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Kampfmittel Weltkriegs-Blindgänger werden noch lange Gefahr bleiben

Weiterhin werden jedes Jahr in Thüringen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Die Mengen sind beträchtlich – und ein Ende solcher Funde ist nicht absehbar.

Von dpa 01.04.2025, 04:00
In den vergangenen zehn Jahren wurden in Thüringen fast 1.000 Tonnen alte Kampfmittel geborgen. (Symbolbild)
In den vergangenen zehn Jahren wurden in Thüringen fast 1.000 Tonnen alte Kampfmittel geborgen. (Symbolbild) Thomas Frey/dpa

Erfurt - Auch acht Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Thüringen noch immer zahlreiche Blindgänger gefunden. In den vergangenen zehn Jahren wurden im Freistaat fast 1.000 Tonnen solcher Granaten und Bomben aus dem Boden gehoben, wie aus Zahlen des Landesverwaltungsamtes hervorgeht. Wie viele Blindgänger seit Kriegsende im Mai 1945 in Thüringen insgesamt gefunden wurden, dazu liegen laut einer Sprecherin der Behörde keine Angaben vor.

Da nach wie vor regelmäßig Blindgänger geborgen würden, sei auch in den nächsten Jahren von weiteren Funden auszugehen, sagte die Sprecherin. „Ein deutlicher Rückgang von Kampfmittelfunden war in den letzten Jahren nicht zu verzeichnen. Es ist folglich davon auszugehen, dass die Räumung im Bundesland Thüringen noch andauern wird.“ Thüringen verfügt nicht über eigenes Personal, um Blindgänger zu entschärfen. Der Freistaat beauftragt ein privates Unternehmen mit deren Beseitigung.

Besonders viele Funde im Jahr 2016

Besonders viel Weltkriegsmunition war im Jahr 2016 gefunden worden. Laut dem Landesverwaltungsamt bargen Spezialisten damals etwa 170 Tonnen. Dazu gehören neben Fliegerbomben und Artilleriegranaten unter anderem auch Gewehrpatronen, Minen sowie Zünder aller Art. In den jährlich registrierten Gesamtmengen sind auch Kampfmittel enthalten, die nach 1945 in Thüringen verwendet wurden – zum Beispiel im Zuge der DDR-Grenzsicherung – und erst heute entschärft werden. Derartige Funde machten bislang allerdings nur einen kleinen Teil der gefundenen Blindgänger-Menge aus, hieß es.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren auch die in der Regel kleinen Thüringer Städte bombardiert oder beschossen worden. Teilweise hatten die Alliierten ihre Bomben über ihnen abgeworfen, weil sie ihre eigentlichen Missionsziele nicht hatten finden können. So wurde etwa Sonneberg im Februar 1945 bombardiert, wie zwei lokale Hobbyforscher jüngst öffentlich gemacht hatten. Nach ihren Recherchen mit Material unter anderem aus US-Archiven hatten die US-Bomber damals eigentlich Chemnitz oder Dresden angreifen sollen, was ihnen wegen dichter Wolken über beiden Städten aber nicht gelang. Deshalb hätten die Piloten den Bahnhof in Sonneberg angegriffen.

Nordhausen besonders stark betroffen

Die durch alliierte Luftangriffe am schwersten zerstörte Thüringer Stadt war Nordhausen. Sie war im April 1945 bombardiert worden, wobei auch ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald getroffen wurde. Mehrere Tausend Menschen starben bei dem Angriff, die Stadt wurde erheblich zerstört. Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes werden im Landkreis Nordhausen entsprechend bis heute deutlich mehr Blindgänger gefunden als in anderen Regionen des Freistaates. „Der Norden von Thüringen ist besonders stark belastet“, sagte die Sprecherin. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze – am sogenannten Grünen Band – seien Kampfmittelfunde dagegen „sehr selten“.

Wer etwa bei einem Spaziergang alte Munition findet oder glaubt, dass es sich um Sprengkörper handelt, sollte diesen Fund oder seinen Verdacht zum Beispiel der Polizei melden. Die mutmaßliche Munition darf nicht berührt werden. Es ist bereits gefährlich, auch nur die Lage von alten Kampfmitteln zu ändern.