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Theaterpädagogin Der Spaß hat hier die Hauptrolle

Ines Wilk-Ekim ist die Frohnatur in Person. Die Theaterpädagogin fängt jetzt am Salzlandtheater Staßfurt an.

31.07.2017, 06:00

Staßfurt l Als sie zuerst nach ihrem Namen gefragt wird, lässt Ines Wilk-Ekim Einblicke in ihre abenteuerliche Lebensgeschichte zu: „Ekim“ ist Türkisch und heißt Oktober. Die gebürtige Ascherslebenerin hat einst im Türkei-Urlaub ihre große Liebe und jetzigen Ehemann kennengelernt. Dieser großen Liebe, die übrigens gern für die kocht und den Haushalt schmeißt, ist sie dann für einige Jahre in die Türkei gefolgt. Zwei Kinder entstanden aus der Ehe, ein Mädchen (heute 10) und ein junger Mann (20).

„Irgendwann konnten wir meinen Mann dann doch überreden, dass wir alle nach Deutschland gehen“, erzählt sie heute rückblickend. Die ganze Familie ist 2008 nach Aschersleben zurückgekehrt.

Wieder in der Heimat traf sie dann ihre zweite große Liebe wieder: Das Theater.

Ines Wilk-Ekim gibt ehrlich zu: „Ich wollte schon seit meiner Jugend etwas mit Theater machen, aber ich habe mich, als ich jung war, nie getraut, diese Richtung einzuschlagen.“

Sie stammt aus einer Medizinerfamilie. Nach der Schule ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden, dann zur Sozialtrainerin für Kinder und Jugendliche und arbeitete in der Familienhilfe. „Theater hatte ich schon zu Ostzeiten gespielt“, erzählt sie, an der Studiobühne in Ascherslebener zum Beispiel. „Da war ich immer richtig aufgeregt.“ Dadurch könne sie aber heute auch die Angst vor der Bühne, die mancher hat, sehr gut nachvollziehen.

Ines Wilk-Ekim hat etliche verschiedene Ausbildungen, Kurse und Fortbildungen gemacht. „Ich arbeite einfach wahnsinnig gern und ich lernen sehr gerne.“ So ist sie heute nicht nur gelernte Krankenschwester und Sozialtrainerin, sondern auch Mentaltrainerin, Lachyoga-Trainerin, Honorardozentin für Altenpflege, Expertin für alternative Heilmethoden, Dozentin für das Schulfach „Glück“, Trauerbegleiterin, Notfallseelsorgerin und natürlich Theaterpädagogin. Und wenn es die Zeit demnächst möglich macht, möchte sie sich auch noch zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden lassen.

All dieses Fachwissen bereichern alle ihre Tätigkeiten, sagt sie. Die soziale Gruppendynamik ist Voraussetzung für das Zusammenspiel einer Theatergruppen. Das geistige Befinden spielt eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit für Schulen, wo sie das „Schulfach Glück“ unterrichtet. Körpergefühl und Einheit von Geist und Körper sind wichtige Aspekte der Theaterarbeit. Erfolge auf der Bühne, das freie Sprechen und Agieren lassen die Persönlichkeit der Teilnehmer wachsen, die Problemlagen im persönlichen, sozialen Umfeld beim Theaterspiel verarbeiten können.

2012 folgte - endlich - für Ines Wilk-Ekim die Ausbildung zur Theaterpädagogin. „Das Theater war bei mir immer ein Traum, der mit der Zeit verschüttet wurde, aber immer Teil von mir war.“ Den finalen Anstoß gab letztendlich eine Kundin. Als sie mit ihrer Familie 2008 wieder nach Aschersleben zurückkehrte, hatte sie mit ihrem Mann eine Praxis für Massagen und alternative Heilmethoden aufgemacht. „Eine Kundin meinte zu mir: ‚Du bist doch immer für alles zu haben. Im Harz suchen sie gerade Komparsen für eine Film. Mach doch da mit!‘“

Ines Wilk-Ekim hatte dann als Statistin ein paar Zeilen Text vor der Kamera aufzusagen. „Da merkte ich: Hey, vor der Kamera ist das doch gar nicht so schlimm. Wenn ich das kann, kann ich auch wieder Theater machen.“

Am Landeszentrum Spiel und Theater in Magdeburg absolvierte sie eine Ausbildung zur Theaterpädagogin - vier Jahre lang Unterricht am Wochenende und Selbststudium an den Abenden.

