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Nächster Termin am Amtsgericht in Sachen Süd am 19. April / 434 Wohnungen in vier Blöcken Zwangsversteigerung wegen Steuerschuld

Von Wolfgang Biermann 10.02.2012, 04:21

Der nächste Zwangsversteigerungstermin am Amtsgericht in Sachen Stendal-Süd ist der 19. April. Betreiber ist die Stadt Stendal.

Stendal l Auf ein Neues: Das Ringen um vier zum Ende der DDR errichtete Wohnblöcke in Stendal-Süd geht in eine weitere Runde - die erste des neuen Jahres und die dritte bislang. Am 19. April sollen um 10 Uhr im Saal 112 des Amtsgerichts Stendal erneut die Eingänge Hanseallee 2, 2A, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 14 A, 25, 27, 29, 31,33, 35, 37, 39, 57, 59, 61, 63, 65 und 65A, dazu die Lemgoer Straße 2, 4 und 6 sowie die Bremer Straße 2, 3, 4, 5 und 6 unter den Hammer kommen.

So steht es im Internet unter www.Versteigerungspool.de, Amtsgericht Stendal, zu lesen. Und so hat es Gerichtssprecherin Stefanie Hüttermann auf Anfrage der Volksstimme bestätigt. 434 Wohnungen sind in den vier Plattenbauten betroffen, davon laut Objektbeschreibung 123 leer stehend. Der Verkehrswert ist mit insgesamt etwas über vier Millionen Euro angegeben.

Eingetragene Besitzer sind Nazir Mustafazada (Aserbaidshan) und der im Vorjahr verstorbene Türke Tekin Evren als Einzelpersonen, die unter "M E Real Estate" agierten und vom Kaufpreis der von ihnen per Zuschlag im Herbst 2009 ersteigerten Wohnungen etwa 2,8 Millionen Euro schuldig blieben. Zwei Anläufe zur Zwangsversteigerung waren am 17. März und am 29. September vorigen Jahres gescheitert (Volksstimme berichtete).

Die Zwangsversteigerung war auf Betreiben der in Wiesbaden beheimateten Delta Lloyd Versicherungsgruppe betrieben worden, der Mustafazada und Evren etwa 2,3 Millionen Euro schulden. Dazu kommen Stadt und Landkreis Stendal als weitere Großgläubiger. Hinter den Kulissen war es zu einer Einigung zwischen der Erbengemeinschaft Evren sowie Nazir Mustafazada auf der einen und dem Hauptgläubiger Delta Lloyd auf der anderen Seite gekommen. Darum verfolgte Delta Lloyd auch die Zwangsversteigerung nicht weiter, wie der Stendaler Rechtsanwalt Roland Kreitlow dieser Zeitung nach dem gescheiterten Termin im September sagte.

Kreitlow und sein Kollege Nihat Celik aus Mainz sind nach eigener Auskunft mit der Wahrnehmung der Eigentümerinteressen vor Ort betraut worden. Sie sollten sich mit den Energieversorgern über die Beseitigung von aufgelaufenen Zahlungsrückständen per Ratenzahlung verständigen. "Das ist auch geschehen", bestätigte Anwalt Kreitlow der Volksstimme auf Anfrage. Delta Lloyd hätte demnach "Stillhalten" signalisiert.

Und somit konnten die Mieteinnahmen zur Beseitigung der Lieferschulden genutzt werden. Die Belieferung mit Wärme und Wasser funktioniere. Allerdings, so räumte er ein, hätten etliche Mieter ihre Wohnungen bei M E gekündigt und seien in andere Stadtteile gezogen, so dass der Leerstand gewachsen sei. Auch müssten noch einige der Mieter, die aufgrund der im Vorjahr aufgetretenen Probleme bei der Belieferung mit Fernwärme und Warmwasser durchaus berechtigt ihre Miete gemindert hätten, nunmehr zur vollen Zahlung des Wohnentgelts gemahnt werden. Alles in allem gab sich Kreitlow aber optimistisch.

Die Fortsetzung der Zwangsversteigerung wird auf Antrag der Stadt Stendal betrieben. Die Grundsteuerschulden beliefen sich nach Auskunft von Rechtspflegerin Kathrin Gorski seinerzeit auf 114000 Euro. Wie Gerichtssprecherin Hüttermann sagte, könnten am 19. April wohl Gebote unter 50 Prozent des Verkehrswertes abgegeben werden. Von Amts wegen dürfe aber ein Zuschlag unter der Hälfte des Verkehrswertes zu diesem Termin nicht erfolgen.

Sie kündigte "gerichtspolizeiliche Maßnahmen" für diesen Tag an, ähnlich dem 29. September. Somit ist wieder mit tiefgründigen Kontrollen bei allen Beteiligten zu rechnen. Handys durften nicht mit in den Gerichtssaal genommen werden. Von anonymen Drohungen war seinerzeit die Rede.