17 Auszubildene der Stendaler Tischler-Innung traten zur Prüfung an - 14 lieferten ihr Gesellenstück ab Faszination Holz zieht neue Tischlergeneration an
13 junge Männer und eine Frau lieferten am Wochenende ihr Gesellenstück ab. Als Tischler. Türen und Möbelstücke präsentierten sie im Berufsbildungswerk Stendal der Prüfungskommission und beendeten damit ihre Ausbildung.
Stendal l "Holz ist so etwas von faszinierend und hat was Warmes", schwärmte Jacob Fleischmann. Als der 22-Jährige aus Wilhelmshof während eines einjährigen Australien-Aufenthaltes mit Holz arbeitete, reifte in ihm der Wunsch, Tischler zu werden. Am Wochenende nun kam er diesem Wunsch ein großes Stück näher. Mit einem Fernsehschrank lieferte der junge Mann, der seine Ausbildung in der Tischlerei Schneider in Badingen absolvierte, sein Gesellenstück ab. Das fand Gefallen bei der Prüfungskommission der Tischlerinnung Stendal, die unter Leitung von Tischlermeister Reik Lücke aus Grobleben die Arbeiten begutachtete.
"Ich bin Tischler und Ausbilder - kein Löwenbändiger."
Michael Schnelle
Insgesamt 17 Lehrlinge stellten sich dem fünfköpfigen Gremium. 14 bestanden. "Eine normale Quote", schätzte Joachim Friedrich von der Prüfungskommission ein. Der Lehrer der Berufsbildenden Schule Stendal hat aber auch einen Unterschied zu früheren Gesellenarbeiten ausgemacht: "Die Stücke sind qualitativ ausgereifter geworden, hochwertiger."
Dafür steht in diesem Jahr beispielsweise der Couchtisch von Florian Beckmann. "Ich wollte schon etwas Extravagantes machen, einen Blickfang eben", erzählte der 26-jährige Vinzelberger, der den Tisch mit einem zusätzlichen Fach, beispielsweise für Decken oder Schalen, ausstattete. Anerkennung gab es dafür auch von Michael Schnelle, in dessen Werbener Manufaktur er seine Ausbildung absolvierte und weiterhin tätig sein wird. Auch der Chef war zufrieden und lobte den "engagierten" Mitarbeiter. Engagement ist für Schnelle aber auch eine Selbstverständlichkeit für einen Azubi. "Sonst wäre er nicht bei mir. Ich bin Tischler und Ausbilder - kein Löwenbändiger."
Nicht Löwe, aber Henne im Korb war Jasmin Althoff. Die 24-Jährige war nämlich die einzige Frau unter den angehenden Tischlern. "Ich bin ein handwerklicher Typ", begründete die Stendalerin, die über die Deutsche Angestellten Akademie ihre Ausbildung absolvierte und sich das praktische Rüstzeug bei der Lücke GbR in Tangermünde holte. Die Tischlerei hat es ihr angetan, "weil man mit Holz schöne Sachen machen kann".
"Ich wollte auf keinen Fall eine 0-8-15-Tür."
Renate Treptow
Den Beweis trat sie mit ihrem Gesellenstück an: einem Vitrinenschrank. "Den habe ich passend zu den Möbeln in meiner Wohnung gemacht", erzählte sie. Besondere Herausforderung seien die akkurat ausgerichteten Türen gewesen, schließlich seien die unterschiedlich groß und schwer.
Während sich die junge Tischlerin über die Vitrine für ihre Wohnung freuen darf, hat Sebastian Treptow aus Schönhausen seine Oma glücklich gemacht. Mit einer Eingangstür für ihr Haus in Schönhausen. Das Haus sei um die 50 Jahre alt, berichtete Renate Treptow. Als ihr Enkel dann sein Gesellenstück anfertigen musste, hatte sie diesen Wunsch. "Ich wollte auf keinen Fall ein 0-8-15-Tür", erklärte die Rentnerin. Also legte der 24-Jährige in seiner Ausbildungswerkstatt, der Tischlerei Liermann in Wulkau los, und kreierte eine Tür mit ovaler Scheibe. Die Scheibe selbst fehlte bei der Präsentation in Stendal. "Wir haben eine Bleiverglasung in Jerichow in Auftrag gegeben. Aber dann kam das Hochwasser", so Sebastian Treptow. Und seine Oma fügte an: "Aber noch im Juli soll die Scheibe nun kommen." Dann ist ihr Glück perfekt.
Das Gesellenglück für die 14 jungen Tischler wird am 4.September perfekt. Dann erfolgt in der Stendaler Katharinenkirche ihre Freisprechung. Ihr Blick freilich geht schon ein Stück weiter.
"Viele Leute setzen bei Möbeln auf Unikate."
Joachim Friedrich
Jacob Fleischmann beispielsweise hat ein Studium im Visier. Er favorisiert einen Studiengang im sozialen Bereich und könnte sich eine Tätigkeit als Ausbilder vorstellen, machte dabei klar: "Aber auf jeden Fall muss es was mit Holz sein." Rückblickend auf seine Lehre, wünschte er sich, dass die Betriebe mehr Zeit für ihre Azubis hätten. Doch stünden die häufig unter Druck, um die Aufträge schnell zu erledigen. "Hoffentlich rächt sich das nicht mal, und es gehen in einigen Jahren die gut ausgebil- deten Handwerker aus", sagte er.
Als Handwerker will Florian Beckmann sein Weg fortsetzen und seinen Meister machen. Die ersten Schritte sind sogar schon getan mit Lehrgängen für Steuerrecht und Wirtschaft.
Joachim Friedrich ist sich sicher, dass im Tischlerhandwerk der Spruch vom Handwerk, der goldenen Boden hat, auch in Zeiten von großen Möbelhäusern weiterhin seine Berechtigung besitzt. "Tischler ist ein Beruf mit Zukunft", erklärte er. Dabei verwies er unter anderem auf die Begehrlichkeiten der Kunden. "Viele Leute setzen bei Möbeln auf Unikate. Der Wunsch nach der individueller Note rückt in den Vordergrund", glaubt er.
Und deshalb freut er sich, dass "stabile" Tischlerklassen in der Berufsschule für Nachwuchs sorgen.