Wissenschaft Archäologen finden Nachweis für Pfalz in Memleben
In Memleben haben Archäologen Gebäudereste aus der Mitte des zehnten Jahrhunderts entdeckt. Sie sollen zeigen, dass dort schon früh eine Pfalz existierte. Und es gibt noch einen weiteren besonderen Fund.
Memleben - In Memleben haben Archäologen den wissenschaftlichen Nachweis für die Existenz einer bereits im zehnten Jahrhundert bestehenden Pfalz erbracht. „Jüngste Grabungen bestätigen, dass schon zu Zeiten von König Heinrich I. (um 876 bis 936) und dessen Sohn Kaiser Otto (912 bis 973) hier eine Pfalz existierte“, erklärte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Prof. Harald Meller am Donnerstag.
Memleben im Burgenlandkreis nahe der Unstrut zählt zu den bedeutendsten historischen Orten in Sachsen-Anhalt: Kurz vor seinem Tod 936 bestimmte König Heinrich I. dort seinen Sohn Otto zum Nachfolger. Dieser, Otto der Große, verstarb 973 als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs ebenfalls in Memleben. Während sein Herz in Memleben aufbewahrt wurde, erhielt er seine letzte Ruhestätte im Magdeburger Dom. Kaiser Otto II. (955 bis 983) wiederum gründete in Memleben mit seiner Gemahlin Kaiserin Theophanu (um 960 bis 991) zum Gedenken seines Vaters ein erstmals im Jahr 979 urkundlich erwähntes, bedeutsames Benediktinerkloster.
Experten zufolge muss es sich bei dem mittlerweile zu einem kleineren Teil frei gelegten Bauwerk um ein Objekt handeln, das vor dem Monumentalbau von 979 entstand. „Die greifbare außerordentliche Qualität des Gebäudes aus dem zehnten Jahrhundert lässt den Schluss zu, dass es sich entweder um einen älteren Sakralbau oder ein elementares, repräsentatives Gebäude der Pfalz Memleben handelt“, sagte Grabungsleiter Holger Grönwald.
Als ebenfalls sensationeller Fund gilt ein Bauwerk im ehemaligen Kreuzgang dieser von Otto II. errichteten Monumentalkirche. Es könnte als Ort zur Aufbewahrung und Verehrung einer Reliquie mit dem Herzen Ottos des Großen genutzt worden sein.
In der Umgebung des heutigen Klosterkomplexes wurden 2023 bereits vermutete Siedlungsstrukturen aus dem zehnten Jahrhundert verifiziert, die als Wüstung bekannt war. Die archäologischen Befunde deuten auf ein großes wirtschaftliches Gefüge hin, welches die Voraussetzung für die Versorgung einer Kaiserpfalz war, machte Prof. Leonhard Helten von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg deutlich.
Seit 2017 erforschen Wissenschaftler des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte und Archäologie Europas der Universität das historische Gelände.