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Schüleraustausch Der große Traum von Amerika

Ein Schüleraustausch in den USA. Fast jeder Schüler träumt davon. Gastfamilien in Amerika sind aber schwer zu finden.

Von Gwendolin Güntzel 25.08.2015, 20:43

Magdeburg l Anna Brose schlägt zwei schwere Ordner auf, denn sie hat einen schwerwiegenden Traum: Sie möchte für ein Jahr in den USA die Schulbank drücken. Und große Träume bringen viel Papier mit sich. Das hat die 16-jährige Schülerin schon jetzt begriffen. Seit einem Jahr bereitet sich Anna darauf vor; bewarb sich auf zwei Stipendien, nahm Nebenjobs an und fieberte der Reise entgegen. Am 20. August sollte es eigentlich losgehen. Das Visum in der Tasche, das Gepäck schon fast im Koffer - bis ihre Organisation ihr mitteilte, dass sie nicht fliegen wird.

Youth for Understanding (YFU), eine der größten Organisationen für einjährige Schüleraustauschprogramme, findet einfach keine Gastfamilie für Anna. Und ohne Gastfamilie keine Schule. Und ohne das beides, gibt es auch kein Austauschjahr. "Nachdem ich die Stipendien bekam, dachte ich, jetzt klappt alles. Und dann, sieben Tage vorher, soll es nichts mehr werden?" Anna kann das nicht verstehen. Zwei Stipendien in Höhe von knapp 8000 Euro erhielt sie. Harte Arbeit, eine Auszeichnung für viel Mühe und eine Menge Geld. Geld, das Anna verlieren würde, wenn sie kein Austauschjahr antritt. "Ich bin wirklich ratlos. Sogar die New York Times habe ich angeschrieben und um Hilfe gebeten!"

Denn Anna sucht nun selbst eine Gastfamilie. "Ich bin absolut pflegeleicht und ich möchte einfach in die USA. Ich wollte diesen ganz großen Traum einfach leben." YFU hatte Anna angeboten nach Großbritannien oder Irland zu gehen, aber das will sie nicht. Susanne Kordasch von der YFU erklärt: "Wir haben in Amerika wirklich Schwierigkeiten Gastfamilien zu finden, die das ehrenamtlich machen." 42 Länder hat das YFU im Angebot. Mehr als die Hälfte der Schüler, die sich jährlich bewerben, möchte in die USA. "In anderen Ländern stehen die Gastfamilien fast Schlange", erzählt Susanne Kordasch. In den USA gäbe es seit einiger Zeit Budgetkürzungen im Schulsystem. Dadurch werden weniger Plätze für Austauschschüler frei. Zudem fordern viele Schulen ein extrem hohes Schulgeld. Das sei früher nicht der Fall gewesen.

Das U.S. General Consulate in Leipzig erklärt, dass es zwei verschiedene Visa-Typen gäbe. Schüler, deren Gastfamilien kein Geld bekommen, reisen mit dem Visum J1 ein. Mit dem Visum F1 kommen Austauschschüler in die USA, deren Gastfamilien bezahlt werden. Eine Bezahlung verstößt jedoch gegen das Prinzip vieler deutscher Organisationen. "Uns ist wichtig, dass die Gastfamilien Schüler aufnehmen, weil sie das gern möchten und nicht, weil sie Geld dafür bekommen", erklärt Susanne Kordasch. Maike Schmidt von Experiment e.V. vermutet, dass immer mehr Jugendliche aus Asien und Lateinamerika in die USA gehen. So müssen mehr Kinder auf dieselbe Anzahl an Gastfamilien aufgeteilt werden. Das verursacht natürlich Probleme.

Hinzu kommt, dass viele potentielle Gastfamilien sich erst kurzfristig melden. Dann müssen die Familien durchleuchtet und Unterkünfte und Referenzen geprüft werden. Das kostet Zeit, aber schützt die Schüler. Annas Abflugdatum wurde auf den 10. September verschoben. Auch letztes Jahr hat es bei YFU Ende August noch 30 Schüler gegeben, die auf gepackten Koffern saßen und auf einen Anruf warteten. Als Konsequenz nahm die Organisation dieses Jahr 80 Schüler weniger an. Über ähnliches muss wohl wieder nachgedacht werden. Anna muss in einer Woche wieder in die Schule. Wahrscheinlich in Magdeburg. "Ich habe doch hier gar keine Kurse gewählt", erzählt die Schülerin. Doch in Deutschland herrscht Schulpflicht. Anna hofft weiter. Die Organisation bleibt zuversichtlich. Bisher wären alle Schüler bis Ende September im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen. Nur der Weg dahin bleibt eben ein Überseeabenteuer. Wer Bekannte in den USA hat, die Anna aufnehmen würden oder andere Hilfe anbieten kann, der kann sich unter dieser E-Mail melden: bioblume04@web.de

epa02864634 (FILE) A file picture dated 04 July 2009 shows a visitor waving from the crown of the Statue of Liberty in New York, New York, USA.  EPA/JEFF ZELEVANSKY *** Local Caption *** 00000401782958 (zu dpa "Die Mutter aller Symbole: Die Freiheitsstatue hat Geburtstag" vom 23.10.2011)  +++(c) dpa - Bildfunk+++
epa02864634 (FILE) A file picture dated 04 July 2009 shows a visitor waving from the crown of the Statue of Liberty in New York, New York, USA. EPA/JEFF ZELEVANSKY *** Local Caption *** 00000401782958 (zu dpa "Die Mutter aller Symbole: Die Freiheitsstatue hat Geburtstag" vom 23.10.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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