Rück- und Ausblick beim Verein Essenzen-Fabrik Zerbst Mit Erfahrungen aus 2013 in ein Jubiläumsjahr
Kino, Theater, Musik, Ausstellung, Lesungen. Der Verein Essenzen-Fabrik Zerbst hat in der heizfreien Periode 2013 erstmals ein durchgehendes Kulturprogramm angeboten. Und hat schon Pläne für 2014 - ein besonderes Jahr für die ehemalige Fabrik.
Zerbst l "Es braucht einen langen Atem, bis ein Kulturzentrum aufgebaut und von den Menschen angenommen ist." Dieses Fazit ziehen Vorsitzende Stephanie Kölling und Schatzmeister Fritz Kölling vom Verein Essenzen-Fabrik Zerbst am Ende dieses Jahres.
Nachdem der 2011 gegründete Verein zunächst verschiedene Workshops und kleinere Veranstaltungen organisiert hatte, wurden zur ersten "richtigen" Saison 2013 Kulturkino und Kleinkunstbühne zum und mit kulturellen Leben erweckt.
Zuvor war noch in den ersten Monaten die Fabrikhalle weiter saniert worden, die Decke wurde neu gestrichen, neue Beleuchtung und moderne Vorführtechnik installiert, einschließlich einer vier Meter breiten Projektionsleinwand.
Mit den "Toleranz-Filmtagen" startete im Mai das Kultur-Jahr an der Kastanienallee 6. Insgesamt gab es in diesem Jahr in der Reihe "Film in der Fabrik" (FIF) elf Streifen. Die Kleinkunstbühne wurde dann mit dem 20er-Jahre-Chanson-Abend "Weil ich glücklich bin ..." eingeweiht. Insgesamt boten die Organisatoren vom ehrenamtlich tätigen Essenzen-Fabrik-Verein ihrem Publikum eine bemerkenswerte und auch konstrastreiche Programmvielfalt.
Dazu gehörten unter anderem der Leseabend "Hackepeter oder ich habe meine Tante geschlachtet" ebenso wie der Auftritt von Uta Beeh, alias "Rabenstern", die aus ihrem Repertoire von über 300 Balladen und Gedichten rezitierte, oder auch der Sommerferien-Workshop für Jugendliche mit Windbau-Spezialist Heinz Zanke.
Über "ein volles Haus und tolle Festival-Atmosphäre" freuen sich Stephanie und Fritz Kölling noch einmal im Rückblick auf den Abend mit dem Balkan-Trio "Romenca" (Gesang, Akkordeon und Percussion) und seiner begeisternden Balkan Gipsy Musik.
"Die diesjährige Ausstellung in der Essenzen-Fabrik widmete sich einem Thema, das in Deutschland nur wenig bekannt ist: Bangladesh", erinnert Fritz Kölling an die eindrucksvollen Fotografien von Shumon Ahmed, der zur Eröffnung auch in Zerbst zu Gast war, "ein weiteres Highlight des Jahres".
Bisher sei es mehr eine kleine, aber treue Fangemeinde, die zu den Veranstaltungen in die Essenzen-Fabrik komme. Wenn auch immer wieder neue Gesichter - nicht nur aus Zerbst und Umgebung - dabei waren, der Verein wünscht sich für die Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Auslastung für die Halle. Wie ohne ehrenamtliche Helfer lässt sich vor allem auch ohne ausreichende Besucherzahlen das Programm nicht realisieren beziehungsweise, wie geplant, ausweiten. "Für 2014 haben wir uns vorgenommen, hier eine Heizung zu installieren, um dann das ganze Jahr über Angebote präsentieren zu können", erklärt Stephanie Kölling.
Möglich sind der Ausbau und die Organisation der Veranstaltungen nur durch die Unterstützung verschiedener Partner, zumal der Verein gerade auch "Familien mit geringerem Einkommen den Zugang zu Kultur ermöglichen" möchte. Förderungen gab es unter anderem vom sachsen-anhaltischen Regio-Programm, vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld und der staatlichen Organisation Engagement Global.
"Gegenwärtig sind wir in Gesprächen und Verhandlungen zur Programmgestaltung 2014", erzählt die Vereinsvorsitzende. Es ist zudem auch ein Jubiläumsjahr: Die Zerbster Essenzenfabrik wird 125 Jahre alt.
"Unser Verein wird, ausgehend von den positiven Tendenzen 2013, weiter daran arbeiten, die Angebote und die Bedürfnisse der Zerbster anzupassen", sagt Fritz Kölling. Es werde weiterhin eine Ausrichtung auf interkulturelle und entwicklungspolitische Themen geben, da "die Förderung der Völkerverständigung und Toleranz das Hauptanliegen des Vereins ist".
Die Film-Reihe wird im nächsten Jahr fortgeführt. "Bei ausreichender Nachfrage könnten Filme auch alle zwei Wochen angeboten werden", so der Schatzmeister. Pro Monat ist wieder eine Bühnenveranstaltung mit Musik, Theater oder Lesung geplant. "Der Märchenerzähler Jan Deicke aus Dresden wird kommen, wie ebenso Agnes Bryja (Sopran) und Doreen Pichler (Klavier), die ihr neues Chanson-Programm präsentieren", kann Stephanie Kölling schon verraten.