Fußball-Verbandsliga Darum sagt Fortuna-Neuzugang Fedchenko: „Ich muss stark sein“
Die Liebe zum Fußball erweist sich für den Offensivspieler aus der Ukraine als wichtige Stütze.

Neustadt - Oleksandr Fedchenko hat beileibe kein leichtes Leben. Er verließ sein Heimatland Ukraine wegen des Krieges. Seine Familie lebt allerdings noch dort. „Ich denke über alles nach, aber ich muss stark sein“, sagt der 26-Jährige auf Englisch und ergänzt: „Ich versuche, jeden Tag zu lächeln und etwas für mich und meine Familie zu machen.“
Die Begeisterung für den Fußball trägt dazu bei, dass er sich trotz all der Sorgen nicht unterkriegen lässt. „Fußball hilft mir, im Kopf stark zu sein“, erzählt der in der Offensive variabel einsetzbare Akteur. Seit Ende Januar ist Fedchenko sportlich beim Verbandsligisten SV Fortuna zu Hause, der an diesem Sonnabend den 1. FC Bitterfeld-Wolfen empfängt (15 Uhr). Zuvor hatte der Angreifer eine Liga tiefer für Grün-Weiß Ilsenburg gespielt. Bei elf Einsätzen in der Hinrunde gelangen ihm dabei zwei Tore.
Dann hat er einmal mittrainiert, und daraufhin haben wir gesagt, dass es passt.
Fortuna-Trainer Dirk Hannemann
Dass der Rechtsfuß nun Fortune ist, beschreibt Trainer Dirk Hannemann als „Zufall“. Ein Zeitungsartikel brachte den Stein ins Rollen. So titelte die Volksstimme Ende Januar aufgrund mehrerer Ausfälle: „Fortuna gehen die Offensivkräfte aus“. Deshalb meldete sich Fedchenko. „Dann hat er einmal mittrainiert, und daraufhin haben wir gesagt, dass es passt“, berichtet Hannemann. Denn der Angreifer stellte unter Beweis, „dass er für uns wichtig sein kann“.
Der Neuzugang fühlt sich wiederum gut aufgehoben bei seinem neuen Verein: „Es ist ein sehr cooler Klub.“ Den Kontakt mit der Fortuna nahm er auf, weil sein Lebensmittelpunkt in Magdeburg ist und er hier bei einem Lieferservice tätig ist: „Ich bin glücklich, dass ich nun in der gleichen Stadt spiele, in der ich auch arbeite.“ Und er hat nicht nur einen Job in Magdeburg, sondern lebt auch mit einem Freund im Cityzentrum. „Es ist gemütlich und simpel – das mag ich“, sagt er über die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts.
Neben dem Spiel mit dem runden Leder ist das Fahrradfahren ein weiteres Hobby von Fedchenko, wenngleich der 1,80-Meter-Mann damit auch traurige Erinnerungen verbindet. Nach einem Unfall „hatte ich fünf Operationen an meinem Arm und saß ein ganzes Jahr nur zu Hause“. Doch längst ist er wieder fit und topmotiviert und möchte bei Fortuna über das Training „Schritt für Schritt“ besser reinfinden und mit guten Leistungen helfen. Beim 3:3 zuletzt in Westerhausen brachte ihn Coach Hannemann in den letzten Minuten der Partie für Pierre Gnaka.
Er hat eine Dynamik und eine gute Geschwindigkeit.
Fortuna-Trainer Dirk Hannemann über „Olek“ Fedchenko
Eine Qualität, die den Allrounder auszeichnet, ist seine mentale Stärke auf dem Rasen. All die schwierigen Erfahrungen in seinem Leben haben ihn gewissermaßen abgehärtet, eine Souveränität beim Fußballspielen verliehen. Und „Olek“ – wie sie ihn bei der Fortuna nennen – hält das Mentale auch für eine ganz wichtige Komponente im Sport. Er formuliert es so: „Du denkst und du spielst.“
Hannemann schätzt an seinem Schützling darüber hinaus seine körperliche Stabilität – und noch weitaus mehr. Neben der Physis lobt der Coach auch die Gradlinigkeit bei den Aktionen. „Es ist für uns wichtig, dass, wenn man ins Eins-gegen-eins-Duell geht, man auch zum Abschluss kommt“, erklärt der 54-Jährige in dem Zusammenhang und schwärmt auch von Stärken, mit denen der Akteur häufig in Dribblings überzeugt: „Er hat eine Dynamik und eine gute Geschwindigkeit.“ Obendrein gefällt Hannemann dessen Entscheidungsfindung: „Er hat klare Gedanken im Kopf, wann er den Ball nicht verlieren darf, sondern behalten muss, und wann er dribbeln oder zum Abschluss kommen kann.“
In der Jokerrolle
Doch zunächst dürfte Fedchenko seine Rolle in der eines Jokers finden. Zum einen bringt er ja Eigenschaften mit, die ihn zu einem geeigneten Einwechselspieler machen, zum anderen meint der Coach: „Er muss gucken, dass er erstmal ein bisschen die Abläufe von uns mitkriegt, und dann schauen wir.“ Künftig sind Startelfeinsätze aber in jedem Fall denkbar. Doch viel wichtiger bleibt: Der Fußball gibt ihm Halt.