Volkssolidarität: Ortsgruppe Nutha besteht seit 40 Jahren Schnelle Eingreiftruppe blickt auf viele Aktivitäten zurück
Seit nunmehr 40 Jahren ist die Volkssolidarität in Nutha vertreten. Am 1. Juli 1970 wurde die Ortsgruppe gegründet. Bis heute bietet sie den Senioren vielfältige Veranstaltungen an. Die Palette reicht von interessanten Vorträgen über gemeinsame Ausflüge bis zu regelmäßigen Kegelnachmittagen. Eines kommt dabei nie zu kurz: die Geselligkeit.
Nutha. Plaudernd sitzen die Frauen und Männer im Saal des Nuthaer "Dorfkrugs" beisammen. Trotz der Hitze haben sich 37 der insgesamt 57 Ortsgruppenmitglieder zu der Jubiläumsfeier eingefunden. Das freut Erika Ringel. Seit Mai 1996 steht sie an der Spitze der geselligen Truppe. Mit einem hellen Läuten lenkt sie nun die Aufmerksamkeit auf sich. "Ich möchte Irmtraud Wallwitz für das Keramik-Glöckchen danken. Das wird jetzt immer zur Ruhe mahnen", erklärt sie schmunzelnd.
Nach der kurzen Begrüßung lassen sich die Senioren erstmal die Torte zum Kaffee munden, bevor Erika Ringel erneut das Wort ergreift. In ihrem Rückblick erzählt sie, wie sie in den Unterlagen ihrer Vorgängerin auf das Gründungsdatum der Ortsgruppe (OG) Nutha stieß: den 1. Juli 1970. Wie viele Mitglieder es anfangs gab, ist nicht überliefert. Allerdings entdeckte die OG-Vorsitzende in einer Liste die Namen von zwei Frauen, die seit Beginn dabei sind.
Zum einen handelt es sich um Brigitte Knauer aus Nutha-Siedlung. Da sie an der Veranstaltung nicht teilnehmen kann, werden ihr die Urkunde und die Blumen später zu Hause überreicht. Unterdessen nimmt Annemarie Klatt die kleinen Präsente erfreut entgegen. Auch sie gehört der Ortsgruppe seit 40 Jahren an. "Ich fühl‘ mich in Nutha wohl", sagt die Trebnitzerin, die über ihre Arbeitskollegin Grete Paul zur Volkssolidarität kam. "Man hat mitgeholfen, wenn man Zeit hatte", begründet sie ihre Mitgliedschaft. Heute genießt sie vor allem die geselligen Aktivitäten wie das Kegeln an jedem ersten Dienstag im Monat.
Ein Stamm von zwölf Senioren seien sie da, bemerkt Erika Ringel, dass sie noch weitere Mitstreiter gebrauchen können. Diese müssten auch nicht zwingend kegeln. "Die Unterhaltung und der Gaudi drumherum – das ist das Schönste", motiviert sie in ihrer Rede zum Mitmachen.
Sie erinnert darin an die kritische Zeit der Wende. "Nach 1990 drohte alles den Bach runterzugehen." Doch im Gegensatz zu manch anderer Ortsgruppe überstand die Nuthaer den politischen Umbruch nicht zuletzt dank engagierter Personen wie der regionalen Verbandskoordinatorin Ursula Friedrich. Nicht zu vergessen ist die ehemalige Bürgermeisterin von Nutha, Else Ulbrich, die der Ortsgruppe als Leiterin treu blieb. Diese zählte damals 51 Mitglieder.
Als Else Ulbrich nach Leipzig verzog, trat Erika Ringel in ihre Fußstapfen. Dabei war sie nie auf sich allein gestellt, hatte stets einen regen Vorstand an ihrer Seite, der sie unterstützte. Der im Februar neu gewählte steht da in nichts nach. Eigentlich wollte Erika Ringel den Vorsitz abgeben. "Aber sie sagten: ,Mach‘s mal. Wir sind alle für dich da‘", lobt sie ihren jetzigen Vorstand. "Der ist super."
