Zweiter Weltkrieg 80 Jahre nach den Bomben - Stendal gedenkt Opfern des Luftangriffs vom 8. April 1945
Eine Gedenkstunde zu einem der schwersten Luftangriffe auf Stendal im Zweiten Weltkrieg findet im Dom statt. In Erinnerung an die Opfer werden 54 Namen der Toten verlesen.

Stendal. - Die Stadtverwaltung und die Evangelische Stadtgemeinde Stendal laden für Dienstag, 8. April, zu einer Gedenkstunde in den Dom. 80 Jahre nach dem verheerenden Luftangriff im Zweiten Weltkrieg, bei dem der Dom stark beschädigt wurde und bis zu 200 Stendaler ihr Leben verloren, soll auf besondere Weise der Toten gedacht werden.
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Im Vorfeld hat Dompfarrer Markus Schütte zu einem Pressetermin an die Kreuzung Hospitalstraße/Hallstraße geladen. „Wir stehen hier in der Flugschneise“, sagt er.
Auf einem Aufsteller ist ein historisches Foto abgebildet, das in etwa von dieser Position vom Dom gemacht wurde. Es zeigt die Trümmer, die der Luftangriff, der nur einen Monat vor Kriegsende stattfand, in Stendal hinterließ. Wo Bomben der Alliierten einst für Staub und Asche sorgten, steht heute ein Neubau.
Nach Bombenangriff aus dem Schutt befreit
„An einem Sonntag nach Ostern zur Gottesdienstzeit ist es passiert“, sagt Markus Schütte. Bei schönstem Sonnenschein ertönten die Sirenen in Stendal. „Meine beiden Großeltern mütterlicherseits waren davon betroffen“, sagt Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) und erinnert sich an die Geschichte, die in seiner Familie erzählt wurde. Sie waren in einem Keller, mussten sich nach dem Bombenangriff aus Schutt befreien. „Mein Urgroßvater hatte schneeweißes Haar.“
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Andere Menschen hatten weniger Glück. Reinhard Creutzburg hat die Kirchenbücher von damals ausgewertet und eine Liste der Verstorbenen im Bereich des Doms zusammengestellt. 54 Namen werden verlesen. Ein Auszug: „In der Hallstraße 31 kamen ums Leben: Wilhelmine Sanne, 68 Jahre, ihre Tochter Ilse Kuhn geb. Sanne, 31 Jahre mit Töchterlein Brigitte, 4 Jahre; ferner das Töchterlein Gisela Bohning, 4 Jahre, die Witwe Barth aus Duisburg im Alter von 42 Jahren mit ihrem dreijährigen Sohn und einem sechs Wochen alten Kind.“ Bastian Sieler: „Eine Tragödie, dass hier drei Generationen auf einmal gestorben sind.“
Mahnung an die Schrecken des Krieges
Bei der Gedenkstunde wird Matthias Hinz, Schauspieler des Theaters der Altmark, zusätzlich Augenzeugenberichte verlesen, die von Reinhard Creutzburg eingeordnet werden.
Pfarrer Markus Schütte ist es 80 Jahre nach dem Bombenangriff wichtig, „ein Licht zu entzünden“ und die Namen der Verstorbenen festzuhalten. Laut Bastian Sieler soll die Gedenkveranstaltung nicht nur als Zeichen des Friedens dienen, sondern auch eine Mahnung sein, welche Schrecken im Kriegsfall auf die Menschen zukommen.
Die Gedenkstunde im Stendaler Dom beginnt am Dienstag, 8. April, um 11 Uhr.