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exklusives interview "Ich litt unter extremen Schmerzen": Belastung Periode - Laura J. aus Sachsen-Anhalt über ihre Krankheit Endometriose

Eine Vielzahl an Frauen leidet während der Monatsblutung unter schlimmen Bauchkrämpfen, Übelkeit und Unwohlsein. Nicht selten steckt eine ernst zunehmende Krankheit dahinter. Das Problem: von Gesellschaft, Arbeitgebern oder sogar Ärzten wird es nicht immer berücksichtigt. Eine Betroffene erzählt von ihren Erfahrungen:

Von Linda May van Bui Aktualisiert: 23.05.2022, 09:23
Viele Betroffene der Unterleibserkrankung Endometriose leiden unter starken Symptomen und damit verbundenen Einschränkungen im Alltag.
Viele Betroffene der Unterleibserkrankung Endometriose leiden unter starken Symptomen und damit verbundenen Einschränkungen im Alltag. Foto: Annette Riedl/Symbol/dpa

Lutherstadt-Wittenberg/DUR - Laura J. lebt mit ihrem Partner und ihren zwei Söhnen im Grünen am Stadtrand in der Nähe von Lutherstadt-Wittenberg. Dass Laura J. gleich zwei Söhne zur Welt bringen durfte, ist für die 26-Jährige nicht selbstverständlich - denn sie leidet unter Endometriose.

Was ist Endometriose?

Bei Endometriose findet sich Gewebe im Körper, welches dem Gewebe der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Dies kann sich an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell ansiedeln, aber auch an der Blase oder gar der Lunge vorkommen.

Endometriose Symptome - Schmerzen während Periode

In der Regel macht sich diese Krankheit durch extreme Schmerzen während der Periode bemerkbar. Nach Schätzungen erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 40.000 Frauen daran - gerade im beruflichen Alltag sind dann Ausfälle unvermeidbar. Meistens stoßen diese häufigen Krankschreibungen dann auf Unmut beim Arbeitgeber.

Auch Laura J. hatte in der Vergangenheit mit negativen Reaktionen auf ihre Beschwerden zu kämpfen. Im Interview erklärt sie, welche physischen und mentalen Problemen sie als Endometriose-Betroffene belasteten.

Seit wann leiden Sie an Endometriose und wie verlief ihre Krankheitsgeschichte?

Laura J.: "Alles fing im Alter von 14 Jahren an. Ich litt unter extremen Schmerzen im Unterleib, sobald ich meine Regel bekam. Ich krümmte mich bei meinen Eltern auf der Couch und konnte kaum laufen. Das waren immense Schmerzen. Natürlich kam es dann zu viele Schulausfällen in der Zeit. Bei meiner Gynäkologin habe ich dieses Problem regelmäßig angesprochen. Die Antwort die ich erhielt, weiß ich noch wie heute:

Das ist nun mal so, das geht jeder Frau so.

Ich sollte doch einfach Schmerzmittel nehmen, wenn es nicht aushaltbar war. Im Alter von 18 Jahren wurde mir dann sogar geraten, einfach die Pille durchzunehmen, um meine Periode nicht mehr zu bekommen. Ich nahm die Empfehlungen meiner Gynäkologin natürlich erst einmal an und setzte sie um. Ich hatte es zu dieser Zeit auch selbst gar nicht hinterfragt, woran es denn liegen könnte. Nach einem halben Jahr musste ich die Pille dann aus gesundheitlichen Gründen jedoch absetzen."

Unter welchen Symptomen litten Sie in dieser Zeit? Wie machte sich die Endometriose bemerkbar?

"Neben den starken Schmerzen belasteten mich vor allem die schlimmen Durchfälle. Ich hatte auch starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder den gynäkologischen Untersuchungen. Insbesondere die Durchfälle haben dazu geführt, dass ich mich sozial zurückzog. Auch Depressionen zeichnen dieses Krankheitsbild."

Laura J. aus Sachsen-Anhalt: Heute kann die 26-Jährige wieder unbeschwerter durch das Leben gehen - dank einer Operation.
Laura J. aus Sachsen-Anhalt: Heute kann die 26-Jährige wieder unbeschwerter durch das Leben gehen - dank einer Operation.
Foto: privat/Laura J.

Belastete die Endometriose Ihr alltägliches Leben und ihre Beziehung?

