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150 Frauen und Männer lassen sich für Stammzellspenderdatei typisieren Viele Freiwillige wollen Moritz helfen

Von Andrea Schröder 08.05.2013, 03:10

150 Frauen und Männer haben sich am Montag typisieren lassen, um möglicherweise als Stammzellenspender das Leben des leukämiekranken Moritz retten zu können. Ein deutliches Plus gab es zugleich bei den Erstspendern von Blut.

Havelberg l "Wenn man helfen kann", nannte Lutz Heubüschl am Montagnachmittag kurz und knapp den Grund, weshalb er von Neuermark-Lübars aus nach Havelberg zum Blutspendetermin gefahren ist. Denn zeitgleich fand die Typisierungsaktion für den neunjährigen Moritz statt, der an der schwersten Form von Leukämie erkrankt ist. Die Oma des Jungen, der in der Nähe von Leipzig zu Hause ist, hatte die Aktion organisiert. So wie schon in ihrem Wohnort Wittstock und in Pritzwalk, wo Veronika Kahle in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stammzellspender Datei DSD die Termine vorbereitet hatte. In Havelberg erfolgte dies gemeinsam mit dem Blutspendedienst.

Im Domizil des Ortsvereins des DRK herrschte am Montag ein ständiges Kommen und Gehen. Insgesamt verzeichnete das DRK 133 Blutspender, davon 25 Erstspender, berichtet Vereinsvorsitzende Renate Reinhardt. Sonst liegt die Zahl der Spender meist bei 90 bis 100. Von den Blutspendern haben sich 67 typisieren lassen. Insgeamt gab es 150 Typisierungen. Um dem Ansturm gerecht werden zu können, hatte die Blutspendezentrale eine zweite Ärztin organisiert, denn jeder Blutspender wird untersucht.

"Als Mama fühlt man einfach mit den Eltern."

Sonja Bläsing

Wer sich nur typisieren lassen wollte, traf auf Schwestern aus dem Krankenhaus. Veronika Kahle ist Pflegedirektorin der KMG-Kliniken, zu denen auch das Havelberger Krankenhaus gehört. Pflegedienstleiterin Christine Timpe legte mit ihren Kolleginnen eine Sonderschicht ein, damit die Aufklärungsgespräche und das Blutabnehmen zügig vonstatten gehen konnten. Nicole Moderzinske, Anke Thiemann, Sabine Leppin, Karin Kandner und Christine Timpe halfen nach Feierabend mit aus, Martina Ehrendorf kam sogar trotz ihres Urlaubs mit hinzu. Einige Kollegen, die Spätschicht hatten, hatten im Vorfeld gesagt, dass sie sich auch typisieren lassen wollten. Und so fuhren zwei Schwestern ins Krankenhaus, um das Blut abzunehmen. Auch Geldspenden für die DSD gab es im Krankenhaus.

Sonja Bläsing aus Nitzow war mit ihrer Tochter Celine zum Typisieren gegangen. "Als Mama fühlt man einfach mit den Eltern. Wenn man selbst in solch einer Lage wäre, würde man doch auch auf die Hilfe anderer hoffen." Heike Michael aus Kamern hatte schon öfter von Typisierungsaktionen gelesen. Die fanden aber weiter weg statt. Deshalb war es für sie keine Frage, den Termin in Havelberg wahrzunehmen.

Veronika Kahle berichtete am Montag überglücklich, dass die Familie am Freitagabend von der Uni-Klinik in Leipzig erfahren hat, dass für Moritz ein "genetischer Zwilling" gefunden wurde. Bei dem Stammzellspender und bei Moritz stimmen zehn von den zehn notwendigen Zellmerkmalen überein. "Wir gehen davon aus, dass der Spender bei den aktuellen Typisierungen gefunden wurde, denn vorher gab es keinen", sagte sie auf Nachfrage. Wer der Spender ist, wird allerdings für mindestens zwei Jahre nicht zu erfahren sein, aus rechtlichen Gründen bleibt er anonym. Die Wittstockerin hat Moritz am Sonnabend besucht. Er ist über alles aufgeklärt, weiß, was auf ihn zukommt. "Die erste Hürde ist jetzt genommen. Wir sind allen Spendern und Helfern sehr dankbar. Ich bin total begeistert von dieser großen Hilfsbereitschaft." An die 3000 Leute haben sich in den vergangenen Wochen, seit die Aktion bundesweit für Moritz läuft, typisieren lassen. Davon viele Blutspender. Viele Leute haben auch zugleich erstmals Blut gespendet.

"Moritz will den Kampf gegen den Krebs gewinnen."

Veronika Kahle

Die zweite Chemotherapie ist für Moritz mittlerweile beendet. Bevor es zur Transplantation der gesunden Stammzellen kommt, muss sein Blut frei sein von den Krebszellen. "Wir müssen jetzt abwarten, wann sein Körper bereit ist für die Transplantation. Das wird eine schwere Zeit für ihn. Über Wochen wird er auch keinen Besuch empfangen können", sagt Veronika Kahle. Sie hat ihrem Enkel, der bis zu seiner Erkrankung leidenschaftlich gern Fußball gespielt hat, mit Fotos und Videoaufnahmen von den Hilfsaktionen berichtet. "Er will den Kampf gegen den Krebs gewinnen, das hat er voller Überzeugung gesagt."