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Ladeburger Anwohner beobachten sterbende Fische Stausee: Wasser abgelassen, aber keiner arbeitet dort

Von Falk Heidel 29.09.2011, 06:23

Der Stausee in Ladeburg ist fast leer. Nicht nur Anwohner ärgern sich über Fische, die im trockenen Schlamm verenden und fragen, warum dort trotz abgelassenem Wasser nichts passiert. Der Landkreis als Bauherr erklärt: Am Montag beginnen die Bauarbeiten.

Ladeburg. "Sie wünscht sich etwas Licht im Dunkeln um die Aktivitäten im Ladeburger Stausee", erklärt Ortschaftsrätin Ramona Schmied Hoboy. An die Volksstimme wendet sie sich mit der Frage: Was ist los am Stausee?

Beobachtet hat die Grünen-Politikerin einen "dramatischen Eingriff in den Naturhaushalt am Stausee." Und: "Die Bewohner des Sees siechen dahin. Qualvoll verenden die Fische."

Von der Volksstimme mit diesen Vorwürfen konfrontiert, erklärt der Landkreis: "An dieser wasserwirtschaftlichen Anlage wird die Dichtigkeit der Staubohlen überprüft und verbessert." Und warum? "Um in Zukunft ein unkontrolliertes Leerlaufen des Speichers zu verhindern."

Den Ablauf der Arbeiten beschreibt Verwaltungssprecher Henry Liebe so: "Zunächst muss das Wasser des Speichers bis auf den Grund abgelassen werden. Da auf dem Speichergrund mehr als ein Meter Schlamm liegt, erscheint es, als wäre der Speicher leer. Das ist jedoch nicht der Fall."

Am Montag rechnet der Baubetrieb Liebe zufolge damit, dass die Dichtungsarbeiten ausgeführt werden können.

Je nach Niederschlag soll sich der Speicher danach wieder füllen. Wie lange das dauern wird, will niemand beziffern. Henry Liebe sagt: "Die Maßnahme ist mit der Naturschutzbehörde abgestimmt und erfolgt in einer aus artenschutzrechtlicher Sicht besten Zeit, ansonsten wären die Arbeiten bereits im Mai erfolgt."

Und: "Das Stausee-Wasser floss in den Vorfluter-Graben und verbleibt damit im Einzugsgebiet, ebenso wie die meisten Fische."

Ende 2010 ist der Speicher Ladeburg für 130 000 Euro saniert worden. Erneuert wurde das Einlaufbauwerk zur Wasserstands-Regulierung. Zudem wurde ein neuer Überlauf gebaut, über den im Ernstfall das Hochwasser ablaufen kann. Und es sind Bäume am Ufer gefällt worden. Bewirtschafter der Anlage ist seit Mai der Gewässerunterhaltungsverband Ehle/Ihle.

Das Gewässer fasst im Normalfall 100 000 Kubikmeter bei einem Dauerstau. Der Überlauf wird genutzt, wenn mehr als 230 000 Kubikmeter drin sind.

Ausreichender Sauerstoffgehalt und Erhöhung des Speichervolumens sind die Hauptgründe, warum das Gewässer entschlammt werden soll. Die geschätzten Kosten liegen bei 800 000 Euro.

Der 550 Meter lange und 110 Meter breite See wurde 1975 künstlich als Bewässerungsspeicher angelegt. Zu DDR-Zeiten galt er im damaligen Kreis Zerbst als Wasservogelschongebiet. In den 80er Jahren sind dort 116 Vogelarten nachgewiesen worden. Unter anderem Kranich oder Fischadler. Jedoch hatten die landwirtschaftlichen Betriebe nach der Wende keinen Nutzen mehr gesehen. 1996 wurde ein sogenanntes Außerbetriebs- setzungsverfahren eingeleitet. Naturschützer und der Unterhaltungsverband Ehle/Ihle machten sich für den Weiter-betrieb stark. Mit Erfolg: Letztlich kam es zu keiner Stilllegung. Das Biotop entwickelte sich prächtig und die Anlage bietet einen wirksamen Schutz vor Hochwasser.