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Männerchor "Liederkranz" singt seit 125 Jahre

Der Männerchor „Liederkranz“ kann am 28. Mai auf 125 Bestehensjahre zurückblicken. Ein Blick in die Chronik:

Von Detlef Michelmann 23.05.2016, 23:01

Förderstedt l Damals, im Jahr 1891, fanden sich 15 Männer in Förderstedt, die gerne gemeinsam singen wollten. Geführt von der Idee und nicht ahnend, dass ihr Gesangverein „Liederkranz“ zu Förderstedt 125 Jahre später noch immer zu den Kulturträgern des Ortes zu zählen sein wird und eine feste Größe der Region darstellt, ließen sie Taten folgen und meldeten den Verein an. Nach der Aufbauphase wurden 1893 die ersten Statuten beschlossen und durch die örtliche Obrigkeit, dem damaligen Amtsvorsteher Koch, per Unterschrift und Siegel für rechtswirksam erklärt.

Was damals als Grundsatz in diesen Statuten festgeschrieben wurde gilt auch noch heute: „Erstes Ziel ist die Pflege des Männergesangs und des Chorliedguts ohne die Verfolgung politischer Ziele und Interessen!“

Die Gründerzeit des Chores wurde durch Sangesbruder Gustav Paul, als Vorsitzender bis 1905, sowie Sangesbruder Allprecht, Herr Finke aus Staßfurt und Carl Kurth als Dirigenten, letzterer von 1898 bis 1941, geprägt.

1934 vereinigen sich „Liederkranz“ und „Arion“ zur „Gesangsvereinigung Förderstedt“

In dieser Phase wurden Noten beschafft, öffentliche Auftritte sowie Vergnügen organisiert und durchgeführt, das Vereinslokal, wo man(n) sich wohlfühlt, festgelegt, denn singen macht nicht nur Freude, sondern auch trockene Kehlen. So erstarkte der Chor weiter und festigte mit Unternehmungen den Zusammenhalt, der auch bald gefragt war, denn der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bescherte dem Chor eine Zwangspause. Mit der Generalversammlung am 22. Juni 1919 lebte der Gesang in Förderstedt unter dem Vorsitz von Hermann Völker und dem Dirigat von Carl Kurth wieder auf. So schnell sich die Sänger erneut zusammen fanden, so schnell zog am wirtschaftlichen Horizont nun die Weltwirtschaftskrise auf. Die Übungsabende im Vereinslokal, „Kochs Restaurant“ (unser Justav), konnte sich einfach niemand mehr leisten, denn das Geld war nicht einmal das Papier wert, auf dem es gedruckt war. Als Beispiele für die immense Inflation sollen hier eine Fahrt Staßfurt-Förderstedt und zurück, 50 Mark im Dezember 1922 - ein Jahr später 200 Milliarden, und der Preis für Elektroenergie, Oktober bis Dezember 1923 von 135 Millionen auf 250 Milliarden Mark, dienen.

Danach ging es im Verlauf des Jahres 1924 wieder ins geliebte Übungslokal, die Lage verbesserte sich, und die Mitgliederzahl stieg zum Ende 1926 auf 44 aktive Sänger. Dieser Aufschwung kehrte sich leider um und erreichte 1933 den Stand von 23 Sängern. Diese Situation forderte die Verantwortlichen zum Handeln auf, und es wurde das einzig Richtige getan. Die Generalversammlungen des „Liederkranz“ und des ortsansässigen gemischten Chores „Arion“ beschlossen im Juli 1934 ihre Fusion zur „Gesangsvereinigung Förderstedt“ und sprachen sich für die Fortsetzung der Tradition beider Vereine aus. Erich Pape wurde Vorsitzender, und Dirigent blieb weiterhin Carl Kurth.

Scheinbar stand der Verein unter einem ungünstigen Stern, denn ein Wahnsinniger trieb sein Unwesen in Europa. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges läutete auch die zweite Zwangspause in der Chorgeschichte ein. So kam es dann, dass der Chor 1941 am Grab seines Vorsitzenden Gustav Wetterling vorläufig letztmalig gesungen hat.

„Singen ist Leben, singen macht Freude“ - das Motto wäre keines, wenn sich nicht auch nach dieser erneuten Zwangspause wieder sangesfreudige Männer zusammengefunden hätten. (Fortsetzung folgt)

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