Seit November 2009 suchen Tochter Kordula und ihre Mutter nach dem Rentner und dessen Auto Vermisst: Von Horst Kendzia fehlt jede Spur
Im November 2009 verschwand Horst Kendzia. Der damals 74-Jährige war zu einem Besuch in seine Heimat gekommen. Regelmäßig war er in Hämerten zu Gast. Seit zwei Jahren fehlt von ihm jede Spur.
Tangermünde l Neujahr. Zeit, sich gedanklich auf die kommenden Monate vorzubereiten. Der eine verbindet damit gute Vorsätze, andere lassen es ruhig angehen. Für drei Menschen beginnt ein neues Jahr zum dritten Mal mit jeder Menge Fragen, Ungewissheit und Verzweiflung. Kordula Rieger, ihr Mann Michael Harris und ihre Mutter Brigitte Kendzia sind zum dritten Mal einen Tag nach Silvester nach Tangermünde gekommen. Sie sind auf der Suche - auf der Suche nach Horst Kendzia. Der Vater von Kordula Rieger ist seit November 2009 verschwunden. Seitdem gab es kein Lebenszeichen von ihm.
"Er ist in Tangermünde geboren, zur Schule gegangen und hat hier eine Lehre absolviert."
Brigitte Kendzia
" Er ist in Tangermünde geboren, zur Schule gegangen und hat hier eine Lehre absolviert", berichtet Brigitte Kendzia, die mehr als 20 Jahre mit ihm verheiratet gewesen war und sich jetzt an dessen Suche beteiligt. Horst Kendzia verbrachte im Haus Zollensteig 7 seine Kindheit und Jugend. Im Jahre 1955 ging er in den Westen. Er wollte keinen Wehrdienst leisten. Seit dieser Zeit lebte er in Krefeld, heiratete und bekam Sohn und Tochter. Ein- oder zweimal pro Jahr kam er dennoch in seine Heimat, besuchte Freunde, Bekannte, Verwandte. Das war auch im November 2009 sein Ziel.
Am 13. November hatte Horst Kendzia eine Pension in Hämerten bezogen. "Nur an diesem Abend haben wir ihn gesehen, danach nie wieder", erinnert sich Annedore Voß, die ihm ein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte. Erst eine Woche später, am 22. November, wurde der Rentner als vermisst gemeldet, weil dessen Sohn ihn nicht erreichen konnte. Fest steht, dass der damals 74-Jährige am 14. November noch Kontakt zu einer Person auf dem Pfarrhof und gegen 16 Uhr 400 Euro bei der Volksbank-Filiale in Tangermünde abgehoben hatte, danach seine Cousine bei einem Wachschutz-Unternehmen in der Arneburger Straße aufsuchen wollte. Mit ihr hatte er sich treffen wollen. Da sie nicht da war, habe er sich zu einem späteren Zeitpunkt mit ihr verabredet. Doch zu diesem Treffen sei er nicht gekommen.
All das haben Kordula Rieger, ihr Lebensgefährte und ihre Mutter herausgefunden. Doch ein Lebenszeichen haben sie seitdem nicht mehr von ihm erhalten. Sowohl Horst Kendzia als auch das Auto von ihm, ein silbergrauer Audi A6, Baujahr 1999, mit dem Kennzeichen KR-JH 100, sind seit dem November 2009 spurlos verschwunden.
Auch die Polizei hat keine weiteren Anhaltspunkte, um die Suche nach dem Senior fortzusetzen. Pressesprecherin Doris Grunau schildert den Fall aus Polizeisicht wie folgt: "Am 13. November 2009 war Herr Kendzia bei einer Verkehrskontrolle einer Polizeistreife aufgefallen. Da er sich zu dieser Zeit nicht mehr in der Lage fühlte, mit seinem Fahrzeug zu fahren, wurde er von den Beamten nach Hämerten in die Pension begleitet." Tochter und Mutter sprechen davon, dass der Vermisste übergewichtig gewesen sei und Probleme mit dem Blutdruck hatte.
Doris Grunau weiter: "Als am 22. November 2009 der Polizei bekannt wurde, dass Horst Kendzia am 14. November die Pension mit unbekanntem Ziel verlassen hatte und gesundheitliche Probleme zu dem damaligen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen wurden, leitete die Kriminalpolizei umgehend die ersten Suchmaßnahmen ein. Alle bekannten Kontaktadressen und -personen wurden aufgesucht, mögliche Anlaufpunkte geprüft und der Bereich entlang der Elbe vorsorglich mit Fährtenhunden abgesucht. Leider blieben diese Maßnahmen und die am 25. November 2009 gestartete umfangreiche Öffentlichkeitsfahndung nach Horst Kendzia und nach seinem Auto ohne Erfolg. Es kamen keine Hinweise zum Aufenthaltsort des Vermissten."
Eine Straftat schließe die Polizei aus, sagte Doris Grunau. Im Dezember 2009 wurde der Vermisstenvorgang "auf Ersuchen dem Polizeipräsidium Krefeld übergeben". Sie ist zuständig, weil der Vermisste dort lebte.
"Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet."
Tochter Kordula Rieger
Jedes Jahr im Januar kommt die Tochter von Horst Kendzia nach Tangermünde. "Sie hatte ein sehr herzliches Verhältnis zu meinem Ex-Mann", berichtet Brigitte Kendzia. Für Kordula Rieger und Michael Harris, die in Florida leben, ist das jedes Mal eine weite Reise. "Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet", sagt Kordula Rieger. "Auch wenn es nicht realistisch ist", fügt sie hinzu. Regelmäßig habe sie mit ihrem Vater telefoniert, mindestens einmal im Jahr kam er sie besuchen.
Viermal waren die drei mittlerweile seit dem Verschwinden von Horst Kendzia in der Altmark, haben mit Verwandten und Freunden gesprochen. Ohne Erfolg. Auch das Konto des Vermissten blieb nach der 400 Euro-Barabhebung unangetastet. Die Krankenkasse registrierte keine Arztbesuche. "Wir können uns aber auch nicht vorstellen, dass er sich etwas angetan hat. Er war ein lebenslustiger Mensch, sehr unterhaltsam", sind sich Mutter und Tochter einig.
Wer der Familie helfen kann, Hinweise auf den Mann oder das Auto hat, wird gebeten, sich unter der E-Mail-Adresse navarrebeach4me@aol.com an sie zu wenden oder sich mit der Polizei in Stendal unter Telefon (0 39 31) 68 51 98 in Verbindung zu setzen.