Heimaträtsel Als der Dämmchenweg weg war
Zahlreiche Anrufe und Zusendungen haben die Lokalredaktion zur dritten Rätselrunde erreicht. Dieses Mal zeigte das Bild die Holzmarktstraße.
Salzwedel l Für das dritte Volksstimme-Heimaträtsel hatte Ursula Tegtmeier aus ihrer privaten Fotosammlung der Volksstimme das Bild von 1944 zur Verfügung gestellt. Auf der rechten Seite ist eine Tankstelle zu erkennen, die heute nicht mehr existiert. Wilhelm Meyer weiß: „Die Tankstelle Neuhaus wurde vor dem Krieg als modernste in Salzwedel errichtet.“ Bodo Habermann erzählt, dass Salzwedel Anfang der 1940er Jahre 25 Tankstellen gehabt habe.
„Damals stand hinter der Tankstelle ein großes Fachwerkhaus“, erinnert sich H.-Dieter Mattmann. Das Wohngebiet Am Kronsberg existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dort befand sich noch bis in die 1960er Jahre eine Gartenanlage, an die sich Eva-Maria Jasarevic erinnert: „Als Schulkind bin ich dort zum Freibad entlanggegangen. Es waren wunderschöne Gärten im Dämmchenweg.“ Als das Wohngebiet Am Kronsberg erschlossen wurde, mussten die Gärten weichen. Jasarevic erinnert sich an ein Ehepaar, das seine Parzelle abtreten musste und bitterlich darüber geweint haben soll.
Einer dieser Gärten soll dem Obermeister der Malerinnung, Schindelhauer, gehört haben, berichtet Siegfried Weinhold. Schindelhauer selbst habe diesen Garten aber nie bewirtschaftet. „Er hatte gute Verbindungen zum Justizangestellten Wölk. Dieser vermittelte Schindelhauer Gefangene, die den Garten umgegraben haben“, sagt Weinhold. Dabei habe Wölk persönlich die Inhaftierten mit einer Pistole bei der Arbeit bewacht. Das war in der Zeit von 1935 bis 1937/38, schätzt Weinhold.
Auch Paul Thurm aus Duisburg berichtet Kindheitserinnerungen an diesen Teil seiner Heimatstadt Salzwedel: „Etwa 50 Meter rechts, flussaufwärts, gab es eine Staustufe in der Dumme, die wir als Kinder hinuntergerutscht sind.“ Hannelore Lux, die mittlerweile in Berlin wohnt, erzählt, dass es immer besonders schön war, in der Dumme zu baden. „Aber auch im Winter war diese Wasseranbindung für uns Kinder toll. Auf Schlittschuhen ging es dann unter den Brücken hindurch quer durch die Stadt“, berichtet sie.
An der Dumme befand sich eine lange Zeit Hillers Wassermühle. „Wenn die Tür offen stand, durften wir beim Mahlvorgang zusehen“, erinnert sich Ludger Feige. Außerdem berichtet er von einem einstöckigen Haus, das heute nicht mehr steht: „An der Hauswand hing noch 1944 ein großes Plakat der NS-Propaganda mit einer Warnung vor dem ‚Kohlenklau‘.“ Christian Appelt verrät: „In dem Haus hinter dem heutigen kleinen Parkplatz, wo früher ein Gebäude stand, hatte ich im Erdgeschoss meine erste Wohnung. Das war 1973. Oben wohnte ein Fräulein Reindl (Schreibweise unklar, Anm. d. Red.) und Frau Niemut (Schreibweise unklar, Anm. d. Red.).“
Dort, wo auf dem Bild hinter dem Flussgeländer 1944 noch ein Gebäude stand, ist heute ein großer Hof. Auf dem Weg zu Hillers Mühle kam man damals am alten Zollhaus vorbei, sagt H.-Dieter Mattmann. Dieter Vollmer berichtet: „An der Dumme in Richtung Park, an der Mühle, haben wir als Kinder immer geangelt.“
„In einem kleinen Haus hinter der Dummebrücke wohnte eine Familie Heider (oder Haider, Anm. d. Red.)“, sagt Paul Thurm. Dieses Gebäude sei etwa 1959/60 abgerissen worden. Ebenfalls auf der rechten Straßenseite befand sich, wie Gottfried Przybylski sagt, ein Wohnhaus. Demgegenüber gab es einen Lebensmittelladen. Auch Hannelore Lux, die bis 1959 im Südbockhorn wohnhaft gewesen ist, erinnert sich an einen „Tante-Emma-Laden“ in der Holzmarktstraße.
