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Beschbarmak, Manti oder Tschai bedeuten für die kasachischen Frauen des Integrationstreffs ein Stück Heimat Typische kasachische Köstlichkeiten als Integrationshelfer

28.09.2012, 01:12

Nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die interkulturelle Woche ist eine gute Möglichkeit, einen zweiten Eindruck zu bekommen - in vielerlei Hinsicht.

Genthin l Ein trostloser Häuserblock am Rande von Genthin. Alles wirkt grau in grau. Die vollgesprayten Fassaden legen nahe, diesen Ort schnell wieder zu verlassen. Dennoch liegt ein köstlicher Geruch in der Luft. Fremdartig dringt er in die Nase und lässt auf eine leckere Mahlzeit hoffen. Im Fenster eines der Hochhäuser, die sich hier dicht an dicht drängen, hängt ein Schild. "Integrationstreff" ist dort zu lesen. Ausgedruckt auf Papier vergilbt das Plakat langsam im Sonnenlicht. Hier findet heute ein kasachischer Nachmittag statt. Mit landestypischen Gerichten und Informationen wollen Galina Eckert und ihre kasachischen Freundinnen ihre Gäste verwöhnen.

Aber Moment Mal, Kasachstan, liegt das nicht bei Russland? Und dort, so denkt man, ist die einzige kulinarische Spezialität der selbst gebrannte Wodka. Nur ein Vorurteil oder die Realität? Ein paar Treppenstufen liegen vor der Beantwortung dieser Frage.

"Hallo, herzlich willkommen bei uns!" In perfektem Deutsch, aber mit unverkennbarem, russischen Akzent begrüßt Galina Eckert die Besucher. "Willst du etwas trinken? Saft, Tee oder Kaffee?" Es gibt also schon mal keinen Wodka. Unglaublich viele Frauen laufen geschäftig durch die zum Integrationstreff umgebaute Wohnung. Alle reden durchein- ander, es entsteht ein Stimmteppich aus russischen und deutschen Gesprächen.

Die Betreuerin des Treffs, Cornelia Otto, hat neben den Vertretern verschiedener Behörden alle Bürger eingeladen. Sie packt mit an und geht mit einem Tablett herum. Dabei erzählt sie: "Die Idee kam uns, weil über die Hälfte der Leute, die zum Gesprächskreis herkommen, aus Kasachstan stammen." In der Küche kochen die letzten Köstlichkeiten auf dem Herd. Nebenan gibt es etwas typisch Kasachisches: Tee. Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Erde. Die größten Nachbarn sind China und Russland. Dadurch gibt es dort verschiedenste Einflüsse. Tee kann in den extrem warmen Sommern, aber auch in den kalten Wintern getrunken werden. Die Zubereitung ist ungewöhnlich: Zuerst kommt ein wenig Tara (Hirse) in die Tasse. Dazu wird der Tschai, also Teekonzentrat mit Sahne gegeben. Abschließend noch heißes Wasser und fertig ist ein Ritual, das den Kasachen lieb und heilig ist. Zum Tee wird traditionell Halwa und Baursaki gereicht. Beides sind leckere Süßspeisen. Die Frauen im Treff haben diese zusammen mit anderen Naschereien im russischen Markt gekauft oder selbst hergestellt. Der Tisch ist voll mit Schüsseln, aber an kasachische Verhältnisse reicht das noch lange nicht heran, wie Zilli Kostbar erzählt: "Wenn bei uns gefeiert wird, dauert das Stunden und der Tisch wird immer voller. Das hier sind höchstens zehn Prozent des Normalen." Die Kasachin mit deutschen Wurzeln ist in Russland geboren und im Zweiten Weltkrieg nach Kasachstan zwangsumgesiedelt worden. Lebhaft erzählt sie von ihrer Heimat. Als ihre Verwandten von dem Fest gehört haben, schickten sie ihr traditionelle kasachische Trachten.

Diese kommen bei den Gästen gut an. Kurzerhand entschließen sie sich zum Foto-shooting in den prachtvollen Gewändern. Das sorgt für viel Gelächter. Überhaupt - die gute Laune der Kasachinnen ist ansteckend. Unter den Besuchern befinden sich auch interessierte Schüler des Russisch-Kurses der siebten Klasse an der Sekundarschule am Baumschulenweg.

Ein bisschen wie in der Schule ist es dann auch, als ein Film über Kasachstan gezeigt wird. Der Unterschied: Es darf dabei gegessen werden. Die beiden typischsten Gerichte für das Land sind Manti (Gefüllte Teigtaschen) und das Nationalgericht Beschbarmak, ein Fleischgericht mit nudelähnlichen Teigfladen. Das schmeckt auch Anneliese Borchert und ihren Freundinnen: "Das Essen ist nur zu empfehlen." Sie gehört zu den 40 Gästen, die die großzügigen und freundlichen Gastgeberinnen an diesem Nachmittag in eine andere Welt entführen konnten.