Mitarbeiter der Landwirts GbR ernten seit Sonnabend das Stangengemüse Spargelsaison in Jerchel ist seit Sonnabend eröffnet
Am Sonnabend stachen die Mitarbeiter der Jercheler Landwirts GbR den ersten Spargel der Saison. Mitinhaber Friedrich-Wilhelm Giggel hofft auf eine gute Ernte. Er weiß aber auch, dass das Wetter in den vergangenen Tagen zu trocken war.
Jerchel l "Warm und feucht - das ist das beste Wetter", sagt Friedrich-Wilhelm Giggel und blickt dabei auf sein Spargelfeld. 26 Reihen erstrecken sich mehr als 300 Meter lang am Ortsrand von Jerchel. Der April sei aber zu trocken gewesen. Er weiß das, weil er täglich im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Niederschlagsmengen misst. Bislang seien im April 22 Millimeter Niederschlag gefallen. "Also 22 Liter auf dem Quadratmeter", erklärt der Landwirt. Das sei nur rund ein Drittel von dem, was im Durchschnitt im April fällt.
Auch der März war mit 6 Millimetern und der Februar mit 15,6 Millimetern vergleichsweise zu trocken. Allein der Januar hatte 75 Millimeter Niederschlag. "Das war sogar etwas mehr als der Durchschnittswert der vergangenen Jahre", berichtet Giggel.
Trotzdem hofft er auf eine gute Ernte. Schließlich ist die Nachfrage nach dem Stangengewächs groß. Seit 1991 baut die Landwirts GbR Spargel an. "Die Saat kommt aus Möringen", betont Giggel. Schon immer, erzählte er weiter, verzichte er auf verfrühende Maßnahmen. "Das wäre zu aufwändig und zu teuer", erzählt der Jercheler. "Wir haben schon viele Anfragen, wann es losgeht und der erste Spargel kommt." Verkauft werde der Spargel direkt vom Hof. Seine Kunden seien alles Stammkunden. "Sie warten lieber die zehn Tage länger auf den ersten Spargel und zahlen dann eben weniger", weiß Giggel.
Ihm selber, so fügt er an, schmecke der Spargel am besten, wenn er schon etwas grün ist. "Der Geschmack ist einfach intensiver", meint er. Er weiß natürlich, dass die meisten seiner Kunden weißen Spargel bevorzugen. Aber die Geschmäcker seien ja bekanntlich verschieden. Dazu Kartoffeln und ein Kotelett - das sei das perfekte Spargelessen, erklärt der Landwirt mit einem Lächeln.
"Beides bauen wir aber nicht an", erzählt Giggel über seinen Betrieb. Dafür aber Getreide, Mais und Raps. In den Stallungen der Landwirts GbR stehen Rinder. "40 Mutterkühe, 25 Kälber und 350 Tiere in der Jungtieraufzucht", lässt Giggel seinen Auszubildenden Jakob Spanger aus Satuelle aufzählen. Der 19-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und lernt wie der 18-jährige Solpker Kevin Salogge den Beruf des Landwirts. Und dieser habe vor allem mit Rechnen zu tun, erklärt Giggel den beiden jungen Männern immer wieder. "Landwirtschaft ist mehr als Trecker-Fahren", betont er. An erster Stelle komme das Rechnen, an zweiter Stelle müsse ein Landwirt wissen, was in Tier und Pflanze vorgeht und erst danach komme der richtige Umgang mit der Technik, zählt der Jercheler auf. Die beiden Azubis nicken.
Zwei Auszubildende habe die GbR immer, erzählt Giggel. In seinem Betrieb, den er zusammen mit Reinhard Kulow und Heinz Drebenstedt führt, seien schon etliche Landwirte ausgebildet worden. Seit zwei Jahren allerdings, als die GbR die Milchviehhaltung wegen der schlechten Milchpreise aufgegeben habe, entsendet Giggel die Auszubildenden zu anderen Betrieben, damit die jungen Menschen dort das Melken lernen. "Das ist das Einzige, was bei uns nun nicht mehr geht." Aber durch eine Kooperation mit einem Milchviehbetrieb sei das sehr gut abgefedert, erzählt er.
Richtige kleine Landwirtschaftsspezialisten sind die Kinder der Kita Hollerbusch. Ihre Kita liegt nur wenige Meter von den Feldern der GbR entfernt. Kita-Leiterin Anja Freist ist die Tochter von Friedrich-Wilhelm Giggel, welchen die Kinder daher alle nur Opa Friedrich nennen. "So oft es geht", erzählt Anja Freist, "besuchen wir die Felder. Die Kinder wissen über den Spargel schon sehr viel. Besonders freut sie aber, wenn die Traktoren kommen", meint die Erzieherin. Da geht es ihnen ähnlich wie den beiden Auszubildenden, die insgeheim schon ganz gern mit dem Traktor fahren.
In den nächsten Wochen, so erzählt der Jercheler, werden die beiden aber eher den Spargel sortieren müssen.