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Aktion Musik kann Miete nicht bezahlen / Michael Wolter fordert Einsparungen Angst vor der Kettenreaktion im Hanseat

Von Philip Najdzion und Uta Elste 28.09.2012, 01:18

Aktion Musik kann seine Miete nicht bezahlen. Das trifft vor allem das Hanseat. Die Stadt wird wohl nicht einspringen. Wie es weitergeht, wissen die Beteiligten nicht. Droht gar das Aus?

Salzwedel l Der Verein Aktion Musik kann seine Miete nicht bezahlen: 7650 Euro. Das Geld fehlt jetzt dem Verein Hanseat. Denn dieser verwaltet das Haus sozusagen für die Stadt, erklärte KulTour-Betriebsleiter Joachim Mikolajczyk. Das Hanseat finanziere damit unter anderem Nebenkosten und Versicherungen.

Die Miete kann der Verein Aktion Musik seit Jahren nicht aufbringen. Bis 2011 sprang der KulTour-Betrieb ein. Es gab Geld aus dem Vereinsfördertopf. "Doch dieser ist der Konsolidierung zum Opfer gefallen", sagte Joachim Mikolajczyk. Voriges Jahr half die Sparkasse Altmark-West aus.

Dieses Jahr hoffte der Verein wieder auf die Stadt Salzwedel. Im Hauptausschuss am Mittwochabend wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Oberbürgermeisterin Sabine Danicke, Martin Schulz (Bürgerbund-Grüne) und Norbert Hundt (SPD) stimmten dafür, Ute Brunsch, Gabriele Gruner (beide Die Linke), Ulrich Ungewickell (FDP), Wolfgang Kappler (Salzwedel Land) und Rüdiger Olms (FDP) dagegen. Burkhardt Rechel (CDU) enthielt sich.

Kappler beschwerte sich, dass die Oberbürgermeisterin den Antrag nicht schon vorher den Stadträten zur Verfügung gestellt hatte. Dieser war allerdings laut Eingangsstempel erst am 19. September bei der Oberbürgermeisterin eingegangen. "Da war ich gerade im Urlaub", sagte Sabine Danicke. Bereits Ende August habe sie mit Dieter Herker, Vorsitzender von Aktion Musik, gesprochen.

Mit einem Nein habe er nicht gerechnet, sagte Dieter Herker nach der Entscheidung. Wie es nun weitergeht, könne er nicht sagen. Herker warnte jedoch vor einer Kettenreaktion, denn die fehlenden Mieten sorgen beim Hanseat für ein großes Loch.

Bei der Frage, warum der Antrag erst so spät bei der Verwaltung eingegangen ist, schieben sich KulTour-Betrieb und Aktion Musik gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Unter dem Dach des Soziokulturellen Zentrums befinden sich der Offene Kanal Salzwedel, die Jugend-Kultur-Etage von Aktion Musik und das Hanseat. Bricht die Jugend-etage weg, droht dem ganzen Haus das Aus.

Genau das möchte Michael Wolter vom Hanseat verhindern. Allerdings fordert er von Aktion Musik auch eine Überprüfung des Haushaltes auf Einsparmöglichkeiten. "Wir mussten im Hanseat auch Einbußen hinnehmen. Wir haben daraufhin unseren Haushalt überarbeitet und das Hofspektakel gestrichen. Wir bilden jetzt auch nur noch einen Lehrling aus, früher waren es drei", verweist er auf eigene Einsparbemühungen.

Natürlich werde das Hanseat Local Heroes weiter unterstützen. Aber Wolter besteht auch auf der Erfüllung des Mietvertrages: "Wir können auf das Geld nicht verzichten. Das ist ein existenzielles Problem und gefährdet das ganze Hanseat." Vier Monatsmieten habe Aktion Musik laut Herker dieses Jahr bezahlt - finanziert über Darlehen. Aber Einsparpotenziale sehe er keine. Herker: "Wir arbeiten sparsam. Kabel löten wir selber."

Auch der Leiter der Jugend-Kultur-Etage, Silvio Schulz, sieht den Verein am Limit. "Wir könnten Instrumente verkaufen, dann könnten die Jugendlichen nicht mehr spielen", sagte er. Kürzt er seine Arbeitszeit, könnten die Öffnungszeiten nicht aufrecht erhalten werden.

Wie bedeutend die Jugend-Kultur-Etage ist, zeigen die Zahlen: "120 Jugendliche werden hier betreut", sagte Silvio Schulz. "Von 10 bis 22 Uhr finden sie hier ein offenes Haus", fügte er hinzu.

Die Jugendlichen können sich auf der Etage treffen und miteinander ins Gespräch kommen. In den Proberäumen können sie Musik machen. Viele Bands sind so entstanden. Salzwedel ist überregional bekannt für eine rege Musikszene. Vor allem aufgrund des Soziokulturellen Zentrums Hanseat. Aktion Musik arbeitet zudem mit Schulen zusammen und betreibt mit dem Christlichen Jugenddorf ein Inte-grationsprojekt für behinderte Menschen.

Gestern Mittag ging es für das Aktion-Musik-Team nach Magdeburg. Sie organisieren dort eine ganze Halle bei einer Ausbildungsmesse. Morgen findet dort das Landesfinale des Bandwettbewerbs Local Heroes statt.

Der Verein Aktion Musik hat den Wettbewerb vor mehr als 20 Jahren gegründet. Dieser ist mittlerweile bundesweit bekannt und gilt als der größte nicht-kommerzielle Bandwettbewerb des ganzen Landes. Am Sonnabend, 3. November, wird dann das Bundesfinale wieder in Salzwedel stattfinden.

2013 soll es ein Europafinale in Magdeburg geben. "Aber wer nach Europa will, sollte zuerst zu Hause die Miete bezahlen", sagte Michael Wolter.