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Harz So heißen Halberstadts Babys 2020

Folgen Halberstadts Eltern Trends, wenn es um Namen für ihren Nachwuchs geht ? Wie viele Kinder wurden 2020 in der Harz-Kreisstadt geboren?

Von Sandra Reulecke 01.01.2021, 00:01

Halberstadt l 940 Gramm. Weniger als eine Packung Mehl brachte ein Junge auf die Waage, als er am 3. Juli dieses Jahres im Halberstädter Ameos-Klinikum das Licht der Welt erblickte. „Er hat es geschafft!“, berichtet Kliniksprecherin Maren Brandt erfreut.

Wie sie informiert, rechnet das Krankenhaus mit bis zu 430 Geburten bis zum Jahreswechsel 2020/21. Exakt 425 waren es am 29. Dezember. Dabei waren die Jungen eindeutig in der Überzahl: 236. Also erblickten nur 189 Mädchen in der Kreisstadt das Licht der Welt. Die meisten Geburten, so informiert die Kliniksprecherin, fanden im Januar statt. 31 Jungen und 25 Mädchen kamen zum Jahresstart auf die Welt. Die wenigsten Kinder – 15 Jungen, 16 Mädchen – wurden im Oktober geboren.

Die Statistik für den Dezember dürfte da wieder besser aussehen. Dafür sorgt unter anderem Luis, das diesjährige Heiligabendkind. Eine Woche zuvor, am 17. Dezember, wurde das einzige Zwillingspaar des Jahres geboren. Die beiden sind eineiig, wie Brandt berichtet.

430 Geburten – damit sinkt die Anzahl erneut im Vergleich zum Vorjahr. 2019 waren es 509 (264 Mädchen und 245 Jungen). Mehrlingsgeburten wurden voriges Jahr gar nicht verzeichnet – im Gegensatz zu 2018, da wurden zehn Zwillingsgeburten gezählt. Auch insgesamt fiel damals die Geburtenzahl höher aus. 2018 gab es 526 Geburten im Halberstädter Krankenhaus, 2017 wurden 587 Kinder geboren, im Jahr zuvor waren es 591, 2015 erblickten 626 Kinder in der Kreisstadt das Licht der Welt.

Mit dieser Entwicklung steht Halberstadt nicht allein. Laut Statistischem Bundesamt sind 2019 in Sachsen-Anhalt insgesamt 16.618 Kinder lebend geboren waren – 792 Neugeborene beziehungsweise 4,5 Prozent weniger als noch im Jahr 2018 (17.410).

Ob sich dieser Trend coronabedingt 2021 ändert, bleibt abzuwarten. Manche Experten und Hebammen gehen von einem Anstieg der Geburtenzahlen aus – weil der Wert von Familienleben im Lockdown gestiegen und aufgrund von eingeschränkten Freizeit- und Reisemöglichkeiten schlichtweg mehr Zeit für die Familienplanung geblieben ist. Andere Bevölkerungsforscher prognostizieren, dass gesundheitliche Sorgen und ökonomische Ängste während der Pandemie dazu führen, dass ein Kinderwunsch verschoben wird, heißt es in der Berliner Zeitung.

Corona hatte bereits in diesem Jahr Auswirkungen auf werdende Eltern. Abstandsregeln, veränderte Regularien in Krankenhäusern oder Hygienevorschriften etwa sorgten dafür, dass zum Beispiel Geburtsvorbereitung ganz anders ablief als gewohnt. Und so mussten manche Eltern auch auf das erste professionelle Fotoshooting ihres Kindes im Krankenhaus verzichten. Während des ersten Lockdowns, zwischen dem 12. März und 19. Mai, erschien nicht ein einziges Babybild in der online-Galerie des Halberstädter Klinikums.

Dennoch wurden über das Jahr zahlreiche Fotos in der Volksstimme und der Bildergalerie des Krankenhauses veröffentlicht. Auffällig dabei: Die frischgebackenen Eltern mögen es individuell. Unter den 86 mit den Fotos in der Galerie erschienen Namen sind kaum Doppelungen zu finden.

Zudem liegen vor allem die Mütter und Väter von Jungen, die in Halberstadt das Licht der Welt erblickten, voll im Trend. Alle Top-10-Namen, die Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld für dieses Jahr prognostiziert, sind vergeben worden. Bei den Mädchen sind nur die Trend-Namen Mia, Lina und Lea als Erstnamen zu finden.

Was sich bei diesen dreien zeigt, gilt auch insgesamt: Kurze Namen mit zwei Silben sind angesagt, bei beiden Geschlechtern. Darunter sind welche, die bereits in der Bibel Erwähnung gefunden haben. Eva, Jakob und Sarah sind Beispiele dafür. Ebenfalls seit Generationen bewährt und dieses Jahr in Halberstadt vergeben wurden Namen wie Alexander, Friedrich, Wolfgang (als Zweitname), Frida, Hilda oder Elisabeth.

Henry, schon am Anfang des 20. Jahrhunderts unter den Top 50 der deutschen Namen-Hitparade vertreten und der eigentliche erste Vorname von Prinz Harry, erlebt ebenfalls ein Revival. 2020 wurde er dreimal vergeben, einmal davon als Zweitname. Ebenso altenglischer, adliger Herkunft ist laut www.baby-vornamen.de der Name Maybelle, den nun ein in Halberstadt geborenes Mädchen trägt.

Svea stammt dagegen aus dem Schwedischen und ist eine Schutzpatronin, die über den Schiffsverkehr wacht. Skandinavischer Herkunft ist auch Finn (oder Fynn). Übersetzt werden kann der Name, für den sich drei Elternpaare entschieden haben, mit „der Finne“ oder „der Blonde“. Smilla, aus dem Dänischen, heißt soviel wie „die Lächelnde“, „die Summende“.

So manche Väter und Mütter haben sich offensichtlich von Berühmtheiten bei der Namenswahl für den eigenen Nachwuchs inspirieren lassen: Ob Heidi später ebenfalls ein berühmtes Model wird wie ihre Namensvetterin oder Nino und Helene eine Vorliebe für Schlager entwickeln? Vielleicht werden die beiden Elias, die 2020 in Halberstadt geboren worden, später gemeinsam mit der jungen Palina auf Kino-Leinwänden zu sehen sein. Und möglicherweise knackt Benno später mal den Rekord von „Brocken-Benno“. Auch Literatur hat die Eltern offensichtlich beeinflusst: Gleich zwei Jungen heißen wie die Hauptfigur aus „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Dass die Mutter von Mathilda Hermine vermutlich ein Fan der Harry-Potter-Reihe ist, liegt nahe.

Nicht nur sie hat sich für einen Doppelnamen entschieden, sondern rund ein Drittel der Halberstädter Eltern, die Babyfotos in der Baby-Galerie veröffentlichen ließen. Gleich vier Mal ist die Wahl für einen Mädchen-Zweitnamen auf den Klassiker Marie gefallen. Aber auch ungewöhnliche Kombinationen wie Jaden Casey, Luca Martino, Louisa Fiona, Leo Joel, Flynn Fray oder Liam Wolfram wurden vergeben.

Nur dreimal entschieden sich die Eltern dafür, die Doppelnamen ihrer Kinder mit einem Bindestrich zu versehen: Gerda-Marie, Pascal-Joel und Elain-Jolie. Lediglich ein Kind, Elijah Jace Noah, darf sich mit drei Vornamen schmücken.