Medienprojekt der Guericke-Universität mit Kindern des Albert-Schweitzer-Familienwerkes Mobbing, Musik oder Mumien: Studenten entführen Kinder in die Welt des Films
Was ist im Fernsehen echt, und was nur erfunden? Wie entstehen Filme? Zum ersten Mal hatten Studierende der Medienbildung und Bildungswissenschaft der Universität die Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen Antworten auf solche Fragen zu geben.
Magdeburg l Im Rahmen eines Seminars an der OvGU entwickelten und produzierten die Studierenden zusammen mit den Kindern aus Einrichtungen des Albert-Schweitzer-Familienwerkes vier Kurzfilme.
Aufgrund der meist schwierigen Familienverhältnisse haben diese Kinder und Jugendlichen wenig Möglichkeit und Anleitung, Medienkompetenz zu entwickeln. "Unter den Kindern gibt es viele, die Reality-Sendeformate wie ,Berlin Tag und Nacht\' für echt halten", erklärt Martha Karoline Schröder vom Audiovisuellen Medienzentrum (AVMZ) der OvGU. Unter ihrer Leitung entstanden zum ersten Mal selbst gedrehte und produzierte Kurzfilme der Kinder und Jugendlichen aus einer Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks, dem Heilpädagogisch-therapeutischen Kinder- und Jugendhaus in Lüttgenziatz.
Nur der Schnitt wurde von den Studenten übernommen
Die Leiterin Kerstin Gläser war durch ein vorangegangenes Projekt auf die Medienarbeit von Schröder aufmerksam geworden. Daraus entstand ein Universitätsseminar, an dem 25 Studenten teilnahmen und die Kinder nicht nur bei Kameraführung und Schauspielerei, sondern sogar beim Drehbuchschreiben anleiteten. "Durch das eigene Erfahren lernen die Kinder, Medienprodukte in Film und Fernsehen besser zu beurteilen", so Schröder weiter.
Daraufhin entstanden in vier Gruppen Kurzfilme von fünf bis zehn Minuten Länge. Thematisch war das Programm bunt zusammengestellt: Ein Zusammenschnitt verschiedener Musikvideos, ein Film über Zombies, einer über eine Weltrettung und einer über das Thema Mobbing. In einer Workshopwoche besuchten die Studierenden täglich von 12 bis 18 Uhr das Kinder- und Jugendhaus, um zu schreiben, zu konzipieren und zu filmen. Lediglich der Schnitt wurde dann im AVMZ von den Studierenden durchgeführt. Jede Produktion bekam bei der Präsentation der Ergebnisse "Goldene Lüttgen" im Studiokino Magdeburg verliehen. Der Weg dorthin war nicht leicht. Immer wieder hatte es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Teilnehmern gegeben. "Da gilt es, feinfühlig zu sein", betont Karoline Schröder, "und man muss auf die Kinder eingehen."
Für neues Seminar liegen bereits Anmeldungen vor
Die Praxisübung kam den Studierenden gelegen: Die Gruppe bestand hauptsächlich aus Medienbildungsstudenten, aber auch solchen der Bildungswissenschaft. Das Modul "Zielgruppenorientierte Medienarbeit" sieht für beide Studiengänge eine aktive Auseinandersetzung im medienpädagogischen Bereich vor. Außerdem hat es offensichtlich nicht nur den Kindern, sondern auch den Studierenden viel Spaß bereitet - einige haben sich bereits für das nächste Seminar im Sommersemester angemeldet.