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Bewohner des Bodelschwingh-Hauses führen offenen Treff auf dem Zentralen Platz in Eigenregie Bodelstübchen steht allen Menschen offen

Von Karl-Heinz Klappoth 11.05.2013, 03:14

Mit dem "Bodelstübchen" wurde kürzlich am Zentralen Platz ein Treff für Menschen mit Behinderung eröffnet. Die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses wollen nicht allein unter sich bleiben, hoffen, dass recht viele Wolmirstedter vorbeischauen.

Barleben l Zum Inklusionstag konnte das "Bodelstübchen" offiziell eröffnet werden. Aber was verbirgt sich denn eigentlich hinter den großen Fensterscheiben des ehemaligen Ladenlokals, fragen sich immer wieder Passanten. Denn das kleine Stübchen wird gut frequentiert.

"Bis vor kurzem hatte hier das Stadtbüro des Bodelschwingh-Hauses seinen Sitz", ist von Pressesprecherin Bernadette Olma auf Nachfrage der Volksstimme zu erfahren. "Die Bewohner kamen nach der Arbeit aus der Werkstatt hier her, um entweder ihre Medikamente abzuholen oder mit den Mitarbeitern über ihre Sorgen und Probleme zu sprechen. Rund 25 Prozent der Bewohner des Bodelschwingh-Hauses wohnen mittlerweile in der Stadt und der Trend zeigt weiter aufwärts."

"Es ist natürlich daher unser Ziel, so viele Menschen wie möglich für das Wohnen in der Stadt fit zu machen", sagt Micha Schaub, Geschäftsführer der Wohnstätten gGmbH. "Selbständiges Wohnen bedeutet ein großes Stück Lebensqualität." Zu dieser neuen Qualität gehört jetzt auch der offene Treff, den die Bewohner in Eigenregie aus dem Büro gemacht haben.

"Das Büro ist ausgezogen", so Pressesprecherin Olma, "und es stand die Frage im Raum, was aus den Räumlichkeiten am Zentralen Platz werden soll." Die Antwort war schnell gefunden: Frische Farbe an den Wänden, eine schicke Küchenzeile, kuschelige Sofas, ein Fernseher und eine Stereoanlage. Statt zu Hause auf dem Sofa zu versauern, sind die Menschen mit Behinderung hier in Gesellschaft, bleiben in Kontakt.

"Alles kann, nichts muss. Kaffeeklatsch, Stricken, Film-abende, gemeinsames Kochen - die Liste der Wünsche der Stadt-Bewohner ist lang", erzählt Bernadette Olma. Und damit keiner der Wünsche in Vergessenheit gerät, haben die Männer und Frauen mit Behinderung auf ein großes Plakat geschrieben, was sie sich vom Treff wünschen.

In Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung ist so ein Konzept entstanden, das all diesen Vorstellungen gerecht werden will. "Es ist wichtig, dass sich die Menschen hier mit einbezogen fühlen. Wir als Mitarbeiter wollen uns gar nicht so intensiv darum kümmern. Das sollen die Bewohner selbst in die Hand nehmen", beschreibt Mitarbeiterin Katrin Besthorn eines der Grundanliegen, das dahinter steckt.

Deshalb hat sich zum Auftakt eine Arbeitsgruppe gegründet, die fortan das Zepter für das "Bodelstübchen" in der Hand hält. So haben die Bewohner ihren neuen Treffpunkt getauft. "Wir achten darauf, dass es auch so schön bleibt", sagt Beate Kurzynski. "Wir empfangen hier auch Freunde und Familie zu Geburts- und Festtagen. Auch Weihnachten und Silvester werden im Treff gefeiert. Da soll es schon schön sein", sagt Monika Joos.

Der größte Wunsch der Bewohner aber ist es, dass auch Menschen ohne Behinderung vorbeischauen, den Weg zu ihnen finden. "Wir wollen nicht immer nur als Behinderte wahrgenommen werden", sagt Simone Görges, "und deshalb soll der Treff soll für alle geöffnet sein."