Besonders hebt Erika Ringel den inzwischen leider bereits verstorbenen Gerhard Klatt hervor, der viele Fahrten der Ortsgruppe organisiert hat. "Er hat sich doll eingesetzt", betont sie, während sie einige der zahlreichen Veranstaltungen seit 1996 nochmal Revue passieren lässt. "Es wäre zu viel, alles vorzutragen", listet sie nur einzelne Höhepunkte auf, die das abwechslungsreiche OG-Leben widerspiegeln.
Da unternahmen die Frauen und Männer beispielsweise Ausflüge zum Scharmützelsee und nach Wiesenburg. Sie fuhren mit dem "Klabautermann" zum Wasserstraßenkreuz, besuchten die Landesgartenschau in Wernigerode und das Dessauer Theater, sahen sich auf der Grünen Woche in Berlin und auf dem Loburger Storchenhof um. Die Senioren genossen den Sängerball in Walternienburg und den Auftritt der "Vorruheständler" in Nutha. Sie lauschten Dia-Vorträgen über einstige Mühlen, frühere Zerbster Kneipen und über die Elbeflut. Dabei war die Resonanz stets beachtlich. Durchschnittlich 40 Teilnehmer verzeichnete Erika Ringel.
Das trifft genauso auf die Karnevalsveranstaltungen zu, die jedes Jahr im Programm der Ortsgruppe stehen. Schöner Brauch ist mittlerweile auch die Weihnachtsfeier, die die Nuthaer seit 2000 zusammen mit den Rentnern aus Hohenlepte durchführen. Darüber hinaus lassen sie sich weder die Feste in Nutha, Niederlepte und Hohenlepte noch die alljährlichen überregionalen Veranstaltungen der Volkssolidarität in der Zerbster Stadthalle entgehen.
Neben den Krankenbesuchen dürfen sich die Mitglieder der Ortsgruppe über Gratulationen zu runden Geburtstagen und Ehejubiläen freuen. Das sind jedoch längst nicht alle Aktivitäten. So vermitteln die Senioren den jüngeren Generationen im Nuthaer Kornmuseum alte Traditionen wie das Federreißen oder Sockenstricken.
"Die Senioren sind unsere schnelle Eingreiftruppe", erwähnt Sylvia Rothe noch ein weiteres wesentliches Engagement der Frauen und Männer. Bei Bedarf seien sie immer rasch zur Stelle, weiß die Ortsbürgermeisterin diesen verlässlichen Einsatz zu würdigen. Zugleich ist sie stolz auf das langjährige Bestehen der aktiven Ortsgruppe, der sie zum Jubiläum ein Präsent in Form einer gravierten Zinntafel mitgebracht hat.
Ursula Friedrich ist ebenfalls nicht mit leeren Händen nach Nutha gekommen. Verbunden mit Glückwünschen und dem Dank für die rührige Arbeit des Vorstandes – auch im Namen der Geschäftsführerin des Regionalverbandes Elbe-Saale, Belinda Biging – übergibt die Verbandskoordinatorin Erika Ringel einen dicken Chronikhefter, der genügend Platz zur Dokumentation des vielfältigen Ortsgruppenlebens bietet.
"Anfangen ist leicht, beharren ist Kunst", zitiert Ursula Friedrich anlässlich von 40 Jahren Volkssolidarität in Nutha aus der mitgebrachten Urkunde. "Was ihr macht, das läuft stets rund", heißt es in dem Schriftstück anerkennend, das sie an die OG-Vorsitzende überreicht. Nicht zuletzt schenkt sie ihr ein Kochbuch, das weitere Würze verspricht.
Schließlich ist die Bühne frei für das "Saale-Duo". Mit schwungvollen Melodien unterhalten Birgit Patzschke und André Weigelt die Senioren, die gut gelaunt in die bekannten Lieder einstimmen und fröhlich mitschunkeln. So klingt die Jubiläumsfeier musikalisch aus.