SLK: Die Woche im ganzen Salzland Wieso es im Salzlandkreis gar nicht genug Spürnasen geben kann
Die braune Tonne, die unbedingt sein muss, der Hund, der gerne ehrenamtlich alles sucht, eine Kröte, die Naturfreunde schlucken müssen, - und was sonst noch wichtig war in dieser Woche im Salzland.

ich hätte eine kurze Frage an Sie - aus beruflichem Interesse: Wann lesen Sie etwas bis zum Schluss? Wissen Sie, welche Geschichten ich zu Ende lese? Bei denen ich nicht zwischendurch die Zeitung – egal ob gedruckt oder digital – wieder weglege oder einfach weiter „blättere“ beziehungsweise „wische“? Diejenigen, die mich überraschen.
Ich habe schon von Leuten gehört, die so ihr ganzes Studium und die Vorbereitungen aufs Examen bestritten haben. Mit genau dieser selektiven Wahrnehmung – zum Beispiel wenn es ums Recht geht: Überrascht mich diese neue Entscheidung des Bundesgerichtshofes, des Bundesverwaltungsgerichts oder irgendeiner anderen maßgeblichen Instanz? Dann sollte ich sie lesen.

Denn wenn sie mich nicht überrascht, hätte ich es vermutlich genauso gemacht. Also habe ich schon verstanden, was das Gericht zu seiner Begründung ausformulieren wird. Bin ich aber verwirrt, dann kann ich noch etwas dazulernen. Und sei es nur die Ansicht eines Gerichtes, die mich den Kopf schütteln lässt. Die ich aber vielleicht doch besser kennen sollte.
Gemessen daran musste ich in dieser Woche wieder eine Menge Geschichten meiner Kollegen im ganzen Salzlandkreis bis zum Ende lesen. Weil sie mich überrascht haben, weil ich das so nicht erwartet habe – und weil ich tatsächlich auch zwischendurch mal den Kopf schütteln musste. Mal mehr, mal weniger.
Wenn die Biotonne alleine vor der Tür steht
Fangen wir mitten im Recht an. Da gibt es nämlich eine Auseinandersetzung, die mein Kollege Torsten Adam schon länger begleitet. Es geht um eine Bernburger Rentnerin, die partout keine Biotonne haben will. Denn sie hat ja einen Komposter und braucht sie deshalb nicht.

Das sieht der Kreiswirtschaftsbetrieb des Salzlandkreises aber anders. Er hält sie sogar für verpflichtet, eine Biotonne zu haben. Deshalb hat er ihr auch eine vor die Haustür gestellt. Da steht die jetzt, aber die Frau rührt sich nicht an.
Der Streit geht hin und her und jetzt vor Gericht. Und wenn ich mich da so durchlese, dann staune tatsächlich auch ich über die ein oder andere Rechtsauffassung, die da so vertreten wird. Und kann gar nicht vor dem Ende aufhören.
Ehrenamtliche Spürnasen suchen Mensch und Tier
Aufgehorcht habe ich auch schon am vergangenen Wochenende. Da machte nämlich die Nachricht die Runde, dass in Gänsefurth eine Leiche gefunden worden sei. So weit, so traurig.

Wie mein Kollege René Kiel dann berichtete, war ein privater Trupp auf der Suche nach einem vermissten 75-Jährigen aus Hecklingen dort in einem Löschteich auf den Leichnam gestoßen. Das war aber nicht dieser Vermisste, sondern vermutlich ein anderer. Gelöst ist das Rätsel, wer es wirklich ist, immer noch nicht.
Zwei Dinge haben mich gewundert. Erstens: Wie viele Menschen werden da gerade eigentlich rund um Staßfurt und Hecklingen vermisst, dass man bei der Suche nach dem einen den anderen findet? Und zweitens: Was ist das für ein privater Trupp, der da unterwegs war?

