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Fricopan Ungewisse Zukunft für Mitarbeiter

Das Aus für Fricopan in Immekath ist beschlossene Sache. Zum 31. August will Konzernmutter Aryzta den Standort in der Altmark schließen.

Von Tobias Roitsch 10.05.2016, 03:00

Klötze l Leise oder gar schweigend nehmen die Mitarbeiter des Immekather Backwarenherstellers Fricopan ihr Schicksal nicht hin. Zu Hunderten ziehen die Frauen und Männer am Montagvormittag durch die Klötzer Innenstadt und rufen immer wieder lautstark „Fricopan, wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“. Damit machen sie ihrem Ärger Luft. Zuvor haben sie während einer Betriebsversammlung im Klötzer Altmarksaal erfahren, dass Fricopan zum 31. August schließen wird. Dadurch verlieren rund 500 Mitarbeiter ihre Jobs.

Einer der Gründe, die Fricopans Konzernmutter Aryzta anführt, ist die Verkehrsanbindung des Werkes. Doch das will Landrat Michael Ziche, der an der Betriebsversammlung teilnahm, nicht gelten lassen. „Um Immekath gibt es nur Kreisstraßen, und der Landkreis ist früh in die Verantwortung getreten“, so Ziche und zählt sanierte Straßen und Brückenbauwerke auf.

Über die Straße von Kusey nach Immekath hätte man nicht nur die Ortsdurchfahrt entlasten, sondern auch das Fricopan-Werk anbinden können. Doch zu dem erforderlichen Eigenanteil sei das Unternehmen nicht bereit gewesen. „2013 haben wir noch einmal daran erinnert. Und während eines Gespräches über die Entwicklung waren die Zeichen auch ganz andere“, blickt Michael Ziche zurück.

Die Transparente und Plakate, die die Fricopan-Mitarbeiter während ihres Marsches durch die Klötzer Innenstadt in die Höhe halten, sprechen eine klare Sprache: „Für mehr Profit einfach geschlossen“ oder „20 Jahre gute Arbeit und nun?“ ist auf ihnen zu lesen. Passanten bleiben stehen, einige filmen die Vorbeiziehenden mit ihren Handykameras. Der Verkehr auf der Breiten Straße und der Bahnhofstraße steht kurzzeitig still.

Nunmehr stehen die Mitarbeiter von Fricopan vor einer ungewissen Zukunft. Als „nicht so toll“ beschreibt etwa Daniel Rose aus Engersen die Stimmung. Acht Jahre lang hat er bei Fricopan gearbeitet, ist für den Job sogar in die Region gezogen. Denn eigentlich stammt der 37-Jährige, der Vater von drei Kindern ist, aus Seehausen. „Nun ist die Hoffnung vorbei“, sagt Daniel Rose während einer Pause bei der Betriebsversammlung. „Jetzt muss ich mir eine neue Arbeit suchen.“ Dafür würde er auch wieder umziehen.

Bis zu seiner Rente in einigen Jahren wollte Peter Rabsahl eigentlich noch im Werk arbeiten, wie der Klötzer berichtet. „Ich bin 60. Wo finde ich was Neues?“ Von Anfang an habe er bei Fricopan gearbeitet, sagt Rabsahl. Im Jahr 1998, so erinnert er sich, habe er dort angefangen. Damals gab es nur das Werk 1, alles andere sei später dazu gebaut worden. „Jeden Tag bin ich die sieben Kilometer mit dem Fahrrad von Klötze nach Immekath gefahren. Auch im Winter“, blickt er auf seinen Arbeitsalltag zurück.

„Die Arbeit hat Spaß gemacht“, gibt Peter Rabsahl, der in der Produktion beschäftigt war, zu. Von dem Aus für Fricopan hat er am Donnerstag von einem Kollegen erfahren. „Erst wollte ich es gar nicht glauben. Jetzt habe ich es aber akzeptiert.“ Für seine berufliche Zukunft hat er schon eine Entscheidung getroffen: „Ich fange nicht mehr von vorne an.“ Mit 63, so erklärt er, hätte er sowieso vorgehabt, in Rente zu gehen.

Für Julia Dörwald und Sabrina Wittenberg stellt die Arbeit bei Fricopan den Start ins Berufsleben dar. Beide erlernten den Beruf der Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Beide sind gemeinsam mit Susanne Neubauer in der Qualitätssicherung tätig. „Das ist eine schöne Sache“, sind sich die Frauen einig.

Immer wieder klingt durch, wie sehr die Nachricht von der Werksschließung die Mitarbeiter überrascht hat. „Eben haben wir doch noch für neue Auszubildende geworben“, kann es die Beetzendorferin Sabrina Wittenberg nicht fassen. Julia Dörwald nahm gerade an einem Seminar in Sulzheim teil, als sie die von Betriebsratschefin Gerda Hentschel weitergeleitete Mail erhielt. „Ich finde noch immer keine Worte über so viel Skrupellosigkeit, die Firma einfach zuzumachen.“

Zweckoptimismus macht sich Dirk Perschke zu eigen. „Es hat immer Spaß gemacht, und hier hat sich doch auch etwas entwickelt“, blickt er auf seine 13 Jahre bei Fricopan zurück. Die Frage, wie es möglicherweise weitergehe, beantwortet der 54-Jährige mit dem Hinweis, dass es schließlich viele Zeitarbeitsfirmen gebe.