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Zwangsversteigerung von vier Blöcken in Stendal-Süd erneut gescheitert Und plötzlich verschwand der Hauptgläubiger mit drei Männern

Von Wolfgang Biermann 30.09.2011, 04:26

In Stendal-Süd bleibt besitzmäßig alles beim Alten. Auch der zweite Versuch der Wiederversteigerung von vier Wohnblöcken mit rund 300 Wohnungen im Verkehrswert von gut vier Millionen Euro ist gestern vor dem Amtsgericht der Hansestadt gescheitert. Die Stadt Stendal als ranglistenzweite Gläubigerin betreibt die Fortsetzung des Verfahrens.

Stendal. Unter ungewöhnlich hohen Sicherheitsvorkehrungen fand gestern am Amtsgericht im Justizzentrum "Albrecht der Bär" der zweite Termin zur Wiederversteigerung statt. Er endete wie schon der erste am 17.März ergebnislos.

Polizei und Justizwachtmeister kontrollierten alle, darunter auch potenzielle Bieter in Nadelstreifenanzügen und Süd-Anwohner, die in den Saal 112 wollten, auf Waffen und Handys. "Es gab Hinweise", hieß es dazu vage von Seiten des Gerichtes. Vier Wohnblöcke mit rund 300 Wohnungen in der Hanseallee sowie in der Lemgoer und Bremer Straße im Gesamtverkehrswert von gut vier Millionen Euro sind von der Zwangsversteigerung betroffen. Im Grundbuch als Eigentümer eingetragen sind laut Rechtspflegerin Kathrin Gorski die Herren Evren und der unlängst verstorbene Mustafazada als Einzelpersonen.

Der Türke und der Aserbaidschaner hatten als "M E Real Estate" auftretend bei der Zwangsversteigerung im Herbst 2009 den Zuschlag für sechs Wohnblöcke in Stendal-Süd bekommen. Für vier der Blöcke waren sie aber den Kaufpreis von etwa 2,8 Millionen Euro schuldig geblieben.

"Wir sind hier nicht bei Ebay"

Die 300 Wohnungen wurden schließlich wieder gerichtlich beschlagnahmt und kamen unter Zwangsverwaltung. Die wurde vom Amtsgericht im Mai wieder aufgehoben. Die Mieten fließen seitdem wieder direkt an die Eigentümer.

Die Zwangsversteigerung im "Gesamtpaket" wurde auf Verlangen der in Wiesbaden ansässigen Delta-Lloyd-Versicherungsgruppe betrieben. Bei ihr stehen die Eigentümer mit 2,3 Millionen in der Kreide. Ranglistenzweite ist die Stadt Stendal. Bei ihr sind seit Oktober 2009 mehr als 114000 Euro an Grundsteuerschulden aufgelaufen. Dazu kommen weitere Ansprüche, unter anderem Schornsteinfegergebühren und Telefonkosten. Neuer Großgläubiger ist der Landkreis Stendal, wie die Rechtspflegerin der Volksstimme sagte. Über den Umfang der Forderungen wollte sie aber nichts sagen.

Als Mindestgebot des Tages nannte Kathrin Gorski zur Eröffnung der 30-minütigen Bieterstunde um 10.15 Uhr die Summe von 202161,24 Euro. Dafür hätte ein Bieter, so es denn einen gegeben hätte, die Blöcke keinesfalls bekommen. Wie die Volksstimme erfuhr, hätte man sich - das Einverständnis aller Gläubiger vorausgesetzt - aber auf weniger als die Hälfte des Verkehrswertes verständigen können; dies wären mindestens zwei Millionen Euro.

Während der Bieterstunde verließen ein Vertreter von Delta Lloyd und drei Männer aus dem Zuschauerraum kurzzeitig den Saal. Offenbar um ein mögliches Geschäft außerhalb des Gerichtssaales anzubahnen. "Wer hier bieten will, sollte das jetzt tun", sagte Gorski. Und weiter bezogen auf eine mögliche Bieter-Rallye zum Ende: "Wir sind hier nicht bei Ebay."

Delta Lloyd: "Kein Kommentar"

Denn nach dem Ende der Bieterstunde beantragte Delta Lloyd keine Fortsetzung des Zwangsvollstreckungsverfahrens. "Kein Kommentar", hieß es dazu auf Volksstimme-Nachfrage von Delta Lloyd. Die Vertreterin der Stadt Stendal beantragte indes die Fortsetzung. "Der nächste Versteigerungstermin wird in etwa einem halben Jahr sein", sagte Rechtspflegerin Gorski dieser Zeitung.

Vom gestrigen Termin unberührt bleibt der seit etwa drei Wochen bestehende Lieferstopp für die 300 Wohnungen mit Fernwärme und Warmwasser, weil die Eigentümer offenbar die Nebenkostenzahlungen der Mieter nicht an die Stadtwerke weitergeben.