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Stadtgeschichte Als in der Hallstraße in Stendal ein Trommler spurlos verschwand

Woher hat die Hallstraße in Stendal ihren Namen? Silke Junker vom Altmärkischen Museum kramte drei Theorien zur Namensherkunft heraus. Doch damit nicht genug. Zusätzlich fand sie noch eine Sage, die sich um die Straße rankt.

Von Leon Zeitz 17.08.2023, 08:00
Woher hat die Hallstraße in Stendal ihren Namen? Neben mehreren Theorien rankt sich auch eine Sage um die Straße.
Woher hat die Hallstraße in Stendal ihren Namen? Neben mehreren Theorien rankt sich auch eine Sage um die Straße. Foto: Leon Zeitz

Stendal - Die Hallstraße in Stendal: Neben städtischer Volkshochschule und kleiner Markthalle nennt die Volksstimme seit Februar 1993 die Straße ihr „Zuhause“. Wie die Hallstraße zu ihrem Namen kam, weiß Silke Junker. Die Mitarbeiterin des Altmärkischen Museums der Hansestadt hat drei Theorien und eine Sage zur Hallstraße aus der Forschungsliteratur herausgekramt.

Ein Erklärungsansatz stammt vom Historiker Max Bathe. Er schaute sich den Verlauf der Straße genauer an und nahm diesen als Grundlage für seine Theorie. Diese verläuft nämlich vom Markt aus in Richtung Poststraße/Deichstraße leicht gekrümmt. „Der gesamte Straßenzug trägt den Namen nach der Gasse, also der Kleinen Hallstraße, die gekrümmt, halsartig verläuft“, erklärt die Wahl-Altmärkerin.

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Die Straße soll ihren Namen demnach von dem Körperteil haben. Von 1623 bis 1877 war neben der heutigen Schreibweise auch unter anderem „Halsstraße“ gebräuchlich. Laut Karl Wernicke, der sich ebenfalls mit den Straßen Stendals beschäftigt hat, handelt es sich dabei jedoch einfach nur um ein Missverständnis und eine falsche Schreibweise.

Hallstraße: Salzhandel in Stendal

Eine zweite Theorie geht in eine ganz andere Richtung. „Die Hallstraße könnte laut Forschungsliteratur für den Salzhandel genutzt wurden sein“, sagt Silke Junker. Das Wort „Hall“ ist mitteldeutsch und bedeutet Salz. Es gibt jedoch einige Argumente, die gegen diesen Ansatz sprechen. Zum einen entsprach das Mitteldeutsche nicht den Sprachgewohnheiten. „Eher das Niederdeutsche. Dann müsste es Salt oder Solt lauten.“ Zum anderen wird aufgrund der Enge der Straße bezweifelt, dass sie für den Salzhandel geeignet war.

Vorhallen von Gerbern und Schustern

Es klingt zu simpel, um wahr zu sein. Tatsächlich könnte die Hallstraße ihren Namen vom niederdeutschen „Halla“ für Halle haben. „Die Straße hat ihren Namen laut Historiker Ludwig Götze nach den mit Vorhallen versehenen Häusern der dort wohnenden Schuster und Gerber erhalten“, sagt Silke Junker. In den Hallen wurden Waren zum Verkauf angeboten.

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Auch hier gibt es das Gegenargument, dass die Straße für solche Vorhallen zu eng gewesen sei. Doch gibt es einen urkundlichen Beleg von 1298 über die Vorhallen. Auch Silke Junker ist von der Theorie überzeugt. „Früher fand ich sie nicht sehr überzeugend, doch mittlerweile glaube ich, dass etwas dran sein könnte.“

Ein Geheimgang in Stendal

Neben den Theorien ist Silke Junker bei ihrer Recherche zur Namensherkunft noch auf eine Sage über die Hallstraße gestoßen. „Diese ist aber augenzwinkernd zu betrachten“, sagt die 58-Jährige schmunzelnd. Laut der Sage soll es einen Geheimgang von der Marienkirche bis zur Domkirche St. Nikolaus gegeben haben. Um zu überprüfen, wie der Gang verläuft, schickte man einen Trommler hinab, der zum Tode verurteilt war. Er sollte dabei immer weiter trommeln.

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Irgendwann – unter der Hallstraße – verstummte die Trommel dann. „Der Trommler wurde nie wieder gesehen.“ Der Name der Straße soll vom Wort „hallen“ abstammen. So wie die Trommelgeräusche des Musikers durch den Tunnel hallten. „Es gibt jedoch keinerlei Beweise dafür, dass dieser Geheimweg in Stendal wirklich existiert hat“, sagt Silke Junker.