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Gala zum „Magdeburger des Jahres 2024“ Einsatzkräfte im Gespräch: So lief für sie der Anschlag auf Weihnachtsmarkt

Wie Helfer den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt erlebt haben, war ein Thema auf der Gala zum „Magdeburger des Jahres 2024“.

Von Martin Rieß 24.03.2025, 06:15
Frank Mehr (Mitte)  im Gespräch mit Rainer Schweingel und Anja Guse bei der Gala zum "Magdeburger des Jahres 2024".
Frank Mehr (Mitte) im Gespräch mit Rainer Schweingel und Anja Guse bei der Gala zum "Magdeburger des Jahres 2024". Foto: Viktoria Kühne

Magdeburg - Während der Gala für die Magdeburger des Jahres standen auch Menschen auf der Bühne, die nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember Hilfe geleistet hatten. Die auf die Bühne Gebetenen standen ausdrücklich stellvertretend für unzählige andere Menschen, die am Tag des Anschlags selbstlos Einsatz gezeigt haben. Anja Guse aus der Magdeburger Chefredaktion, die den Abend gemeinsam mit Lokalchef Rainer Schweingel moderierte, erinnerte daran, dass bis heute Menschen im Einsatz sind, um Opfern zu helfen – beispielsweise wenn sie sie zur Physiotherapie begleiten.

Die beiden befragten im Zuge dieses Punktes im Programm auch Frank Mehr, den Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz der Landeshauptstadt. Er erinnerte sich an den Abend: „Mitten in der Weihnachtszeit erhielt ich einen Anruf von einem Beigeordneten. Ich machte mich sofort auf den Weg zur Wache – wie genau ich dorthin gelangte, weiß ich nicht mehr. Danach versuchten wir, alles bestmöglich zu koordinieren.“

Die Herausforderung: Den Überblick behalten

Ein solcher Einsatz stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. „Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Eine der größten Aufgaben ist es, die Koordination sicherzustellen – wer ist wann wo? Das muss organisiert werden“, erklärte Frank Mehr.

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Auch der Gedanke, dass möglicherweise eigene Angehörige betroffen sein könnten, sei belastend. „Die Kräfte des Rettungsdienstes haben ihren Job gut gemacht, sie sind resilient. Ich selbst habe einige Entscheidungen getroffen, ohne zu wissen, warum – das lief intuitiv ab. Einsatztrainer sagten mir später, dass genau das durch Training verinnerlicht wurde“, berichtete der Leiter des Magdeburger Amtes für Brand- und Katastrophenschutz im Gespräch mit Anja Guse und Rainer Schweingel.

Spontane Unterstützung und Profis

Auf Einsätze dieser Art könne man sich nur bedingt vorbereiten. „Theoretisch ist vieles in Lehrbüchern gut beschrieben. Aber bei einem Ereignis dieser Größenordnung ist es schwer, alles im Vorfeld zu planen. Viele sagten hinterher: ,Ja, ich habe so etwas schon einmal gesehen, aber nicht in diesem Ausmaß‘“, erinnerte sich Frank Mehr an die Gespräche mit Kollegen.

Ein besonderer Aspekt eines solchen Einsatzes sei beispielsweise das Zusammenspiel von Berufs- und Freiwilligenkräften. Der Chef über die Magdeburger Einsatzkräfte und Katastrophenschützer sagte: „Es war eine beeindruckende Mischung aus professioneller Hilfe und spontaner Unterstützung durch Ersthelfer. Viele Freiwillige versuchten, den Betroffenen beizustehen und Hilfe anzubieten. Doch wir wissen nicht, ob wir wirklich alle erreicht haben. Wir haben unser Bestes gegeben, um sicherzustellen, dass niemand allein bleibt.“

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Wer war im Einsatz am Abend in Magdeburg?

Wie viele Menschen mit angepackt haben? Schwer zu sagen. Neben der Berufs- und Freiwilligenfeuerwehr aus Magdeburg und dem Umland waren auch psychosoziale Notfallversorger, Rettungsdienste und Krankenhäuser beteiligt – nicht nur in Magdeburg, sondern auch in anderen Städten. „Auch Piloten der Rettungshubschrauber leisteten wertvolle Arbeit“, so Frank Mehr. Hinzukommen aber auch unzählige Ersthelfer, die gleich zu Beginn vor Ort waren und engagierte Arbeit geleistet haben. Es war entscheidend, dass qualifizierte Helfer sowie Ärzte schnell am Unfallort waren, so die Einschätzung von Frank Mehr.

„Besonders beeindruckend war die große Solidarität und Wertschätzung für alle Einsatzkräfte“, sagt er rückblickend.

Polizei, Feuerwehr und Co: Welche Lehren werden für die Zukunft gezogen?

Im Raum steht nun freilich auch die Frage, welche Lehren Magdeburg aus dem Anschlag ziehen kann. Wie kann nicht nur die Sicherheit erhöht werden – dies ist längst öffentliches Thema –, sondern auch: Was könne im Katastrophenschutz optimiert werden. Doch drei Monate nach dem Ereignis befinden sich die Einsatzkräfte aber noch immer in der Auswertungsphase, so Frank Mehr: „Wir können noch keine endgültigen Schlussfolgerungen ziehen. Besonders wichtig ist es, den Helfenden ausreichend Zeit zur Erholung zu geben. Jetzt ist der Moment gekommen, langsam in die Analyse einzusteigen und Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.“