Elf Wochen vor EM-Start Riese mit „feinem Füßchen“ - Woltemade im Kane-Style
Nick Woltemade steigert die EM-Vorfreude der U21 weiter. Der Dreierpacker erhebt das 3:1 gegen Favorit Spanien zur „Benchmark“. Der Sommer könnte für ihn voll werden - und für den Coach kompliziert.

Darmstadt - Nach seiner umjubelten U21-Gala nahm Nick Woltemade freudestrahlend den von den Teamkollegen signierten Spielball als Dreierpack-Trophäe fürs Wohnzimmer mit. „So oft habe ich jetzt auch noch nicht drei Tore geschossen, im Profibereich noch nie“, sagte der 23-Jährige über sein Premieren-Kunststück. Routine wie Bayerns Tormaschine Harry Kane, der regelmäßig das Hattrick-Souvenir in einer weißen Plastiktüte mit heim nimmt, hat der Stuttgarter nicht. Aber der berühmte Münchner Kollege hat an Woltemades Formhoch seinen Anteil.
„Viel bei Harry Kane abgeschaut“
Beim 3:1 (1:1) im EM-Härtetest gegen Spanien, nach dem die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes erst recht als ein Titelfavorit zur Endrunde vom 11. bis 28. Juni in die Slowakei reist, agierte Woltemade sehr variabel. „Das ist genau die Position, die ich dann am liebsten mag“, sagte der Angreifer. „Ich habe mir auch viel bei Harry Kane abgeschaut. Ich glaube, da kann man als Stürmer viel sehen.“
Gegen Spanien demonstrierte der vor der Saison ablösefrei aus Bremen zum VfB gewechselte 1,98-Meter-Reise ein breites Repertoire. „Ein typisches Nick-Tor und zwei Stürmer-Tore“, lautete seine zusammengefasste Enschätzung. Beim frühen 1:0 traf der Zocker nach Beinschuss per Heber. Mit einem Schuss aus der Drehung und per Kopf schraubte er das Ergebnis hoch. „Ich glaube, das ist auch sehr selten, dass ein Zwei-Meter-Mann so ein feines Füßchen hat, so dribbelstark ist“, sagte U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo.
Spanien-Sieg als „Benchmark“
Die DFB-Auswahl baute in Darmstadt die Erfolgsserie auf 15 Spiele ohne Niederlage aus. „Heute war die Benchmark, mit der wir spielen müssen. So können wir, glaube ich, jeden Gegner in Europa schlagen“, sagte Woltemade. Topleistungen werden bei der EM gleich in der Gruppe gegen Slowenien, Tschechien und Titelverteidiger England vonnöten sein. „Die Mannschaft ist in der Lage, super Fußball zu spielen“, lobte Di Salvo seine Jungs.
Woltemade war zuletzt von Julian Nagelsmann nicht für die A-Nationalmannschaft nominiert worden. Der Bundestrainer will Woltemade über einen längeren Zeitraum auf konstant hohem Niveau sehen. „Ich versuche, mich weiterhin zu beweisen, ein gutes Spiel zu machen. Und dann wird die Einladung bestimmt irgendwann kommen“, sagte das Offensiv-Juwel. Wie bestimmt auch Angebote finanzstarker Clubs. Der 23-Jährige, dessen Vertrag in Stuttgart bis 2028 läuft, steigert mit Leistungen wie den jüngsten beim VfB und DFB stetig seinen Marktwert.
Woltemades Sommer-Plan
Sollte Nagelsmann für die Finalrunde in der Nations League umdenken, würde Woltemade an einem längst gebuchten Termin in seinem Sommer-Plan trotzdem auf jeden Fall festhalten wollen. „Ich freue mich sehr auf die U21-EM, ich will das Ding unbedingt spielen“, sagte er. Eine Nominierung für die Nations League wäre aber auch alles andere als ein Problem. „Ich glaube, das überschneidet sich nicht. Rein Theoretisch wäre beides möglich.“
Die Nations League (4. bis 8. Juni) stört Di Salvo im Gegensatz zur Club-WM (14. Juni bis 13. Juli) nicht. Am 21. Mai will der 45-Jährige den Kader bekanntgeben, der fünf Tage später ins Trainingslager ins Weimarer Land reist. Rund zehn EM-Kandidaten wie etwa Bayern-Leihspieler Paul Wanner, München-Neuzugang Tom Bischof oder die Dortmunder Karim Adeyemi und Maximilian Beier sind für die neue Vereins-Weltmeisterschaft in den USA mehr oder weniger fixe Optionen.
„Toni muss das Ding rocken“
„Jetzt müssen wir gucken, was ist die beste Lösung“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler bei Sat.1. „Wir haben trotzdem eine wunderbare U21 auf dem Platz.“ Di Salvo hat ein Ensemble geformt, das anders als bei der schon nach der Gruppenphase vor zwei Jahren beendeten EM diesmal wieder ins Finale will. Der Nationaltrainer wurde kürzlich mit einem Vertrag bis 2027 ausgestattet. „Jeder weiß, wo er dran ist“, sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann. „Jetzt muss Toni das Ding halt rocken.“