Bewegende Rede Chefredakteur der Volksstimme blickt auf Anschlag auf Weihnachtsmarkt Magdeburg zurück
Die Ehrung der Magdeburger des Jahres nutzte Marc Rath neben der Würdigung des Ehrenamts auch für eine Einordnung der Ereignisse am 20.12.2024.

Magdeburg - Im Rahmen der Gala der Volksstimme und des Magdeburger Verlags- und Druckhauses für die Magdeburger des Jahres 2024 trat im Alten Theater am Jerichower Platz auch Volksstimme-Chefredakteur Marc Rath ans Mikrofon. Er erinnerte in seiner Rede daran, dass die Gala wie in den Jahren zuvor vor allem ein Abend der Freude hätte werden sollen.
Doch die Feierlichkeiten zur Ehrung der „Magdeburger des Jahres“ standen in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen. Nicht ohne Grund waren neben den im November durch eine Jury ausgewählten zu Ehrenden auch stellvertretend Retter und Helfer auf die Bühne eingeladen worden.
Blick auf schockierendes Attentat in Magdeburg
Der verheerende Anschlag auf den Weihnachtsmarkt nur wenige Wochen zuvor hat die Stadt tief getroffen, so Marc Rath in seiner Rede. Sechs Menschen verloren am 20. Dezember ihr Leben, Hunderte wurden verletzt – ein Schock, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Wellen schlug.
Die Trauer und das Entsetzen waren groß, doch ebenso deutlich zeigte sich die Solidarität. In einer Zeit, in der Magdeburg verwundet war, rückte die Gemeinschaft enger zusammen. Selbst alte Rivalitäten, wie die mit der Saalestadt Halle, traten in den Hintergrund – eine bemerkenswerte Geste, die sich in der Überschrift der „Mitteldeutschen Zeitung“ vom 23. Dezember widerspiegelte: „Wir sind alle Magdeburger“. Diese Worte aus Halle, einer Stadt, die traditionell in sportlicher und historischer Rivalität zu Magdeburg steht, machten deutlich, dass in Momenten der Krise regionale Grenzen verschwinden und der menschliche Zusammenhalt zählt, so der auch für die Mitteldeutsche Zeitung zuständige Chefredakteur.
Zusammenhalt in Magdeburg
„Magdeburg steht zusammen“, titelte die „Volksstimme“ nach dem Anschlag. In seinem Kommentar betonte Michael Bock, der stellvertretende Chefredakteur des Blattes, dass bei allem Leid und allen quälenden Fragen nach dem Warum auch eine Form des trotzigen Optimismus zu spüren sei. Diese Haltung, dieses unerschütterliche „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, betonte denn auch Chefredakteur Marc Rath, und dieses Motto zog sich auch durch den Abend der Ehrung.
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In diesem Jahr gibt es daher mehr „Magdeburger des Jahres“ als üblich. Neben den Nominierten wurden auch Helferinnen und Helfer geehrt, die in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag unermüdlich im Einsatz waren. Sie stehen stellvertretend für eine Welle der Solidarität, die Magdeburg erfasst hat. Sie symbolisieren die Menschlichkeit und den Mut, die in dunklen Zeiten Hoffnung spenden.
Die eigentliche Abstimmung rückte dabei in den Hintergrund – die Hauptsache war, zu würdigen, dass es Menschen gibt, die in schwierigen Zeiten Licht spenden. Dass es in Magdeburg eine so starke Gemeinschaft gibt, wurde an diesem Abend eindrucksvoll bewiesen.
Die Rede des Chefredakteurs erinnerte an die Bedeutung des Ehrenamts und des gesellschaftlichen Engagements. Hass und Gewalt dürfen nicht gewinnen, betonte er. „Wir lassen uns unsere Stadt, unsere Art zu leben, nicht zerstören.“ Diese Worte fanden bei den Anwesenden große Zustimmung. Magdeburg bleibt stark – nicht durch Ignoranz oder Verdrängung, sondern durch Mut, Zusammenhalt und das bewusste Zeichen: Wir geben der Angst keinen Raum.
Wofür wollen wir stehen?
Mit Worten aus seinem eigenen Artikel vom Heiligabend schloss er: „Welches Licht zünden wir an? Wofür wollen wir stehen?“, richtete Marc Rath Fragen an das Publikum im Alten Theater am Jerichower Platz, die gerade in schwierigen Zeiten zum Nachdenken anregen.
Fragen, die sich jeder Einzelne stellt, der in den vergangenen Wochen Zeuge dieser erschütternden Ereignisse wurde. Doch am Abend der Gala für die Magdeburger des Jahres war die Antwort sichtbar: Die Stadtgemeinschaft setzt ein Zeichen für Menschlichkeit, für Hilfe und für Hoffnung.
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Ehrung nicht ausfallen lassen
Dennoch war für die Veranstalter schnell klar: Eine fröhliche Feier unmittelbar nach dem tragischen Ereignis wäre unangebracht gewesen. Die Preisverleihung ausfallen zu lassen, stand jedoch außer Frage. Vielmehr wurde die Veranstaltung zu einem Zeichen des Gedenkens, des Zusammenhalts und der Anerkennung für diejenigen, die in den schwersten Stunden geholfen und Mut bewiesen haben. Und ebenso wie die Helfer nach dem Anschlag wurden die Menschen geehrt, die in den Monaten zuvor mit ihrem Einsatz gezeigt haben, was Magdeburg auch ausmacht.
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„Liebe Magdeburgerinnen und Magdeburger des Jahres: Sie haben auf vielfältigste Weise - in schönen wie auch in den schwersten Stunden - in dieser Stadt für Licht gesorgt. Heute ist das Ihre Bühne und die Scheinwerfer leuchten auf Sie!“, so Marc Rath.