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Umweltausschuss auf Kremserfahrt nahe Müggenbusch Stadtwald ist das "Tafelsilber" des Havelberger Haushalts

Von Ingo Freihorst 08.09.2011, 06:25

Einzelheiten zur Bedeutung des städtischen Waldes erfuhren die Mitglieder des Umweltausschusses des Havelberger Stadtparlaments am Dienstag auf einer Kremserfahrt. Mit auf dem Wagen saß als fachkundiger Führer Revierförster Stefan Swiderski.

Müggenbusch. Der beim Land angestellte Fachmann betreut auf vertraglicher Grundlage den Stadtwald. In dem von ihm betreuten Areal werde eine naturgemäße Waldwirtschaft betrieben, so der Förster. Beispielsweise werde der Nachwuchs für die Kiefernbestände seit der Wende nur durch Naturverjüngung herangezogen, auch Eichen werden mit eigenem Saatgut verjüngt. Bei Holzungen bleiben die Äste im Wald liegen, dadurch wird der Waldboden durch die Harvester-Reifen weniger verdichtet, zugleich kann sich dadurch später Humus bilden. Der Kopf der Harvester-Maschine, welche die Bäume in einem Zuge fällt, entrindet und zersägt, ist um die 80 Zentimeter breit. Vorsicht ist beim Rangieren vor allem bei den Fichten angesagt, diese sind bei Beschädigungen für Krankheiten sehr anfällig.

Schädlinge haben im Stadtwald keine Gnade zu erwarten, verwies der Förster auf ein negatives Beispiel aus Bayern, wo Bäume aus Naturschutzgründen hektarweise dem Borkenkäfer "Buchdrucker" zum Opfer fielen. In Havelberg setzt man vor allem auf biologische Schädlingsbekämpfung, wie an den zahlreichen Fledermauskästen im Wald zu sehen war.

Wegen der aktuell hohen Holzpreise fällen einige Privatwaldbesitzer ihre Bäume vorzeitig, verwies der Förster auf negative Beispiele hin. Das auf raschen Profit ausgerichtete Handeln reduziert allerdings später die Erträge, denn ein gelichteter Wald wächst weniger rasch heran. Förster und Waldbauern müssen in sehr langen Zeiträumen vorausdenken, etwa um die 100 Jahre. Mit 85 bis 90 Prozent sei der Bestockungsgrad auf den kommunalen Flächen sehr gut. Zu DDR-Zeiten pflanzte man auf einem Hektar Wald um die 20000 Kiefern, heutzutage sind es um die 15000. Auch die oft verpönten Kahlschläge sind für den Wald wichtig.

Leider gibt es seit etwa zehn Jahren keine Waldarbeiter mehr, bedauerte Ausschussvorsitzender Volker Kanzler. Einst hatte die Stadt zwei dieser Facharbeiter angestellt, zuletzt noch einen. Deren Fehlen macht sich schon bemerkbar. Mit ihrer Hilfe konnten 2001 noch 160000 Buchen auf 20 Hektar angepflanzt werden, informierte Stefan Swiderski.

Mit den Beständen im Mühlenholz, auf dem Möwenwerder und in den Ortschaften verfügt die Stadt über insgesamt etwa 760 Hektar Wald. Um die 86 Prozent davon sind mit Kiefern bewachsen, danach kommt die Eiche, welche vor allem im Mühlenholz gedeiht.

Etwa 7000 Euro gibt die Kommune im Jahr für die Waldbewirtschaftung aus. Das sind aber alles Ausgaben, die durch Einnahmen aus dem Holzverkauf wieder zurückfließen. Der Wald sei einer der wenigen Posten im städtischen Etat, der noch schwarze Zahlen aufweisen kann, erklärte Volker Kanzler. Jeder Euro an Einnahmen für den Stadthaushalt spare Steuergelder der Bürger. Unklug wäre es deshalb, Waldbestände zu verkaufen, um damit den Etat auszugleichen. Angebrachter wäre es sogar, noch Flächen hinzuzukaufen.

Volker Kanzler nannte noch einen weiteren positiven Effekt, den der Waldbesitz der Stadt bringt: Die rund 80 Sitzbänke in der Kommune werden mit eigenem Holz repariert, was der Stadt einige tausend Euro im Jahr erspart.

Wie sich der geplante Bau der Bundesstraße B190n auf den Waldbestand auswirken würde, wollte Sven Hetke wissen. Die Trasse, die auch durch den Stadtwald führen soll, würde nicht nur enorme Flächen beanspruchen, sondern durch Abgase und Lärm auch das Leben im Wald beeinträchtigen, antwortete Stefan Swiderski. Doch glaubt der Förster mit Blick auf die Staatsfinanzen nicht, dass das Vorhaben bald umgesetzt wird.