Brauereien Vom Brauräumchen zum Brauhaus Brewckau
Robert Kellermann hat in Magdeburg ein Brauhaus eröffnet. Das „Brewckau“ läuft gut, der Brauer plant bereits eine Erweiterung.
Magdeburg l An den Brautagen geht es für Robert Kellermann früh los. Um 18 Uhr öffnet das Brauhaus, bis zu neun Stunden dauert ein Brauvorgang, also früh anfangen. Wasser und Malz in den Kessel, aufheizen bis auf 78 Grad, abmaischen, Stammwürze erreichen, abkochen, runterkühlen, mit Hefe versetzen, fertig. Brauhaus öffnen.
Zwei Mal in der Woche macht Kellermann das so, seit er im Dezember 2017 sein Brauhaus an der Schönebecker Straße in Magdeburg-Buckau eröffnet hat. „Brewckau" heißt es, ebenso wie das Bier, von dem er dort rund tausend Liter an den zwei wöchentlichen Brautagen produziert. „Ich könnte es täglich machen", sagt der 33-Jährige. „Es erdet mich, wenn ich brauen darf."
Mikrobrauereien liegen im Trend. Seit 2006 sind in Deutschland mehr als 300 Brauereien hinzugekommen, die jährlich weniger als 1000 Hektoliter Bier herstellen; ihre Zahl stieg nach Angaben von Statistischem Bundesamt und Deutschem Brauer-Bund im Jahr 2017 auf 824. Rund 55 Prozent aller Brauereien in Deutschland (2017: 1492) sind damit im vergangenen Jahr Mikrobrauereien gewesen. Elf Jahre zuvor lag ihr Anteil noch bei 41 Prozent.
Das war in etwa die Zeit, als Kellermann mit seinen ersten Brauversuchen begann. „Das Bier war echt nicht gut", sagt er heute rückblickend. 2009 folgte der erste Bierbraukurs in Berlin. Dort habe er die große Vielfalt von Bieren kennengelernt. „Da gab es Biere, die ganz anders schmeckten." Vom Trend zu Craft-Beer, also handwerklich gebrauten Bieren, die vielfach nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind, habe er erst später in der Ausbildung zum Brauer in Gommern erfahren. Da war für Kellermann schon klar: „Ich mache irgendwann Bier in Magdeburg."
„Tach Hell", „Stock Dunkel" und „Chinook Lager" heißen die drei Standardbiere im Brewckau, gebraut wird auch mal mit Erdnuss oder Kokos. Das Mobiliar ist gebraucht und uneinheitlich, kein Stuhl gleicht dem anderen; ein Brauhaus für Biertrinker, die es eher unkonventionell mögen.
Ein leicht brotiger Geruch deutet darauf hin: die Brauanlage steht nicht getrennt von der Gastwirtschaft, Kellermann braut sein Bier wenige Meter neben dem Tresen, an dem er es verkauft.
Zuvor hatte er zum Brauen mehrere Jahre lang einen kleinen Raum genutzt, zur Verfügung gestellt von Alexander Kusserow. Kusserow ist einer der Gründer von Getränkefeinkost, einem Getränkehändler mit exklusivem Sortiment. „Mach mal Bier" hätte der Alex damals zu ihm gemeint, erinnert sich Kellermann. Herausgekommen sei eine Vielzahl verschiedener Biere. Verkauft wurden sie im Buckauer Getränkefeinkost-Laden, seit 2015 unter dem Namen Brewckau.
„Was ich mit der 40-Liter-Anlage gebraut habe, etwa 170 Flaschen, war dann auch weg", sagt Kellermann. Im Jahr 2016 habe er dann die Entscheidung für ein eigenes Brauhaus getroffen, im November 2017 sei das letzte Bier im „Brauräumchen" entstanden.
„Es läuft echt gut", sagt Kellermann, das Brauhaus werde angenommen, etwa 60 Prozent seines Bieres verkaufe er dort. Fünf Mitarbeiter beschäftige er derzeit, darunter ein Auszubildender. Für die kommenden Monate plant der Brauer eine Erweiterung. Das Lager soll ausgebaut werden, er brauche mehr Tanks für seine Spezialbiere, erläutert Kellermann.
Mit der Entscheidung für das Brauen hat Kellermann selbst seinen langjährigen Job als Zahntechniker aufgegeben. Er sagt: „Ich bin glücklich, dass es so ist, wie es ist."