Stadtwald Bäume wachsen nur hinterm Zaun
Um die 750 Hektar Wald besitzt die Stadt Havelberg - und damit eine gute Einnahmequelle, so Revierförster Stefan Swiderski.
Havelberg l Seit Jahren ist es ein festes Ritual, dass die Mitglieder des städtischen Ausschusses für Ordnung, Umwelt und Tourismus im Kremser eine Runde durch den Stadtwald bei Müggenbusch drehen. „Von den etwa 750 Hektar Wald werden 733 Hektar nachhaltig bewirtschaftet“, erklärte Revierförster Stefan Swiderski. Auf dem dürren Sandboden gedeihen zumeist nur Kiefern, diese Monokulturen waren vor Jahrhunderten nach den großen Rodungen angelegt worden.
Geld für neue Bäume erspart der Förster der Stadt Havelberg, die Verjüngung findet auf natürlichem Wege statt. Zum Schutz gegen das Wild sind die Bäumchen eingegattert – sonst würde nicht viel aufwachsen. Denn die Wilddichte sei enorm, hatte der Förster beobachtet – und erwähnt Rudel von bis zu 200 Hirschkühen. Normal wäre ein Zehntel der Wildbestände.
Damit die jungen Kiefern wachsen können, muss auch das Gras daneben weg – was mit Gift geschah. Der Einsatz von Motorsensen wäre auch möglich, aber diese Kräfte fehlen derzeit im Wald. Stefan Swiderski würde sich darum freuen, 2016 wieder einige Bürgerarbeiter zu bekommen.
Ohne Gift kommt der Förster auch der Spätblühenden Traubenkirsche nicht bei – wird sie abgeholzt, wachsen um so mehr Triebe nach. Ein weiteres Problem für ihn ist der hohe Stickstoffeintrag – zu sehen am dichten Grasbewuchs.
Auf einer 7,7 Hektar großen Fläche war die Holzernte gerade eingefahren worden: 106 Festmeter Industrie- und 98 Festmeter Palettenholz sowie 385 Festmeter LAS-Sägeholz hatte der Harvester am Waldweg zurechtgelegt. Für die Stadt erbrachte das einen Erlös von immerhin 27 000 Euro. Insgesamt wurden dieses Jahr 3000 Festmeter eingeschlagen. Von Waldverkauf redet im Stadtrat inzwischen niemand mehr – seit das Zellstoffwerk Arneburg läuft, schossen die Holzpreise in die Höhe. Gab es nach der Wende für den Raummeter Industrieholz 20 Pfennige, sind es heute 20 Euro.
Auch kam der Förster auf den Eichenprozessionsspinner zu sprechen. Dem Insekt sei es zu verdanken, dass hier keine dieser Bäume angepflanzt werden brauchen – bekämpft werden dürfen diese giftigen Raupen wegen des Naturschutzes nämlich nur innerorts. „Bald sind sicher alle Eichen im Wald weg“, schätzte der Förster.
Übrigens ist auch der Holzklau sehr ärgerlich. Dagegen helfen seit neuestem kleine Peilsender, welche in einigen der Hölzer versteckt werden.