Gedenkstätte Leere Gräber in Lüneburger Kriegsgräberstätte
Bei der Suche nach sterblichen Überresten von NS-Opfern wurden in Lüneburg viele leere Gräber gefunden. Die Leiterin vermutet, dass bei der Umbettung vor 50 Jahren einiges falsch gelaufen ist.

Lüneburg - Die „Euthanasie“-Gedenkstätte in Lüneburg ist bei der Suche nach bestatteten Opfern des NS-Regimes auf Dutzende leere Gräber gestoßen. „Wir vermissen in der Kriegsgräberstätte 75 Skelette von Erwachsenen und vier von ermordeten Kindern. Die Erwachsenen waren vor allem Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Ausland“, sagte Gedenkstättenleiterin Carola Rudnick und bestätigte einen Bericht des NDR.
35 sterbliche Überreste habe man gefunden, könne sie aber nicht zuordnen, denn die Pläne aus den Friedhofsunterlagen seien offensichtlich gefälscht. Ihre Vermutung: 1975 seien zwar die Gräber an der Gedenkanlage für die Opfer der NS-Psychiatrie eingerichtet worden, die Gebeine aus anderen Gräbern auf dem Friedhof der Hansestadt aber nicht umgebettet worden.
Dies betreffe vier Gräber für Kinder. Hunderte geistig oder körperlich behinderte Kinder aus ganz Norddeutschland waren zwischen 1941 und 1945 in Lüneburg ermordet worden.
„Das ist ein Skandal, ein Verbrechen“, sagte Rudnick. Jahrelang seien Familien zu den leeren Gräbern gekommen, um der Verstorbenen zu gedenken. Zudem seien öffentliche Gelder fälschlicherweise für einen Teil der Kriegsgräberstätte geflossen.
Neue Untersuchungen von Gräbern
Nun soll mit Bodenradar und Luftaufnahmen auf dem Friedhof nach den verschwundenen sterblichen Überresten der Vermissten gesucht werden. „Es ist unsere Aufgabe, nach alten Gräberfeldern für die Kinder und Erkrankten ausländischer Herkunft zu suchen“, betonte sie. Insgesamt seien auf dem Friedhof 305 Kinder und 143 in der NS-Zeit ermordete Erwachsene bestattet.
Das Innenministerium in Hannover sei eingeschaltet.