"Auf jeden Fall. Vor meiner Diagnose habe ich eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte absolviert, auch da bin ich natürlich monatlich ausgefallen. Das ging dann so weit, dass ich mich diesbzeüglich sogar einem persönlichen Gespräch mit meinem Chef stellen musste, ein sogenanntes Krankenrückkehrgespräch. Es hieß dann nur:

Vielleicht sollten Sie sich dann doch etwas Anderes beruflich suchen.

Innerhalb meiner Beziehung war es nicht ganz so schlimm, aber für mich selbst natürlich trotzdem belastend. Ich habe mich aufgrund der Schmerzen zurückgezogen. Ich habe Nähe einfach nicht so zugelassen. Gerade wenn man weiß, dass es während des Geschlechtsverkehrs zu Schmerzen kommen wird."

Wie kam es dann zu der Diagnose von Endometriose?

"Irgendwann habe ich dann selbst im Internet recherchiert und bin auf Endometriose gestoßen. Ich wandte mich mit dieser möglichen Krankheit an meine Frauenärztin. Ihre Reaktion war natürlich wieder ernüchternd. Sie hielt es für unwahrscheinlich, da an Endometriose 'ja doch eher ältere Frauen erkranken'. Nach wenigen Wochen habe ich dennoch auf einen Endometriose-Test bestanden. Ich bin ins Krankenhaus gefahren und dort hat sich meine Google-Recherche bestätigt. Ich litt an Endometriose.

Schnell wurde mir in diesem Rahmen auch erklärt, dass ich vermutlich nie Kinder bekommen könnte. Doch mein Partner und ich wollten dahingehend nichts unversucht lassen - glücklicherweise hat es ja dann geklappt."

Wo saßen ihre Endometriose-Herde und wurde bei Ihnen dann eine OP durchgeführt?

"Genau, die Herde wurden bei mir im Rahmen einer ambulanten Operation entfernt. Das heißt: Ich durfte direkt danach wieder Nachhause. Die Herde saßen bei mir außerhalb, direkt an der Gebärmutter, am Darm und im Becken. Während des Nachgesprächs bei meiner Gynäkologin erklärte sie, als wäre es letztendlich doch ihr Verdienst gewesen, 'Ach Frau J., mal gut, dass wir das gemacht haben.' Ich war da gerade mal 20 Jahre alt."

Wie hat sich Ihr Leben seit der OP verändert?

"Ich sage mal so: Die Lebensqualität die vorher gefehlt hat, ist wieder da. Mein Krankenstand im beruflichen Leben hat sich eindeutig verringert. Auch die schlimmen Durchfälle haben sich gebessert. Ich lasse wieder mehr Nähe zu, ich muss mich dahingehend nicht mehr verkrampfen und weiß woran es liegt, wenn es doch mal schmerzen könnte. Einfach meine mentale Einstellung hat sich geändert.

Natürlich habe ich heute während meiner Periode, gerade die ersten drei Tage, hin und wieder immer noch Schmerzschübe. Diese fallen aber deutlich weniger intensiv aus als vor der OP. Dann ziehe ich mich für diese Tage ein wenig zurück, trinke Tee und nehme mir eine Wärmflasche. Dennoch kann ich mein Leben wieder genießen. Ärzte haben mir auch Yoga empfohlen und eine endometriose-gerechte Ernährung - das heißt beispielsweise kein Schweinefleisch."

Spanien will einen sogenannten "Menstruations-Urlaub" für Frauen im Beruf anbieten. Wie stehen Sie dazu? Ist so etwas in Deutschland denkbar?

"Ich würde mich natürlich darüber freuen, aber sehe es auch sehr kritisch. Der Arbeitsmarkt für Frauen ist sowieso schon schwierig. Würde diese Art der freien Tage eingeführt werden, wäre die Angst bei einigen Arbeitgebern sicher groß. Der Personalschlüssel ist in den meisten Unternehmen sowieso schon schlecht, es fehlt überall an Personal. Wer würde dann noch Frauen einstellen, die absehbar jeden Monat für bis zu fünf Tage ausfallen, eine Art "Freifahrtsschein" haben? Ich fände es schön, wenn zumindest jeder Arbeitgeber 'Krank ohne Krankenschein' für bis zu drei Tage anbieten würde - nicht nur für Endometriose-Betroffene, sondern für alle chronisch Kranken. Das würde schon viel helfen."