Die erste Frage ist noch offen, die zweite hat mein Kollege Enrico Joo beantwortet: mit einer Geschichte über Jens Lüdtke, seine Shiva und die „Spürhunde Salzlandkreis“, die ehrenamtlich auf die Suche nach Vermissten gehen – egal ob Mensch oder Tier.
Auch dieses Engagement fand ich so überraschend genug, um die Geschichte – ohne jedes Kopfschütteln – zu Ende zu lesen.
Bitte nicht mit dem Auto: Wann ist die Natur noch mein Freund?
Umso mehr den Kopf schütteln musste ich hingegen bei einer Geschichte meiner Kollegin Regine Lotzmann. Das Feuchtgebiet in den Froser Seeländereien, schreibt sie, sei idyllisch und Heimat für zahlreiche seltene Vogelarten.
Kein Wunder, dass viele Fotografen, Ornithologen und Naturfreunde einen Ausflug zum Beobachtungsturm unternehmen würden, um den Blick auf das Idyll zu genießen.

Das Problem dabei: Einige wollen direkt mit dem Auto zum Turm – und überfahren dabei etliche Kröten, Frösche und Molche, die gerade in großer Zahl den kleinen Feldweg am Zuckerbusch queren.
Kann das wahr sein? Als Naturfreund zu Hause losgefahren, als Froschkiller angekommen? Ich kann das Entsetzen in den Augen und das schlechte Gewissen quasi vor mir sehen. So einfach ist es also gar nicht, die Natur zu genießen, ohne sie zu beschädigen. Oder man geht eben den Rest zu Fuß ...
Kommt jetzt endlich wieder Farbe ins Spiel?
Schaden anrichten können auch Dinge, die gar nicht da sind. So wie manche Fahrbahnmarkierungen in Schönebeck: Wo nichts ist, weiß ich auch nicht, was ich tun muss. Entsprechend gewundert habe ich mich diese Woche, als Kollege Stefan Demps davon berichtete, ein Fahrlehrer habe ihn auf die mangelhafte Markierung in der Söker Straße aufmerksam gemacht.

Das kommt mir doch bekannt vor, dachte ich mir. Und richtig: Auch der Kollege Paul Schulz war vor einigen Monaten von einem Fahrlehrer auf diese Stelle aufmerksam gemacht worden. Bei dem war sogar wegen dieses Mangels ein Schüler durch die Fahrprüfung gefallen.
Also hakte Kollege Demps noch mal nach, warum der Mangel immer noch besteht – und wie er sich beheben ließe. Mit Erfolg: Unter der Woche – geradezu parallel zum „Nachhaken“ – kam die Nachricht von der Stadt, dass auf der Söker Straße markiert wird.
Und zwar schon am heutigen Samstag. Schön, wenn es so schnell geht, oder? Da ließt man gerne zu Ende – und hakt auch danach noch mal nach.
Foto der Woche
Mein Foto der Woche hat mein Kollege Engelbert Pülicher geschossen – und es zeigt vor allem: den Frühling. Es sei wahrscheinlich wieder die derzeit schönste Straße Bernburgs, sagen die Kollegen in Bernburg über die Johann-Rust-Straße im Süden der Saalestadt.

Denn dort stehen die japanische Wildkirsche derzeit in voller Blüte und begeistert nicht nur die vorbeifahrenden Autofahrer. Auch viele Bernburger wie Alina Wellbrock, die der Kollege dort getroffen hat, nutzen die Gelegenheit, um genauer hinzusehen.
Wohin am Wochenende?
Fragen Sie mich etwas Leichteres! Überall ist nämlich alles wieder auf. Wenn ich mir allein ansehe, was die Kollegin Katharina Thormann aus Bernburg aufgeschrieben hat. Saalefee, Parkeisenbahn, Märchengarten: Alles steht bereit.

Und nicht nur das: In Aschersleben ist zudem gerade eine ganz besondere Aufstellung eröffnet worden: In der Kaffeemänner Rösterei in der Hohen Straße ist jetzt die Schau „Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 1995–2022“ zu bestaunen.

Besucher sehen die preisgekrönten Architekturprojekte des Landes und erhalten einen Einblick in die baukulturelle Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Und das in einem Gebäude, das selbst zu den Preisträgern gehört. Daran hat zum Start meine Kollegin Katrin Wurm erinnert. Klingt sehenswert, finde ich.
Sie haben es bis hierhin geschafft? War diese Woche im Salzlandkreis und unsere Geschichten etwa auch für Sie so überraschend? Dann: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Ihr Examen bestanden!
Und jetzt nichts wie raus in den warmen Teil des Wochenendes, bevor Sie noch von der Kälte überrascht werden …
Ihr Frank Klemmer