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Geht es um veruntreute Flut-Spendengelder? Verein kennt konkrete Vorwürfe noch nicht Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vigaro

Von Daniel Wrüske 19.10.2013, 03:13

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt gegen den Verein Vigaro in Schönebeck, zu dem der soziale Treff Suppe Seele gehört. Der Vorwurf: Flut-Spendengelder sollen nicht zweckgemäß eingesetzt worden sein. Ob diese Anschuldigungen haltbar sind, wird derzeit ermittelt.

Schönebeck l Die Staatsanwaltschaft Magdeburg wie auch Vigaro bestätigen am Freitag auf Volksstimme-Nachfrage, dass ein Ermittlungsverfahren gegen den in Schönebeck ansässigen Verein läuft.

"Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren aufgrund einer Anzeige eingeleitet", sagt Uwe Horenburg, Sprecher der Justizbehörde in der Landeshauptstadt. Darüber, welche Anschuldigungen gegen Vigaro vorliegen, macht Uwe Horenburg keine Angaben und verweist auf die laufenden Untersuchungen. "Das ist alles noch taufrisch. Es wäre noch zu früh, etwas zu sagen, denn die Ermittlungen sind gerade erst angefahren."

"Wir haben über Dritte erfahren, dass die Polizei ermittelt."

Auch bei den Ehrenamtlichen in der Elbestadt ist nach eigenen Angaben offiziell noch nicht bekannt, was ihnen die Justiz zur Last legt. "Wir haben über Dritte erfahren, dass die Polizei ermittelt", sagt Gorm Geißler, Buch- und Rechnungsprüfer im Verein. Gestern habe man sich mit dem eigenen Anwalt getroffen und das weitere Vorgehen beraten. Zunächst will die rechtliche Vertretung von Vigaro erreichen, dass man in die Akten einsehen kann. "Dann überlegen wir uns weitere Schritte", sagt Gorm Geißler.

Die Geschichte hat ihren Ausgangspunkt bereits vor einer Woche genommen. Freunde von Vigaro informierten den Verein über das soziale Netzwerk Facebook im Internet, dass die Polizei schriftlich Zeugenbefragungen vornehme. Man solle Angaben zu Spenden machen, die der Verein während der Flut gesammelt hat, wird der Inhalt der Korrespondenz beschrieben. Hinter diesen Erkundungen steckt der Vorwurf, Spendenmittel nicht korrekt eingesetzt zu haben.

Vigaro hat daraufhin reagiert und am Mittwoch eine offizielle Stellungnahme auf Facebook veröffentlicht. Darin weist der Verein auf die eigene Facebook-Dokumentation seiner Arbeit während des Juni-Hochwassers hin und bittet die Spender um Verständnis für die Unannehmlichkeiten, die jetzt wegen der Polizeiuntersuchungen entstehen würden. Deutlich wird auch gemacht, dass die Rechtsanwälte daran arbeiten "Ursprung und genauen Inhalt der Beschuldigungen in Erfahrung zu bringen".

Man werde alles tun, heißt es weiter, um diese Vorwürfe aufzuklären. Auch unter der Prämisse, dass die Menschen in den Hochwassergebieten noch bis zum Jahresende weiterer Hilfe bedürfen.

"Wir haben alle Spendenmittel sachgerecht eingesetzt."

Im Internet hat die Erklärung zu den Vorwürfen bei den Freunden des Vereins Wut und Bestürzung ausgelöst. Spender haben in eigenen Kommentaren gepostet, dass sie bereits von den Ermittlungsbehörden angeschrieben worden sind. Man stehe aber hinter dem Verein, so der Tenor. Selbst wenn Vigaro Spendengelder für die Betankung der Transportfahrzeuge verwendet hätte, habe das der Sache, den Hochwassergeschädigten zu helfen, gedient.

In diese Details ging Vigaro gestern nicht, weil man zunächst den genauen Wortlaut der Anzeige abwarten will. Auch wenn es noch nichts Offizielles gibt, sieht Gorm Geißler alle erhobenen Vorwürfe als völlig ungerechtfertigt an. "Wir haben alle Spendenmittel sachgerecht eingesetzt", sagt das Vereinsmitglied im Volksstimme-Gespräch.

Der Verein Vigaro betreibt in Schönebeck unter anderem den sozialen Treff Suppe Seele. Die Einrichtung ist an der Welsleber Straße. Vigaro wendet sich hier besonders Hilfsbedürftigen und sozial schwachen Menschen zu. Täglich werden rund 250 Essen gekocht. Hinzu kommen, so Gorm Geißler, derzeit die Essen für Flutbetroffene. Außerdem werden täglich Essensbeutel an Bedürftige in Barby und Calbe verteilt.