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Ferienbetreuung Hort für die Schöne-Schule in Sicht

Läuft alles nach Plan, wird zu den Sommerferien ein Hort in der Gerhard-Schöne-Schule eröffnet. Der Landkreis gab grünes Licht dafür.

Von Gudrun Billowie 15.04.2016, 01:01

Wolmirstedt l Elias, Fabrice, Marie und die anderen Kinder der Gerhard-Schöne-Schule können die Sommerferien womöglich in ihrer Schule verbringen. Zumindest in den Wochen, in denen ihre Eltern keinen Urlaub bekommen. Damit haben die Eltern, die sich sehr für diesen schuleigenen Hort eingesetzt haben, einen großen Etappensieg errungen.

„Ziel ist es, diesen Hort zum 27. Juni in Betrieb zu nehmen“, sagt Iris Herzig, die zuständige Fachbereichskoordinatorin im Landkreis. Demnach wäre die Hortbetreuung ab dem ersten Sommerferientag gesichert. Für zwölf Kinder haben Eltern Bedarf angemeldet.

Träger des Hortes wird das Bodelschwingh-Haus sein. Norman Girmann, der dort für den Erziehungs- und Bildungsbereich zuständig ist, hat alle erforderlichen Unterlagen beim Landkreis eingereicht. Von dort wurde die Betriebserlaubnis Anfang der Woche erteilt. Die Stadt Wolmirstedt sichert die Basisfinanzierung zu, erklärt Fachdienstleiterin Marlies Cassuhn.

Damit sind die Grundlagen für die Eröffnung des Hortes geschaffen. Dennoch sind weitere Gespräche notwendig, weil allein mit der Basisfinanzierung der Hort nicht betrieben werden kann. Nach dem Kinderförderungsgesetz ist für zwölf Hortkinder eine halbe Erzieherstelle vorgesehen. Das wird bei behinderten Kindern nicht ausreichen. „Das Land gibt allerdings für Kinder mit Behinderungen eine zusätzliche Integrationspauschale“, weiß Norman Girmann. Für ihn beginnt somit erneut eine Zeit, in der viel gerechnet werden muss, schon allein um ausreichend Personal sicherzustellen. Der Hort könnte der Kita „Storchennest“ angegliedert werden, sodass die Leitung in den Händen der Storchennest-Leiterin Ina Ehrhardt läge.

Finanziert wird der Hort so wie andere Kitas auch. Die Platzkosten werden berechnet, davon wird die Pauschale abgezogen, die Land und Landkreis dafür überweisen, den Rest teilen sich Eltern und Stadt. Über Leistung, Qualität und Entgelte verhandeln das Bodelschwingh-Haus als Träger und der Landkreis. Die Stadt muss dem Ergebnis zustimmen, kann aber auch das Einvernehmen versagen. Über das Ergebnis wird der Stadtrat auf seiner Sitzung am 23. Juni informiert.

Die Eltern der Schöne-Schulkinder benötigen den Hort nicht nur für die Ferienbetreuung, sondern auch während der Schulzeit. Bislang bleiben die Kinder bis maximal 15 Uhr in der Schule und werden anschließend in die integrative Einrichtung nach Heinrichsberg gebracht. Eltern, die ihren Kindern diesen Ortswechsel nicht zumuten möchten, haben aus diesem Grund zum Teil ihre tägliche Arbeitszeit verringert.

Trotz der guten Aussicht auf einen baldigen Hortstart will sich die ganz große Freude bei Steffi Knauer-Knopf noch nicht einstellen. „Ich hätte mir gewünscht, dass es den Hort bereits im Februar gegeben hätte“, sagt sie. So war das eigentlich auch geplant. Die Mutter kämpft schon lange dafür, dass ihre Tochter Marie in einem Hort in der Schöne-Schule betreut werden kann, lange als Einzelkämpferin. Erst als sich Katja Fietz an ihre Seite gesellte, wurden beide Mütter zu einem starken Team, das andere Eltern mitzog.

Dass sich der Februar-Termin verzögert hat, stellt die Mütter wieder vor eine Herausforderung. Die Pfingstferien stehen vor der Tür. „Es gibt Tage, an denen Maries Betreuung noch nicht gesichert ist“, sagt Steffi Knauer-Knopf. Marie sitzt im Rollstuhl und kann sich nicht allein über den Tag helfen. Drei Tage lang bietet die Schule eine Betreuung an, mehr Stunden stehen nicht zur Verfügung.

Generell ist Schule nicht für die Hortbetreuung zuständig, sondern dem Bildungs- und Erziehungsauftrag verpflichtet und untersteht dem Kultusministerium. Horte gehören in den Bereich des Sozialministeriums. Für die Betreuung von Kindern mit Behinderungen haben beide Ministerien eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um Einzelfallentscheidungen zu treffen. Die Gerhard-Schöne-Schule bietet deshalb - anders als andere Schulen - an einzelnen Tagen eine Ferienbetreuung an, aber nicht so oft, dass Eltern unbesorgt auf die Ferien schauen können.

Steffi Knauer-Knopf weiß noch nicht, wo Marie bleibt, wenn die Schule geschlossen und der Hort noch nicht da ist. Im vergangenen Jahr war das Mädchen in einer Einrichtung in Haldensleben gewesen, der Landkreis hat diese Betreuung finanziert. „Ob ich das für zwei Tage noch einmal in Anspruch nehme, weiß ich nicht“, sagt Steffi Knauer-Knopf, „Marie kann sich dort an niemanden mehr erinnern.“

Außerdem plagt sie eine weitere Sorge. Während Elias, der Sohn von Katja Fietz, gerade eingeschult wurde und noch lange in den Genuss des Hortes kommt, wird Marie demnächst 14 Jahre alt. Dann hat sie auf der Grundlage des Kinderförderungsgesetzes keinen Anspruch mehr auf eine Hortbetreuung, trotz der Behinderung. Stattdessen besteht Anspruch auf die sogenannte Eingliederungshilfe oder ein persönliches Budget, das Eltern beim Landkreis beantragen können, um eine Nachmittags- und Ferienbetreuung zu finanzieren.

Um auf die Dringlichkeit eines Hortes in der Gerhard-Schöne-Schule aufmerksam zu machen, hat SPD-Stadträtin und Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschusses Christina Laqua die Betroffenen in die nächste Ausschusssitzung am 8. Juni eingeladen. Steffi Knauer-Knopf wünscht sich schon eher eine verbindliche Zusage, ob der Hort am 27. Juni starten kann oder nicht..