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  7. Neustädter bangen um ihren Engel: "Wir haben Angst, dass er eingeschmolzen wird"

Übermannshohe Kupferstatue von der Urnenanlage gestohlen / Friedhofsbesucher sind entsetzt Neustädter bangen um ihren Engel: "Wir haben Angst, dass er eingeschmolzen wird"

Von Robert Richter 17.07.2012, 05:26

Nach dem Diebstahl des kupfernen Engels von Neustadt herrschte gestern auf dem Friedhof bei Mitarbeitern und Besuchern Entsetzen vor. Skrupellose Täter hatten in einer durchgeplanten Aktion die übermannshohe und eine Tonne schwere Statue vom Sockel gehievt und weggefahren.

Neue Neustadt l "Viele Besucher stehen fassungslos vor dem leeren Sockel und sind sehr traurig oder wütend. Manche weinen sogar um ihren Engel", sagte die Neustädter Friedhofsleiterin Marlen Bortfeldt gestern.

Seit 200 Jahren - so lange existieren auch die Neue Neustadt und der Neustädter Friedhof - spendete der Engel den Bewohnern des Stadtgebiets Hoffnung und Trost, war Fix- und Ruhepunkt in einem. "Wenn ich davorstand, erfasste mich immer gleich eine innere Ruhe, es war ganz sagenhaft", erzählte Stefanie Warnstedt, ehrenamtliche Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des kirchlichen Friedhofs der Nicolai- und Martinsgemeinde.

Nach einem Umbau 2008 stand der aus Kupfer gefertigte Engel in einem Rondell im Mittelpunkt der Urnengemeinschaftsanlage. "Ich bin emotional tief berührt, weil dort in der Urnenanlage mein Mann bestattet ist. Ich kann es gar nicht fassen, dass so etwas möglich ist und hoffe, dass die Diebe überführt werden können", schrieb Volksstimme-Leserin Claudia Staff.

Zwischen Sonnabend 12.30 Uhr und Sonntagnachmittag wurde die gut zwei Meter hohe Statue vom Granitsockel gehoben und abtransportiert. "Am Sonntag gegen 15 Uhr bin ich informiert worden", sagte Friedhofsleiterin Marlen Bortfeldt. Was sie sah, machte sie zunächst sprachlos. "Die Täter haben die hinteren Stahlschrauben, mit denen der Engel auf dem Sockel befestigt war, offenbar durchgeflext und vorn die Muttern gelöst, dann die Figur nach vorn auf ihr Transportmittel kippen lassen", schilderte die Friedhofsleiterin gestern aufgeregt.

"Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen sind die Unbekannten mit einem größeren Fahrzeug zum Standort der Statue gefahren", sagte Polizeisprecher Andreas von Koß. Marlen Bortfeldt dazu: "Die Spuren des Wagens konnten bis zur Insleber Straße, wo wohl ein Lkw der Täter stand, nachverfolgt werden. Dazwischen wurde ein Zaunfeld an der Friedhofsbegrenzung aufgeflext. Die Täter sind da durch Richtung Parkplatz am Pharmaziegebäude, haben dort ein weiteres Zaunfeld demontiert. Es müssen mehrere Männer gewesen sein, immerhin wiegt die Statue etwa eine Tonne", sagte Bortfeldt.

Ob die Figur als sakraler Gegenstand in den Fokus eines Sammlers geraten ist oder auf einem Schrotthandel zu Geld gemacht werden soll, ist bislang nicht bekannt. "Wir befürchten, dass der Engel eingeschmolzen wird, das wäre das Schlimmste", sagte Stefanie Warnstedt.

Gestern Nachmittag blickte sie bereits nach vorn: "Wenn der Engel nicht wieder auftauchen sollte, müssen wir uns natürlich um adäquaten Ersatz kümmern. Vielleicht kann ein Künstler die Statue nachfertigen. Aber noch haben wir die Hoffnung nicht begraben, dass der originale Engel wieder auftaucht."

(Guten Tag, Magdeburg)

Die Polizei bittet um Hinweise: Wer hat Beobachtungen gemacht? Wurde die Statue irgendwo zum Kauf angeboten? Hinweise an die Kripo, Telefon 5 46 21 96.