Drei junge Adebare aus Sachau sind zurzeit in Loburg untergebracht Krimi bei der Storchenrettung
Der Sachauer Hans-Günter Benecke und seine Helfer retteten vor kurzem drei Jungstörche vor dem sicheren Tod. Zurzeit werden die Tiere in Loburg aufgepäppelt.
Sachau l Knapp 24 Stunden lang hatte Hans-Günter Benecke gewartet, doch dann war klar: Vater Storch wird nicht zurückkehren. Die Sachauerin Ursula Baum hatte das Tier unter einer Stromleitung tot aufgefunden und sich gleich an Hans-Günter Benecke, der ehrenamtlicher Natürschützer ist und einen Storchenhorst auf seinem Scheunendach in Sachau hat, gewandt. Dort hockte nun die Störchin mit ihrem wenige Tage alten Nachwuchs und wartete auf die Heimkehr ihres Gatten, der Nahrung mitbringen sollte.
Dann musste alles ganz schnell gehen: "Als wir uns sicher waren, dass der tote Storch unser Brutstorch war und keine Brutablösung stattfand, entschieden wir, die Jungvögel zu bergen", so Benecke. Denn die Gefahr war: Wenn das weibliche Alttier zur Nahrungssuche aufgebrochen wäre, hätten die kleinen Jungstörche ungeschützt im Nest gesessen: ihr Todesurteil.
Hilfe bei der Bergung erhielt Hans-Günter Benecke vom Miester Sten-Uwe Meinel und dessen Sohn Hannes, die eine Hebebühne besorgten, um die Tiere zu retten - und all das am Himmelfahrtstag.
Als die Retter den Horst in etwa zehn Metern Höhe erreichten, flog der Altvogel davon. Unmittelbar während Benecke und Meinel nach oben fuhren, steuerte ein Rotmilan, der seinen Horst nur 150 Meter entfernt hat, das Storchennest an.
"Der Rotmilan kam im Sturzflug auf das Nest zu"
"Er kam im Sturzflug und ich dachte schon, wir müssen einen der Jungvögel opfern", schilderte Benecke die Situation. Doch das weibliche Alttier half den Rettern, indem es sich im Flug mehrfach zwischen Nest und Milan drängte, während Benecke die Tiere aus dem Nest nahm. "Das war wirklich wie ein Krimi", sagte der Sachauer. Nachbarn und Familienmitglieder verfolgten die Rettungsaktion vom Innenhof aus. Ganz besorgt um die Jungstörche waren auch die Nachbarskinder Theresa und Sören Holz. Deshalb durften sie mitkommen, als Benecke die vier Jungtiere warm verpackt zur Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg brachte.
Dort werden die Tiere zurzeit von Dr. Christoph Kaatz und seinem Team versorgt. Die erste Fütterung, jeweils mit einem Storch aus Kunststoff, ist um 5.30 Uhr, dann alle zwei bis drei Stunden, bis um 21.30 Uhr die Nachtruhe für die Storchenkinder beginnt. "Denen geht es besser als zu Hause", sagte Kaatz auf Nachfrage lachend. Auf dem Speiseplan stehen für die Halbwaisen Fleisch, Fisch "und auch mal Regenwürmer". Kaatz: "Frösche dürfen wir wegen des Bundesartenschutzabkommens nicht verfüttern." Einer der Jungstörche ist trotz bester Pflege inzwischen verstorben: "Das sah von Beginn an nicht so gut aus", so Kaatz.
Insgesamt werden in Loburg bei Möckern zurzeit 19 Storchenkinder versorgt. Noch in dieser Woche soll dann festgelegt werden, wo die Sachauer Störche hinkommen werden. "Wir nutzen das Adoptionsverfahren, das heißt wir setzen die Jungen in Nester, wo nur ein oder zwei Junge sind", so Kaatz. Dann versorgen die Altstörche die "Kuckuckskinder" mit. "In den meisten Fällen geht es gut", so Kaatz zu den Erfolgsaussichten. Diese Rückkehr in ein richtiges Nest sei für die Tiere wichtig, "denn sie sollen nicht verhausschweint werden", so der Vereinsvorsitzende der Vogelschutzwarte. "Sonst suchen die Störche immer die menschliche Nähe." Kaatz sucht jedes Jahr Nester, die mit nur wenigen Jungen belegt sind, um Findelkinder dort unterzubringen. Zugenommen habe die Zahl der verunglückten Störche im Straßenverkehr. "Die suchen an Gräben am Rand nach Nahrung und dann ist es schnell passiert", so Kaatz. Der Storchenhof ist täglich von 10 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet."
Das Sachauer Weibchen trägt übrigens auch keine Trauer mehr. Ganze zwei Tage war sie allein im Nest, dann buhlten zwei Männchen um ihre Gunst. Nach mehreren Abwehrversuchen "stehen nun wieder zwei Störche auf dem Nest, vermutlich hat sich das Weibchen also neu verpaart", so Benecke.