Seitdem leitet Ines Wilk-Ekim als Freiberuflerin verschiedene Theatergruppen, mit Schülern und Erwachsenen - vier Schultheatergruppen und eine Theatergruppe der Lebenshilfe in Aschersleben. „Ich mache eben jeden Tag Theater“, sagt sie lachend über ihren Alltag.

„Theater funktioniert bei mir nicht so, wie in der Schule, wo der Lehrer bestimmt, wer Hauptrollen und wer Nebenrollen bekommt und wo der Text einfach auswendig gelernt wird“, erklärt sie ihre Arbeit. Theater sei für sie vielmehr eine Mischung aus Sozialpädagogik, persönlichem Training und Kunst. Den Begriff Theater nutzt sie übrigens auch ungern, weil er negativ besetzt ist. Lieber ist ihr „Schauspiel“.

„Ich lerne die Kinder erst einmal kennen und wir machen Übungen, die lustig und humorvoll sind“, erklärt sie. Das sind Übungen zum freien Sprechen, Körperhaltung, Stimmtraining, Bewegungsabläufe oder spontanes Agieren. „Ich frage, die Kinder, worauf sie Lust haben, mit welchem Thema sie sich in ihrem Theaterstück befassen wollen.“ So entsteht ein Stück, dass aus dem Geist der Kinder selbst kommt oder das sogar bei der Aufführung noch in Interaktiv mit dem Publikum wandelbar ist. „Bei mir gibt es auch keine Haupt- und Nebenrollen, sondern nur Individuen.“

Ganz nebenbei, vor allem bei langfristigen Theaterprojekten ab einem Jahr, baut sich Vertrauen in der Gruppe auf, Respekt und Umgang miteinander werden geübt. „Und persönlich werden die Kinder unheimlich frei, sie können auf der Bühne improvisieren. Das steigert ihr Selbstbewusstesten.“

In ihrer Karriere hat Ines Wilk-Ekim schon viele verschiedene Station und Tätigkeiten erlebt. Besonders die Arbeit mit Menschen bereichert sie persönlich. „Mir ist der Spaß bei meiner Arbeit sehr wichtig. Man darf das Leben nicht so ernst nehmen“, sagt sie.

Positive Einstellungen spielen in ihrer Arbeit deswegen eine wichtige Rolle. Vom Lachyoga, wo man vom künstlichen Lachen zum echten Lachen und in einen Zustand der Entspannung gelangen soll, hat sie Konzepte für ihre Arbeit übernommen. „Deswegen arbeite ich in meinen Theatergruppe auch gern mit positiver Gestik: Ein Lächeln, ein Augenzwinkern oder der Daumen hoch.“ Über die motorische Ebene können die Teilnehmer zu einer positiven Grundstimmung gelangen - beste Voraussetzung für die Arbeit in der Gruppe.

Am Salzlandtheater war Ines Wilk-Ekim schon die letzten Jahre über aktiv dabei. Mit Sandy Gärtner, die vergangene Saison als Theaterpädagogin aufhörte, gestaltete sie das Theaterforum, das Sommer- und das Herbsttheater, wo Kinder und Jugendliche in den Ferien ein eigenes Theaterstück entwickelten und dann ihren Eltern vorführten.

Sandy Gärtner hat sie dann auch gefragt, ob sie ihren Posten übernehmen wolle. Die Antwort war klar: „Das Salzlandtheater gehört auch für uns Ascherslebener dazu. Das ist ein Kreis und in Aschersleben haben wir kein Theater“, sagt Ines Wilk-Ekim.

Am Salzlandtheater wird sie zum einen das fortführen, was Sandy Gärtnerin begonnen hat: Das Theaterforum, das Sommer- und Herbsttheater für die Ferienkinder, die Theatergruppe der Lebenshilfe „Randlichter“, die Arbeitsgemeinschaft an der Goethe-Schule.

Und sie hat viele eigene Ideen. Zum Beispiel will sie mit Theaterleiter Stefan Czuratis und Tanzpädagogin Kirsten Kunze eine große Schauspielgruppe aufmachen, in der Tanzen, Musizieren und Schauspielern zusammenkommen und wo jeder willkommen ist, von jung bis alt, von erfahren bis unerfahren (Interessenten können sich melden unter 03925/ 32 00 18).