Monat des Korans Muslime bereiten sich auf Fastenzeit vor
Manche lassen es die nächsten Tage vor der Fastenzeit beim Fasching noch mal krachen, für Muslime beginnt derweil schon am Wochenende Ramadan. Wie sieht es davor in Thüringen aus?

Erfurt - Auch in Thüringen beginnt für viele Muslime am Samstag der Fastenmonat Ramadan. Für die islamischen Vereine ist die Zeit von Spiritualität, Verzicht, aber auch Gemeinsinn geprägt - und mit einigem Aufwand verbunden. Denn häufig organisieren sie gemeinschaftliche Essen, um traditionell nach Sonnenuntergang das Fasten zu brechen.
„Wir haben früher zwei Mal in der Woche ein gemeinsames Fastenbrechen organisiert, dieses Jahr wird es möglicherweise nur ein Mal pro Woche sein, damit wir es auch schaffen“, sagte Almir Catovic, der Vorsitzende des Vereins Nordhäuser Moschee. Denn in der Vergangenheit seien zu diesen Terminen um die 100 Leute gekommen - eine Herausforderung, wenn sonst nur einige Dutzend zu den Gebeten kämen. „Aber wir wollen auch wieder zu einem gemeinsamen Essen mit Christen und Juden einladen“, so Catovic. Die Planungen dafür liefen.
Manchmal fehlt Platz für großes Fastenbrechen
Auch Mohammad Khir Hamouda vom Verein Deutschsprachiger Muslime in Meiningen sagte, dass Ramadan eine besondere Zeit der Gemeinschaft sei. Regelmäßig gemeinsames Fastenbrechen zu organisieren sei aber aufwendig, vor allem auch, weil der Verein in seinen eigenen Räumen kaum Platz dafür habe. Dennoch sei auch in diesem Jahr ein größeres Essen am letzten Tag des Ramadans angedacht, zu dem alle aufgeschlossenen anderen Vereine eingeladen würden.
In diesem Jahr verzichten viele gläubige Muslime während des Ramadans bis einschließlich 29. März tagsüber auf Essen, Trinken und Rauchen. Ab dem 30. März wird das Ende des Ramadans beim anschließenden manchmal Zuckerfest genannten Fest des Fastenbrechens gefeiert. Der Fastenmonat ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam und gilt als göttliches Gebot. Der Zeitpunkt hängt am islamischen Mondkalender und verschiebt sich daher jedes Jahr. Ausnahmeregelungen vom Fasten gibt es etwa für Kinder und Schwangere.
Schätzungsweise mehrere Zehntausend Muslime in Thüringen
Thüringens Migrationsbeauftragte Mirjam Kruppa schätzte die Zahl der im Bundesland lebenden Musliminnen und Muslime auf rund 60.000. Die meisten muslimischen Gemeinden in Thüringen folgen der sunnitischen Lehre des Islam. Den Angaben aus Kruppas Büro zufolge gibt es etwa ein Dutzend eingetragene Moscheen-Vereine im Freistaat. Viele als Moscheen genutzte Räumlichkeiten sind äußerlich nicht als solche zu erkennen. Das einzige klassische Moschee-Gebäude mit Zier-Minarett und Kuppeldach in Thüringen gehört zur Gemeinschaft der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt.
„Die Zahl der Vereine in Thüringen steigt, in denen Musliminnen und Muslime ihre Kultur und ihre Herkunftssprache pflegen“, teilte Kruppa mit. Dazu gehöre auch das Feiern von religiösen Festen wie im Ramadan. „Das größte gemeinsame Anliegen dieser Vereine ist es, sich als Teil der Gesellschaft in das Miteinander einzubringen.“ Daher würden viele dieser Organisationen in den nächsten Wochen Interessierte zum gemeinsamen Fastenbrechen einladen.
Diskriminierung im Alltag
Kruppa wies allerdings auch darauf hin, dass ihr viele muslimische Menschen in Thüringen von Ablehnung und Diskriminierung im Alltag berichteten. Viele fühlten sich durch den öffentlichen Diskurs über islamistische Anschläge unter Generalverdacht genommen. Das sorge für große Verunsicherung und verstärke die Angst, den eigenen Glauben nicht mehr öffentlich leben zu dürfen.