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Pastorin Sandra Trottner leitet Turmknopfabnahme in 30 Metern Höhe über Arendsee Handwerker holen Kupferkugel von Kirche

Von Helga Räßler 28.03.2013, 02:11

Nach 131 Jahren wurde gestern die Kupferkugel von der Turmspitze der Arendseer Johanniskirche genommen. Darin befanden sich alte Zeitungen und Schriften. Nach der Sanierung von Dachstuhl und Turm werden Kugel und Kreuz wieder in 30 Metern Höhe installiert.

Arendsee l Bei minus 1 Grad und Wind aus Nord-Ost in Stärke 3 bis 4 machten sich gestern kurz nach 9 Uhr Pastorin Sandra Trottner, Architekt Dietmar Fessel, Gemeindekirchenratsmitglieder und Handwerker an den Aufstieg zum Turm der Johanniskirche Arendsee. Bis in 30 Meter Höhe ging es auf dem Baugerüst außen an der Backsteinmauer bis zur Turmspitze empor. Dort montierten der Dachdeckermeister Steffen Bensch und sein Kollege Peter Stark die Kupferkugel, den sogenannten Turmknopf, von seinem Sockel. Dort war sie so fest angebracht, dass sie der Konstruktion mit der Flex zu Leibe rücken mussten.

Nach spannenden 30 Minuten rutschte die erste vergilbte Schriftrolle aus dem Inneren der Kupferkugel, in der zwei Einschüsse aus den letzten Kriegstagen 1945 zu finden waren. Architekt Dietmar Fessel reichte das Zeitdokument an die Pastorin weiter, die es beim Abstieg selbst trug. Das Eisenkreuz und die mit grüner Patina bedeckte Kugel transportierten die Männer im Lift hinunter. Zimmermann Sven Wüstemann gewährte einen Blick durch die Kugelöffnung ins Innere durch Spinnweben.

Die Öffnung erfolgte dann im internen Kreis des Kirchenrates und der Fachleute im warmen Raum des Gemeindezentrums Unterm Regenbogen. Nach einer Wartezeit von 15 Minuten gab Sandra Trottner dann den Blick frei für die Interessenten. Die bestaunten dann die Zeitungen vom 2. September 1882, eine Einkaufsliste, eine Schrift über Kaiser Friedrich Wilhelm und ein Büchlein mit nicht lesbarem Titel. Alles war im A5-Format zusammengefaltet. "Wohl, damit es in die Metallschachtel passte, die fast völlig zerfallen aus dem Inneren der Kugel geholt wurde", sagte sie.

Aber entfalten durfte gestern niemand die Funde. "Die begutachtet jetzt der Kunstsachverständige der Landeskirche", kündigte sie an. Dann entscheide sich, wie weiter verfahren werde.

Das Kreuz nahm Gemeindekirchenrat Hagen Schünke zur Aufarbeitung in einer Metallwerkstatt mit. Die Kugel soll von Vogeldreck gesäubert, aber nicht extra poliert werden. "Die Einschusslöcher sollten verschlossen werden", empfahl Dietmar Fessel.

Zum Sanierungsabschluss wird sie wieder auf die Turmspitze gesetzt. Ende Juni sollen die Arbeiten an Dachstuhl und Dach abgeschlossen sein. Dafür werden insgesamt 155 000 Euro investiert (wir berichteten).