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Naturschutz „Kellerberge ein Kronjuwelchen“

Seit 2012 gehören 184 Hektar rund um Gardelegen der Naturerbe GmbH. Ziel: artenreiche Natur mit heimischen Tieren und Pflanzen.

Von Ilka Marten 02.07.2016, 03:00

Gardelegen l Ein Stück Wildnis ist schon da, so wie es sich Bundesforstrevierleiter Detlev Riesner vom Bundesforst und Katja Behrendt von der Naturerbe GmbH der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) auch wünschen. Eine Fläche von 284 Hektar nordöstlich von Gardelegen in Richtung Kloster Neuendorf am Nordrand der Colbitz-Letzlinger Heide ist „eine Fläche mit nationaler Bedeutung“, wie Behrendt sagt. Wo einst Panzer rollten, setzt sich die hügelige Fläche aus verschiedenen Offenlandlebensräumen (rund 60 Prozent) und artenreichen Mischwäldern (etwa 40 Prozent) zusammen. Was für Spaziergänger und Radfahrer Idylle in den Kellerbergen ist, ist aus Sicht des Besitzers – die DBU Naturerbe GmbH – schützenswerter Naturraum.

2012 übernahm die gemeinnützige Gesellschaft die 284 Hektar Kellerberge und versucht seither in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Bundesforstes wertvolle Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu erweitern. Eine wichtige Rolle spielt dabei in den Kellerbergen Schäfermeister Joachim Gaudian, der regelmäßig mit seinen Herden auf den Flächen unterwegs ist – und so Landschaftsschutz betreibt. „Durch die Beweidung ist die Heidefläche hier größer geworden. Das ist ein toller Erfolg“, schätzte Behrendt bei einem Besuch vor Ort ein. In den Kellerbergen sind auch drei Wiedehopf-Brutpaare ansässig. „Das haben sie nicht einmal in der Lüneburger Heide“, sagt Behrendt und ergänzt: „Die Kellerberge sind ein Kronjuwelchen.“

Der ehemalige Fliegerhorst, bewaldete Binnendünen und Waldflächen gehören zum Nationalen Naturerbe Kellerberge. Arten, die dort vorkommen sind neben dem in Deutschland selten gewordenen Wiedehopf auch der Neuntöter, die Heidelerche, verschiedene Heuschrecken- und Fledermausarten. Zwei Lesesteinhaufen wurden in den Kellerbergen aufgebaut, die Schutz und Wärme für Insekten und Reptilien bieten – sowie Nistplätze für den Wiedehopf sind. Ziel langfristig ist, dass rund 100 bis 150 Hektar in den Kellerbergen als großflächige Sandmagerrasenflächen und Heiden entwickelt werden.

Für die Forstarbeiter ist das vor allem Handarbeit: Sie entfernen die – bisher erst in wenigen Exemplaren vorkommenden spätblühenden Traubenkirschen sowie vereinzelt stehende Robinien. „Wir haben hier die Chance, das noch in den Griff zu bekommen“, so Behrendt. Und Riesner fügt hinzu. „Die Traubenkirsche verdrängt sonst alles.“ An einigen Stellen nehmen die Forstarbeiter bestimmte Pflanzen ganz bewusst heraus, an anderen darf die Natur schon so wachsen wie sie ist. Rund fünf Prozent der Kellerberge-Flächen sind bereits wilde Waldflächen, die für noch mehr Artenreichtum sorgen sollen.

Die überwiegend kieferndominierten Wälder sollen sich zur strukturreichen Mischwäldern mit Eichen, Birken und Kiefern entwickeln, denn „dann werden sie zum Schatzkästchen der heimischen Natur“, so Katja Behrendt.Die Kellerberge sind eines der kleineren Gebiete der DBU-Naturerbe-Flächen. Insgesamt gehören dazu rund 62 000 Hektar, davon mehr als 11 000 in Sachsen-Anhalt. Der Großteil der Gesamtfläche liegt in den neuen Bundesländern – viele Flächen sind frühere militärisch genutzte Liegenschaften. Vorherige Eigentümerin der Kellerberge-Flächen war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Auf zwei großen Informationstafeln können sich Spaziergänger über die Ziele der DBU Naturerbe in den Kellerbergen bald informieren.