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Nordsee Behörde bestätigt Unfall von Frachter an Windkraftanlage

Ein Frachter prallt gegen eine Offshore-Windkraftanlage. Nach einer vorläufigen Einschätzung handelt es sich um den ersten bekannten Vorfall dieser Art in der Region. Der Kapitän des wohl beteiligten Schiffs kündigt ein Statement an.

Von dpa 27.04.2023, 16:06
Das schwer beschädigtes Küstenmotorschiff liegt vor einer Werft in Emden.
Das schwer beschädigtes Küstenmotorschiff liegt vor einer Werft in Emden. Lars Klemmer/dpa

Hamburg/Emden - Ein Frachter prallt in der deutschen Nordsee gegen eine Offshore-Windkraftanlage - nach vorläufiger Einschätzung der zuständigen Behörde handelt es sich um den ersten Vorfall dieser Art in dem Gebiet. Wie die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg mitteilte, hatte sich der Unfall bereits am Montag kurz nach 20.00 Uhr ereignet. Am Mittwoch vermeldete der dänische Energiekonzern Ørsted - der Betreiber der Anlage - die Havarie.

Nach Kenntnis des BSU-Leiters Ulf Kaspera habe es in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone zuvor noch keinen Unfall eines Frachtschiffs mit einer Windenergieanlage gegeben. Die ausschließliche Wirtschaftszone ist das Gebiet jenseits des Küstenmeeres bis höchstens zur 200-Seemeilen-Grenze. Auch nach Einschätzung der Wasserschutzpolizei in Emden handle es sich um den ersten solchen Unfall vor der deutschen Nordseeküste.

Zwei weitere ähnliche Unfälle mit sogenannten Offshore-Versorgern von 2018 und 2020 sind der BSU bekannt. Offshore-Versorger sind Schiffe, die direkt an die Anlagen heranfahren.

Der Unfall ereignete sich rund 45 Kilometer vor dem deutschen Festland in dem Offshore-Windpark Gode Wind 1. In etwa 30 Kilometer Entfernung liegen die Inseln Juist und Norderney. Rund um den Windpark besteht eine Sicherheitszone von 500 Metern. Der Frachter hat nach Angaben von Ørsted die Bootsanlegestelle an der Anlage beschädigt. Es handelt sich um eine Leiter, über die der Turm der Windkraftanlage erreicht wird.

Das Überwachungssystem von Ørsted hat eigenen Angaben zufolge aufgezeichnet, dass ein Schiff den vorgegebenen Fahrkorridor in der Nähe des Windparks verließ und kurz darauf wieder in die Fahrrinne fuhr.

Ørsted zufolge lief die Windkraftanlage auch nach dem Zusammenstoß weiter. Am Mittwochabend gab das Unternehmen in einer Mitteilung bekannt, dass die Anlage inzwischen für Untersuchungen außer Betrieb genommen worden sei.

Der rund 70 Meter lange Frachter, der wahrscheinlich an dem Unfall beteiligt war, war am Dienstag in den Emder Binnenhafen eingelaufen. Das Schiff ist beschädigt. Es hat ein metergroßes Loch am vorderen Rumpf. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war der Frachter mit 1500 Tonnen Getreide an Bord vom polnischen Stettin nach Antwerpen in Belgien unterwegs gewesen. Emden sei nach dem Zusammenstoß der „offensichtlich nächstmögliche Hafen“ gewesen, hieß es von der Polizei.

Der 59 Jahre alte Kapitän des Schiffs machte gegenüber der Polizei zunächst keine Angaben. Am Donnerstag sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei, dass der Kapitän angekündigt habe, sein Anwalt werde am 12. Mai ein Statement abgeben. Die Wasserschutzpolizei übernimmt nach Abstimmung mit der zuständigen Staatsanwaltschaft in Hamburg die Ermittlungen zu dem Unfall.

Die Schadenshöhe ist noch nicht bekannt. Auch Ørsted äußerte sich diesbezüglich noch nicht genau.

Nach Einschätzung von Kaspera müsse man den Unfall nach dem gegenwärtigen Stand als einen Einzelfall betrachten. Ob es dabei bleibe, werde sich zeigen. Naturgemäß könne man davon ausgehen, dass das Unfallrisiko sich erhöhe, weil mehr Anlagen den Seeraum verknappten und der Verkehr der Versorgungsschiffe zunehme. Andererseits lägen Windparks abseits der Schifffahrtsrouten und es gebe gute Maßnahmen zur Prävention.