Konsumgenossenschaft Burg-Genthin-Zerbst blickt auf 65 Jahre und den Neuanfang 1991 zurück Regionale Produkte haben festen Platz in den Regalen
Ohne großes Aufsehen begeht die Konsumgenossenschaft Burg-Genthin-Zerbst in diesem Monat den 65. Tag der Gründung. 1946 war sie die Genossenschaft des damaligen Landkreises Jerichow I. Vor 20 Jahren, 1991 gab es erneut einen Anfang. Dieses Mal als Konsumgenossenschaft für die Altkreise Burg, Genthin und Zerbst. Die Jahre bis heute waren nicht immer leicht zu meistern, aber im Ergebnis können sie doch zufriedenstellen: Es gibt nur noch vier Konsumgenossenschaften in Sachsen-Anhalt. Eine von ihnen ist das Handelsbündnis dieser drei ehemaligen Kreise.
Burg. Über die Zeit von 1946 bis 1989 gibt es zur Geschichte der Genossenschaft leider keine Chronik, bedauert Vorstandsvorsitzende Sabine Kose. Aber immerhin ist aus der Vorzeit bekannt, dass vor 100 Jahren in der Burger Schulstraße der erste Konsum-Laden eröffnet wurde.
Aussagekräftiger ist die Unternehmensgeschichte laut Vorstandsmitglied Helga Schmidt, wenn es um die Zeit ab 1991 geht. "Damals wollte jeder nur noch im Westen einkaufen oder zumindest Westwaren haben. Unsere Kaufhallen, die fast in jedem Dorf zu finden waren, waren kaum noch gefragt", erinnert sich Schmidt. Schnell musste gehandelt werden, um sich nicht von den rasant einfallenden westdeutschen Marktketten überrollen zu lassen. 40000 Konsummitglieder gab es. Heute sind es noch 25100.
"Ein Weg, um zu überleben, war, sich zu verbünden - und zwar mit den Konsumgenossenschaften der Nachbarkreise Genthin und Zerbst. Ein Schritt, der sich als richtig erwies, wie wir heute wissen", schaut Kose zurück. Nur im Alleingang konnten auch die besten Absichten nicht funktionieren. Wer kannte sich als DDR-Bürger vor 20 Jahren denn schon mit den Tücken der Marktwirtschaft aus?
Sabine Kose ist im Rückblick noch heute erleichtert, auch wenn sie vor zwei Jahrzehnten noch nicht die Verantwortung für den hiesigen Konsum getragen hatte: "In der Edeka Minden fanden wir einen ehrlichen und kompetenten Partner, dem wir dankbar sein können." Es sollte nicht allzu lange dauern und der erste "westlich" ausgestattete Einkaufsmarkt konnte eröffnet werden. Es war die umgebaute und umstrukturierte Konsum-Kaufhalle Burg-Süd. Sie existiert heute noch, allerdings als konsumeigener NP-Markt.
"Natürlich sind wir weiterhin in den drei Städten zu finden. Unser Profil ist es eigentlich, vorwiegend auf dem Land zu handeln", erklärt Sabine Kose. 14 NP-Märkte bestehen auf Franchisebasis mit Edeka. Ebenso 19 kleine Märkte und Kleinversorger. Die Verkaufsflächen erstrecken sich von 45 bis 960 Quadratmetern. Der kleinste Markt findet sich in Krüssau. In nächster Zeit, so die weitere Investitionsplanung, könnte im Altkreis Burg der 15. NP-Markt seine Türen öffnen.
Erstaunlich ist zu hören, dass die Konsumgenossenschaft Burg-Genthin-Zerbst nicht nur für die drei Verbandsregionen Unternehmergeist zeigte, sondern sich über die Grenzen wagte. Filialen gibt es im ländlichen Umland von Cottbus, Halle und Bitterfeld. "Dort mussten Konsum-Geschäfte in Insolvenz gehen. Wir riskierten den Schritt, sie zu übernehmen, was wir bis heute nicht bereut haben", betont Sabine Kose. Der Mitarbeiterstamm konnte Stück für Stück mitwachsen, wenn auch die Personalzahl aus "alten Zeiten" nicht erreicht wurde und nicht erreicht werden konnte. 258 Kollegen und Kolleginnen stehen auf der Gehaltsliste und 21 Lehrlinge. Dazu kommen um die 30 Praktikanten, die zum Teil Konsum-Luft schnuppern, bevor sie sich vielleicht entschließen, sich als Einzelhändler ausbilden zu lassen. "Übrigens besteht unsere Belegschaft zu 92 Prozent aus Frauen. Wir benötigen keine Frauenquote", meint Vorstandsmitglied Helga Schmidt lachend.
Lernen und begreifen musste ab 1991 jede Ladenmannschaft, wie Waren zu beschaffen sind. "Zu DDR-Zeiten gab es den Großhandel, der unsere Verkaufsstellen mit allem versorgte, so gut es bei manchem Mangel ging. Nach der Wende tauchten plötzlich massenweise Firmenvertreter vor den Ladenkassen auf, die ihre Produkte salbungsvoll anpriesen. Die Verkaufsstellenleiterinnen waren bald überfordert. Unser Partner half erneut und erklärte uns, wie wir mit den riesigen Angebot umgehen sollten", erinnert sich Sabine Kose.
Mit den Jahren kamen die Kunden auch wieder zu den ihnen vertrauten Produkten zurück. Dem Käuferwunsch folgend, orientierte sich die Konsumgenossenschaft darauf, verstärkt einheimische Waren in die Regale und Kühltruhen zu stellen oder zu legen.
Die Konsumgenossenschaft Burg-Genthin-Zerbst hat sich einen festen Platz im Heer der Marktketten gesichert. Sie engagiert sich territorial und unterstützt Kinder- oder Ortsfeste. Nicht mit Geld, aber mit Naturalien. Es gibt kein großes Fest zwischen Zerbst und Burg, an dem sich der Konsum nicht beteiligt. Vorstandsmitglied Helga Schmidt: "Wir helfen unter anderem dem Burger Rolandlauf, dem Zerbster Spargelfest und dem Frühlingsfest Gommern. Unterstützung findet von uns der Burger Autofrühling, die Tafeln für Bedürftige, und wir richten an der Grundschule Jerichow die Aktion ,Gesundes Frühstück\' mit aus."