef. Deswegen sei der Eintrittspreis gesponsert worden. Weitere Spenden rundeten den Betrag auf die stolze Summe von 1750 Euro auf. In einer kleinen Geldkassette haben die Schauspieler den Geldbetrag mitgebracht.
Hartmut Dehne nimmt das Geld in der Gemeindeverwaltung zunächst entgegen. Der Fachbereichsleiter kennt die Sorgen der betroffenen Bürger als Lostauer Einwohner sehr gut. Im Alten Dorf hat es wieder einige Hausbesitzer erwischt, schildert er den Besuchern. Einige von ihnen hatten noch an den Schäden von 2002 finanziell zu knabbern, als das Wasser schon wieder vor der Tür stand. Nur diesmal eben noch höher als bei dem Jahrhunderthochwasser, erklärt er.
Noch längst hätten nicht alle betroffenen Hausbesitzer für sich entschieden, ob sie den Neuanfang noch einmal an der Stelle wagen, spricht er die gedanken der Betroffenen aus.
"Wir reden da ganz offen drüber", fährt er fort. Während Hochwasser für Alt Lostau über einen langen Zeitraum hinweg kein Problem gewesen sei, würden die Hochwasserereignisse nun in immer kürzeren Zeitabständen kommen. Das zehre an den Nerven der Bürger, die in unmittelbarer Elbnähe wohnen, sagt er. Die Gemeinde wolle niemanden zwingen sein Haus zu verlassen. Er könne aber auch Familien verstehen, die sich für einen Neuanfang an einem Platz entscheiden, der vor Hochwasser sicher ist, führt er aus.
Die Schäden an den Gebäuden seien wieder enorm. Ein Kuratorium unter Leitung von Dr. Barbara Loh hat die Aufgabe, die Spendengelder an die Betroffenen zu lenken. Die Lostauerin berät sich dazu mit den Ortsbürgermeistern von Lostau und Hohenwarthe. Diesmal erhalten zwei Familien je die Hälfte der Spende. Mike Rühmland und Birgit Dehmel aus Lostau bekommen das Geld.
Die Anspannung der vergangenen Wochen ist den beiden noch ins Gesicht geschrieben. Die Dankbarkeit für die Unterstützung ist bei den beiden groß. Wie schon 2002 helfen sich die Menschen gegenseitig, um die Flutfolgen zu beseitigen, bedankt sich Hartmut Dehne. Die Unterstützung der Leute sei sehr groß und bewunderswert, erklärt er.
Nicht nur während der Flut hätten viele Bürger freiwillig mit Sandsäcke gefüllt und die Deiche gesichert. Auch danach gebe es noch viele Hilfsangebote.
Die Silstedter wollen sich nach dem offiziellen Termin selbst noch ein Bild der Lage machen. Zusammen mit den beiden Familien besuchen sie Lostau. "Wir können uns das gar nicht vorstellen", sagt Karl-Heinz Mänz. Dass das Wasser der Elbe, die jetzt wieder sehr weit entfernt vom Ortsteil fließt, bis in die Häuser drang, ist für den Besucher kaum vorstellbar.
Das haben die Lostauer schon öfter gehört. Dennoch schafft es die Elbe in immer kürzeren Abständen, bedrohlich anzuschwellen und enorme Schäden zu verursachen.
Neben der Geldspende würden die Silstedter auch gern noch Sachspenden organisieren, erkundigt sich Karl-Heinz Mänz. Bewusst, entgegnet Hartmut Dehne, habe die Gemeinde von der Annahme von Sachspenden Abstand genommen, erläutert er. Hintergrund der Ablehnung sei vor allem der enorme Aufwand, der mit der Verwaltung und Lagerung der Spenden verbunden sei. Oftmals hätten Spender erst in der Gemeinde angerufen, als sie schon kurz vor Möser waren, schildert er seine Erfahrungen.
Außerdem sei das Problem, dass die Gemeinde eine Fülle an Sachspenden nicht benötigen werde. Wenn jemand einen Kühlschrank benötige, sei es einfacher, diesen zu organisieren, als nachher vielleicht in einem Gemeindelager zehn Kühlschränke zu haben, die keiner mehr haben wolle, macht er deutlich.
Deswegen habe die Gemeinde konsequent auf Sachspenden bislang verzichtet und wolle die Linie fortführen, dankte er für das Angebot. Wichtig sei jetzt, dass die betroffenen Bürger weiter unterstützt würden. Neben finanziellen Hilfen unterstützen auch Unternehmen die betroffenen Hausbesitzer, beispielsweise mit kostenlosen Leihmaschinen und Geräten für den Wiederaufbau.
In der Gemeinde werde dazu die Koordination mit übernommen und die Familien entsprechend unterstützt, sagte Dehne. Er dankte allen Helfern und Unterstützern des Wiederaufbaus für ihre tatkräftige Hilfe und Selbstlosigkeit. Unvergesslich sei dies für die betroffenen Einwohner.