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Rettungshundestaffel Sensible Nasen, die Menschen retten

Seit dem 1. August gibt es eine zweite Rettungshundestaffel im Landkreis Stendal. Caroline Rehmer baut sie auf.

Von Egmar Gebert 08.10.2016, 01:01

Stendal l Donnerstag, kurz nach 18 Uhr. Es wird laut auf dem Hundetrainingsplatz in der Haferbreite. Doch nicht die Platzherren vom Stendaler Dienst- und Gebrauchshundesportverein sind es, deren Tiere sich bellend und schwanzwedelnd begrüßen. An diesem wie jedem Donnerstag- und Samstagabend gehört das Trainingsgelände der Rettungshundestaffel Stendal der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH).

Klingt neu, ist es auch. Die JUH-Rettungshundestaffel gibt es seit 1. August dieses Jahres. Ein Datum, das sich bei einer Frau besonders eingebrannt hat. Caroline Rehmer, deren 29 Lebensjahre ohne Hund nicht vorstellbar wären. Die junge Frau, die Rehabilitations-Psychologie studierte, sich zur Hundetrainrein ausbilden ließ und beides beruflich verband, kann auch in ihrer Freizeit vom Hund nicht lassen. So verwirklichte sie gemeinsam mit dem Kreisverband der Johanniter- Unfall-Hilfe ihren Traum, eine Rettungshundestaffel aufzubauen.

„Das heißt nicht, dass wir schon einsatzfähig wären“, bremst Rettungshundestaffelleiterin Rehmer allzu vorschnelle Erwartungen. Die Hunde – sie kommen wie ihre Halter aus Stendal und Umgebung, aber auch aus Osterburg oder Meßdorf – stehen größtenteils erst am Anfang ihrer Ausbildung. Die erfolgt nicht nur an den wöchentlich drei Trainingstagen in der Rettungshundestaffel, sondern individuell und zusätzlich in einem Hundeverein. Hinzu kommt die Ausbildung der Hundehalter, die sie absolvieren müssen, um Führer oder besser Partner eines Rettungshundes sein zu können. „Da geht es um Kynologie, also die Lehre vom Hund, genauso wie um Erste Hilfe beim Menschen und beim Hund, schließlich kann der sich während eines Einsatzes ja auch mal verletzen“, sagt Caroline Rehmer in Richtung all derer, bei denen diese Zeilen Interesse geweckt haben sollten, denn: „Die Rettungshundestaffel ist weit mehr als Hobby. Der Anspruch an die Qualität unserer Arbeit ist hoch. Schließlich bereiten wir uns und unsere Hunde darauf vor, einmal Menschenleben zu retten.“

Wann es soweit sein wird? „Wir arbeiten darauf hin, in zwei bis drei Jahren als Rettungshundestaffel einsatzfähig zu sein“, gibt Caroline Rehmer das Ziel vor.

Ein Staffel-Mitglied ist dem jedoch bereits ein gutes Stück voraus: Bloodhound-Rüde „Hooch“ (gesprochen Huutsch). Er wird im März nächsten Jahres seine Prüfung als Mantrailer – speziell ausgebildeter Personenspürhund – ablegen.

Was er zusätzlich zu seiner speziellen Fähigkeit, die Geruchsspur eines bestimmten Menschen zu erkennen, sie aufzunehmen, ihr zu folgen und genau diese Person aufzuspüren, noch mitbringt, sind die Eigenschaften, die jeder Rettungshund mitbringen beziehungsweise erlernen muss: Ausgeglichenheit, Toleranz gegenüber Mensch und Tier.

Neben dem „Mantrailing“, das Rüde Hooch beherrscht, bereitet sich die JUH-Rettungshundestaffel Stendal auf ein weiteres Einsatzgebiet vor: Die Flächensuche. Bei der sind mehrere Hunde gleichzeitig auf einer abgegrenzten Fläche im Einsatz, suchen sie nach verletzten oder vermissten Personen ab. Das kann auch mal ein Waldgebiet sein, weshalb die Rettungshundestaffel einen ihrer drei wöchentlichen Trainingstage im Wald absolviert. Für diesen Teil der Ausbildung werden noch Waldbesitzer gesucht, die ihre Flächen hin und wieder für die Flächensuchhund-Ausbildung zur Verfügung stellen.

Apropos Hilfe: Die ist immer gern gesehen, als Helfer beim Training, als Spender von Ausrüstung, mit handwerklichen Fähigkeiten... Der Möglichkeiten gibt es viele.