Weinanbau im Kleingarten Schönebeck: So wachsen die Trauben am besten
Der Sommer ist fast vorüber, doch im Kleingarten wartet noch jede Menge Arbeit für die Gärtner. Wer gerne seinen eigenen Wein oder zumindest Trauben züchten möchte, für den hat Fachberaterin Jutta Wengel ein paar Tipps parat.

Schönebeck - Seit wenigen Tagen ist meteorologisch gesehen schon Herbst, die Kleingarten-Saison ist aber noch lange nicht vorbei. Wer einen Weinstock besitzt, der kann sich in den nächsten Wochen auf die Ernte der Trauben freuen. Jutta Wengel kann dies seit über 14 Jahren tun. Seit 2009 besitzt die Schönebeckerin, gebürtig aus Großmühlingen, eine Kleingartenparzelle in der Anlage „Fortuna“ in der Folkewitzer Straße. Mit nur zehn Gärten ist sie die kleinste Kleingartenanlage Schönebecks. „Dafür hat unser Garten, wie jeder hier, 800 Quadratmeter. Also auch jede Menge Arbeit“, erklärt Wengel.
Zum Wein ist sie eher zufällig gekommen. Seit sie 2009 den Kleingarten übernommen hat, gehört Wein zu ihrer Parzelle. Zusammen mit ihrem Mann Klaus kümmert sie sich um die Pflanzen. „Zwei Pflanzen waren es anfangs, dann habe ich die Streben langgezogen, so dass sie sich besser ausbreiten können“, erklärt Klaus Wengel. Damit im Herbst schön viele Trauben dran hängen, ist fast das ganze Jahr über Arbeit nötig. Im Februar, wenn es frostfrei ist, werden die Ranken bis auf ein oder oder zwei Knospen zurückgeschnitten. Das ist notwendig, damit die Pflanzen nicht „verbluten“. Davon spricht man, wenn der Wein Nährstoffe aus dem Boden zieht, aber noch keine Früchte bilden kann. Dann tritt aus den Stielspitzen rote Flüssigkeit aus. Nach Möglichkeit sollte das Abschneiden der Triebe im Februar beendet sein, spätestens aber im März.
Klaus Wengel erklärt weiter, dass er nicht nur im Frühjahr die Triebe kürzt, sondern nahezu das ganze Jahr damit beschäftigt ist. Beim Frühling- und Sommerschnitt geht es darum, dass die Pflanzen vor allem genügend Licht bekommen und luftig wachsen können. Sind zu viele Früchte zu eng beieinander, kann das zu Mehltau führen. Der Pilz ist eine der am häufigsten verbreiteten Krankheiten beim Weinanbau. Dichte Triebe und dichtes Blattwerk erhöhen die Wahrscheinlichkeit für einen Krankheitsausbruch erheblich. Daher sollten die Pflanzen immer luftig stehen.
Ausreichend Sonne ist wichtig
Jutta und Klaus Wengel haben eine Weinsorte, die besonders früh reif ist. „In der Regel von Mitte August bis Mitte September können wir die Trauben ernten“, erklärt Klaus Wengel. Er vermutet, dass es sich bei der Sorte um den „blauen Portugieser“ handelt, ganz sicher ist er sich aber nicht. Übrigens: Weder er noch seine Frau trinken Wein. „Wir essen die Trauben entweder so oder ich mache Saft daraus“, erklärt Jutta Wengel. Wein herzustellen sei zudem sehr aufwendig, dazu bräuchte man ein spezielles Gerät, in dem die Trauben gären könnten. Der Vorsitzende der Kleingärtner in Schönebeck, Siegfried Kliematz, ergänzt, dass sich Schönebeck generell nicht zum großflächigen Weinanbau eigne. Dazu fehlen große Berge, an denen Weinhänge errichtet werden können. Das nächste Weinanbaugebiet ist die Region Saale-Unstrut.
Keine chemischen Mittel verwenden
Für Weinanbau, egal ob man das alkoholische Getränk erzeugen will oder bloße Tafeltrauben ernten will, braucht es viel Sonne. Am besten eigene sich dafür ein Ort im Garten Richtung Süden. Oder man macht es wie die Wengels: Dort bekommen die Weinreben mindestens einmal pro Tag Sonnenstrahlen ab und an allen Reben gedeihen die Trauben prächtig. Damit die Früchte ordentlich wachsen, ist auch das richtige Gießen wichtig. „Besonders wenn es richtig heiß ist, sollte man zwei bis dreimal die Woche gießen. Wichtig ist, dass man nur am Boden gießt“, so Klaus Wengel. Die Wurzeln der Weinpflanzen reichen zehn bis 15 Meter tief in den Boden. Anders als viele Pflanzen braucht Wein nicht viel Dünger. „Ich nehme nur Kaffeesatz, das organische Material wird langsam zersetzt und versorgt die Weinreben auf natürliche Weise mit Nährstoffen“, erklärt Jutta Wengel. Die 71-Jährige betont, dass sie grundsätzlich auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet. „Ein paar Trauben lassen wir auch immer für unsere tierischen Mitbewohner“, ergänzt Klaus Wengel. Er meint damit Bienen, Wespen oder Hornissen.
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und ebenfalls Wein im Garten anbauen möchte, der hat dazu mehrere Möglichkeiten. In Baumarkt oder Gärtnerei können gezüchtete Weinpflanzen gekauft werden. Es gibt aber auch eine kostengünstigere Variante. „Man kann einfach von einer bestehenden Pflanze einen Setzling abschneiden und diesen einpflanzen. In drei, vier Jahren hat man dann eine neue Pflanze, die Trauben bringt“, erklärt Siegfried Kliematz.
Die einzige Krankheit, mit der Jutta und Klaus Wengels Trauben gelegentlich zu tun haben, ist die Pockenmilbe. Auf der Unterseite der Blätter bilden sich kleine weißliche Flecken. „Befallene Blätter kann man einfach abreißen, so richten sie keinen weiteren Schaden an“, sagt Jutta Wengel.