Ludger Feige weiß noch aus seiner Erinnerung, dass es viele Gaststätten in der abgebildeten Straße gegeben hat. „Das Gasthaus Blanke hatte einen großen Saal. Im Jahr 1944 gab es dort noch eine ‚Jul-Feier‘ der Hitlerjugend“, berichtet er. Edeltraud Riehn weiß noch, dass sich in der Holzmarktstraße ‚Schers Bierstube‘ befand.
Geradeaus, in der Mitte des Bildes, befand sich die Fleischerei Peper in einem Fachwerkhaus, wie Ludger Feige sagt. Auch Edeltraud Riehn kann sich an den Fleischer erinnern. Sie musste täglich dort entlang gehen, um zur Schule zu gelangen. „In der Kurve in Richtung Jenny-Marx-Straße roch es immer stark nach Essig, weshalb wir diese Ecke ‚Essigkurve‘ nannten“, erzählt sie amüsiert.
Marie-Luise Gieseler hat eine Erinnerung an eine Maria Bode, die auf der linken Seite an der Holzmarktstraße gewohnt haben soll: „Sie war eine sehr nette Frau. Dort habe ich zum ersten Mal, vielleicht 1975, einen Pool innerhalb eines Hauses gesehen. Frau Bode nannte es ‚Badewanne‘, aber es war viel größer und hatte eine Treppe, die ins Wasser hinein führte.“
Ebenfalls an der linken Straßenseite soll die Schneiderin Fühner ansässig gewesen sein, erzählt Gisela Schulze. Etwa auf derselben Höhe soll sich Folgendes abgespielt haben: „Ich erinnere mich, dass zur 700-Jahr-Feier in Salzwedel dort noch uniformierte Ulanen mit Pferden aufgelaufen sind“, weiß Siegfried Weinhold zu berichten. „Im zweiten Haus auf der linken Seite, der Eingang ist nicht zu sehen, wohnte der damals bekannte Salzwedeler Arzt Doktor Hentschel“, sagt Ludger Feige.
Ein Stück weiter befindet sich heute der Eingang zum Burggarten. „Dort war das eigentliche Bockhorner Tor“, sagt Marlies Bluhm. „Da, wo der Tibertiusgraben die Holzmarktstraße kreuzt. In Richtung Park des Friedens, der früher Schulenburgpark hieß, befand sich die Henkergasse.“
Obwohl es heutzutage die Tankstelle, sowie das alte Zollhaus nicht mehr gibt, hat die Holzmarktstraße doch nicht an Charakteristik verloren. Dieses Mal haben alle Teilnehmer des Rätsels richtige Antworten angegeben und interessante Erinnerungen an ihre Heimatstadt verraten.
Darunter zählen, abgesehen von den bereits genannten, folgende Volksstimme-Leser und -Leserinnen: Ingo Schulze aus Kuhfelde, Inge Schernikau aus Klein Gartz, Karl Koch, Roswitha Widlitzki, Heidelore Manthey, Antje Röhl und Friedrich Schönemann (alle aus Salzwedel), sowie Ingeborg Greck, Wolfgang Dahse, H. Fehse, Jürgen Heymann und Erwin Müller.
Beim dritten Heimaträtsel gewonnen hat Ludger Feige aus Salzwedel. Er wird eine kleine Überraschung von der Volksstimme erhalten.